Zweikampf

Hin und wieder spiele ich mit jungen Männern Fußball, beziehungsweise, korrekter, gegen sie. Sie sind zumeist flink, ungestüm und wollen den Ball haben. Ich selbst, und meinen Mitspielern geht es in der Regel ähnlich, bin nicht sonderlich flink, dafür mit einer gewissen Ruhe ausgestattet, und will den Ball nicht hergeben.

Möglicherweise habe ich das Spiel im Lauf der Jahre etwas besser verstanden als jene jungen Leute, die noch viel Zeit haben, verfüge zudem über eine ganz akzeptable Ballsicherheit und darf mir auf bescheidenem Niveau ein gewisses Maß dessen zuschreiben, was man heutzutage Pressingresistenz nennt.

Es dürfte auf der Hand liegen, dass meine Vorzüge in erster Linie dann zum Tragen kommen, wenn ich den Ball am Fuß habe und freie Mitspieler finde, mit denen ich ihn zirkulieren lassen kann. Kritisch wird es insbesondere in Situationen, in denen das Zuspiel ungenau ist, ich also zum Ball laufen muss, oder wenn ich ihn schlecht verarbeite. Dann droht sich der Geschwindigkeitsnachteil bemerkbar zu machen.

Im konkreten Beispiel sieht das so aus, dass der hinter mir mit den Füßen scharrende Gegenspieler darauf spekuliert, dem Ball gewissermaßen den Weg abzuschneiden, so er denn zu mir gespielt werden soll. Wenn nun das Zuspiel tatsächlich kommt und möglicherweise etwas lommelig ist, wie man bei uns auf dem Platz zu sagen pflegt, es also auf halbem Wege zu verhungern droht, oder wenn ich ihn in Flippermanier prallen lasse, wird es kritisch.

Der junge Mann hinter mir erkennt seine Chance und versucht, an mir vorbei zum Ball zu gehen. Ich erkenne es und stelle, Verzeihung: laufe meinen Körper in seinen Laufweg, auf dass er mich nicht überholen möge. Er wird noch weiter ausweichen oder sein Glück auf der anderen Seite versuchen, ich reagiere entsprechend. Geht alles gut, bin ich mittlerweile am Ball und kann ihn spielen oder zumindest halbwegs kontrollieren, Pressingresistenz im weiteren Sinne, Sie wissen schon.

Vielleicht geht das Spielchen aber auch weiter. Mittlerweile haben wir sehr unmittelbaren Körperkontakt, er drängt mit jugendlicher Dynamik an mir vorbei, ich werfe gewisse körperliche Vorteile, die ansonsten eher in Kraftsportarten von Nutzen sind, und entsprechende Standfestigkeit in die Waagschale, was kurzzeitig hilft. Leider ist sein Tempo wesentlich höher als meines, er droht vorbeizukommen, den Ball habe ich nur mehr halb unter Kontrolle.

Also breite ich die Arme aus, unter Umständen auch nur einen. Vergrößerung der Körperfläche. Mit etwas Pech schreitet der Schiedsrichter ein, doch im Normalfall lässt er mich an dieser Stelle noch gewähren. Der Weg für den Eroberer verlängert sich weiter, im Idealfall gewinne ich durch eine geschickte Drehung so viel Raum und Zeit, dass ich in Ruhe abspielen kann. Im weniger idealen Fall drängt er sich an meinem Arm vorbei und ist auf dem besten Wege, mir mit dem Ball davonzulaufen. Schnell.

Nun gilt es, taktisch zu handeln. Da schlägt die Erfahrung zu Buche. Ich hänge mich mit dem ganzen Körper inklusive ausgestrecktem Arm in die entstehende Kurve, die Adaption eines Seitenwagen-Beifahrers verkörpernd, und dränge ihn so von seinem Weg ab. Läuft es gut, entfernen wir uns nicht allzu weit vom Ball und ich gelte noch als diesen führend. Läuft es nicht so gut, pfeift der Schiri ab, oder der Gegner kommt allen Bemühungen zum Trotz an mir vorbei.

An dieser Stelle endet die Erzählung. Ich lasse ihn laufen und kann ihm hernach nicht folgen. So ist das im Sport.

Natürlich könnte man sich auch ein anderes Ende vorstellen. Eines, das man zur Genüge kennt. Das man am Wochenende von Sebastian Rudy vorgeführt bekam, weitgehend, aber das nur am Rande. 

Nun denn, weiter:

Also muss ich ihn festhalten. Mit einer Hand erwische ich sein Trikot, allein: seine Dynamik lässt sich so nicht hinreichend bremsen. Ich brauche einen besseren Griff, erwische vielleicht seinen Arm, doch er ist kaum mehr zu halten. Die zweite Hand kommt zu Hilfe, ach was, der ganze zweite Arm, mit etwas Glück erwische ich die Schultern, umfasse die Hüften, irgendwas.

Wir kommen zu Fall. In einer gerechten Welt bekomme ich beim Sturz seinen Schuh ins Gesicht und anschließend gelb.

„Ich bin schlichtweg zu langsam“, murmle ich etwas geknickt vor mich hin und trotte davon. „In manchen Situationen reichen Ball- und Passsicherheit einfach nicht aus“, konstatiere ich kurz darauf, bereits etwas nüchterner.

Dann denke ich ein bisschen sorgenvoll an Oriol Romeu.

Fiktive Gespräche fernab jeder Realität und jedes Realismus sind weder lustig noch erhellend. Warum lässt man es nicht einfach?

Trainer, erinnern Sie sich noch an unser Gespräch neulich? Sie wissen schon, wegen der Nationalelf und meinen Überlegungen, wie ich mich dort festspielen kann?

Ja, klar erinnere ich mich. Klang doch vernünftig. Und jetzt würdest Du’s gern in die Tat umsetzen?

Ja, logisch! Wenn nicht in Stuttgart, wann dann?

Wieso gerade in Stuttgart?

Nun ja, wie soll ich sagen: erstens wäre der Andi vermutlich ganz froh, wenn er woanders spielen könnte, der hat ja noch sein Trauma vom letzten Jahr. Zweitens versuchen die zwar recht viel über außen, sodass ich einiges zu tun hätte und an meiner Positionierung im Abwehrverbund arbeiten könnte; gleichzeitig spielt aber niemand die wirklich guten, gefährlichen, überraschenden Bälle in die Naht, die unmittelbare Gefahr ist also überschaubar.

Drittens, falls doch mal einer käme und ich überspielt würde, ist die Chance auf ein Gegentor, oder zunächst einmal eine gelungene Hereingabe, immer noch minimal. Macht ja keiner rein. Zumal wir mittlerweile ja einen Torwart haben.

Ok, Deine Argumentation hat was für sich. Zudem sind sie viertens immer für zwei Gegentore gut, irgendeiner wird schon patzen. Was indes dagegen spricht: ich glaube, dass Leitner spielt, der die gefährlichen Bälle durchaus drauf hat, zumindest in der Theorie. Auch wenn sie ihn nicht sonderlich mögen dort. Zudem erscheint es mir wahrscheinlich, dass sie das System ändern und mit zwei Spitzen spielen, weil sie irgendwann ja merken müssen, dass der Timo Werner da außen vielleicht nicht verschenkt, aber auch nicht ideal platziert ist.

Hm, da haben Sie natürlich recht. Wenn der Werner in der Spitze spielt, kann ich mich auf Vorstöße von Sakai, Rausch oder sonst einem Christian-Ziege-Gedächtnis-Flankengeber konzentrieren. Soweit es nötig ist, halt. Früher hätte ich vielleicht noch mit Gente gerechnet, aber der geht ja nicht mehr so weit nach vorne.

Stimmt schon. Andererseits könnten es Maxim oder Didavi schon das eine oder andere Mal versuchen, da musst Du drauf gefasst sein.

Trainer, ich bitte Sie! gegen Schottland hatte ich es mit Ikechi Anya zu tun, meist erfolgreich. In ein paar Wochen will ich gegen Polen, Irland und Gibraltar bestehen. Da werd ich ja wohl mit den Freistoßkünstlern des Vorletzten zurechtkommen! Bisschen Stellungsspiel sollte da reichen.

Das ist mir jetzt zu negativ. Die Freistöße sind schon nicht schlecht.

Stimmt schon. Der Toni kommt da ja auch gerne mal ran. Nur rein macht er ihn nicht. Das ist bei meinen anders. Aber ok, ich werde mich bemühen, sie hinten zu vermeiden.

Ok, überzeugt, einerseits. Bleibt andererseits die Frage, ob wir in der Mitte auf Dich verzichten können. Deine Pressingresistenz ist da schon wertvoll.

Freut mich, dass Sie das so sehen, Trainer, aber wieso glauben Sie, dass der VfB plötzlich zu pressen anfangen könnte, dass er Druck ausübt, den Gegner jagt? Und selbst wenn er uns den Ball abnehmen sollte: was macht er dann damit? Ok, vielleicht Harnik anspielen. Aber bis der den Ball angenommen hat, sind wir mit acht Mann hinter dem Ball. Wahrscheinlicher ist aber eh, dass sie Ulreich einbeziehen. Ballgewöhnung, Sie wissen schon.

Jetzt übertreibst Du aber ein bisschen. In einem allerdings hast Du recht: ein paar Querpässe von Schwaab und Rüdiger werden in der Regel schon dazwischengeschoben, Klein soll den Ball auch mal haben, dann darf ihn Gruezo wieder nach vorne spielen.

Gruezo?

Ach was, sorry, natürlich nicht Gruezo, der darf ja nicht mehr. Romeu meinte ich. Zu viele gleiche Vokale. Wie auch immer: in der Zwischenzeit dürfte unsere Abwehr formiert sein.

Dann darf ich also rechts verteidigen? Und ab und zu mal nach innen schauen, falls doch mal ein paar Stuttgarter schneller nach vorne laufen? Lahm-Style, quasi?

Na ja, Lahm-Style würde ich jetzt nicht grade sagen. Du brauchst nicht auf die Grundlinie zu gehen. Die eine oder andere Flanke (Sagnol-Style) wäre mir lieber. Wenn der Veh drüber nachdenkt, mit der überholten Raute spielen zu lassen, können wir auch die Halbfeldflanke aus der Mottenkiste holen.

Die kennt man in Stuttgart eh ganz gut, Trainer. Boka, Sie wissen schon.

Stimmt.
Nochmal ernsthaft: Du brauchst echt nicht ganz nach vorne zu gehen. Wir halten uns insgesamt etwas zurück. Damit kommt der VfB nicht zurecht. Aber wem sag ich das, das weiß nun wirklich jeder Bundesligaspieler, der seinen Beruf halbwegs ernst nimmt. Masseure, Platz- und Zeugwarte übrigens auch, aber das nur am Rande.

Trainer, noch was anderes: diese Unruhe unter den Fans, das Medienspektakel um das Statement, hat das Einfluss auf das Spiel? Wissen Sie, ich war damals gegen Bochum dabei.

Ah, ich erinnere mich. Ein Ruhmesblatt der Fankultur. Aber nein, das wird diesmal anders sein, glaube ich. Die Fans haben ihren Unmut zum Ausdruck gebracht, reflektiert zum Ausdruck gebracht, soweit ich das mitbekommen habe, und die Spieler werden wohl wissen, dass sie den Schulterschluss mit den Fans brauchen. Da sind gescheite Leute auf dem Platz, die haben keine Eurozeichen in den Augen. Die werden zusammenstehen, das wird alles keine Auswirkungen auf das Spiel haben. Höchstens positive. Selbst Schwaab wird seine Lektion gelernt haben und sich nicht mehr abfällig äußern. Bestimmt. Also ganz bestimmt, ehrlich!

Ja, klar. Der Manager wird ihnen ja sicher auch sagen, wie wichtig die Kurve ist. Der ist schließlich lange genug dabei und hat als Einheimischer ein Gespür für die Fans.

 

 

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.

Lauter Volltreffer

Im Vorjahr hatte ich einige Wochen vor Ende der Saison eine Bestandsaufnahme vorgenommen, d.h. ich hatte meine im Lauf der Saison  mehr oder weniger fundiert abgegebenen Prognosen einer kritischen Würdigung unterzogen.

Dieses Jahr hat sich das irgendwie nicht ergeben. Vielleicht, weil ich außerhalb dieses Blogs nur wenige Vorhersagen getroffen habe, vielleicht, weil die im Blog abgegebenen Einschätzungen zu weit von der Wirklichkeit entfernt waren, um sie hier ohne allzu großen Gesichtsverlust noch einmal aufzuwärmen. Angefangen beim Spieler der Saison.

Um mich dennoch ein wenig bloßzustellen, habe ich zumindest meine Antworten aus dem 11Freunde-Fragebogen noch einmal hervorgekramt und durfte feststellen, dass ich g l ä n z e n d abgeschnitten habe.

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Nun ja. Unwort des Jahres ist es nicht geworden. „Torfabrik“ finde ich dennoch nach wie vor billig unglücklich. Da hilft auch das Redesign nicht sonderlich. Eher gar nicht. Überhaupt nicht.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Wie sehr das Schicksal von Robert Enke nachhält und nachhallt, wurde bereits in der vergangenen Saison und auch in dieser Spielzeit wieder des öfteren in Frage gestellt, nicht zuletzt im Kontext der Buchveröffentlichung von Andreas Biermann.

Die fürchterliche Stuttgarter Vorrunde der Vorsaison blieb dann doch nicht sooo lange in Erinnerung. Die wurde überflügelt. Und anstelle einer starken Halbzeit gegen Barcelona hatte man dieses Jahr eine halbe Stunde gegen Hamburg. Immerhin.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

So hat er es nicht gesagt. Aber „Esto es un sueño hecho realidad“ drückt in meinen Augen durchaus so was Ähnliches aus.

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.

Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Nr. 1 hat nicht ganz geklappt. Aber ich glaube, er war nahe dran.
Nr. 3 scheiterte ausschließlich an der Engstirnigkeit der Herren Bobic und Labbadia.
Und Nr. 2 kann ja noch klappen. Wer sich an dem „noch“ stört: bei einem Verein, der ungeniert „nie mehr“ durch „niemals“ ersetzt, wird man ja wohl mal ein „noch“ unter den Tisch fallen lassen können.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Gar so viel scheint da ja nicht gefehlt zu haben.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Check. Rudy hat eine starke Saison gespielt.
Träsch auch, Kuzmanovic eine halbe, und Gentner ist ja Innenverteidiger.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Nichts hinzuzufügen. Ich hab nicht darauf gehofft, dass der KSC aus der zweiten Liga absteigen möge.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Guido Buchwald. Auf dem Weg in die dritte Liga (von unten). Glückwunsch.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Lustig war’s dieses Jahr eher selten. Tradition wird siegen belustigte gleichwohl ein wenig.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Zugegeben: hier lag ich falsch. Wer konnte auch damit rechnen, dass der Fritz-Walter-Weg gesperrt und der PSV in eine Sackgasse verlegt würde. Also am Schlienz. Und danach in der gefühlten Cannstatter Kurve.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.

Der Gegner steht noch nicht fest.

Völlig überraschend wurde das Spiel nicht nur auf den 18. verschoben, sondern die Uefa lud auch noch, einer iberischen Quote folgend, zwei portugiesische Mannschaften ein. Der VfB war immerhin auch gegen Potrugiesen ausgeschieden (auch wenn in beiden Spielen bei Benfica nur je einer in der Startelf stand und einer eingewechselt wurde). Wird wohl dennoch schwierig, meine Prognose in einen Treffer umzuinterpretieren.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.

Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

Zwei Punkte: Bayern ist nicht Meister, Leverkusen hat ein wenig drum gestritten. Immerhin.

Geh weg!

Zunächst fand ich den Gedanken gar nicht so furchtbar schlecht. Der Abstiegskampf versprach ja doch noch einiges an Spannung, da würde ich es vielleicht einmal verkraften können, dass in der Fußballkneipe meines Vertrauens nicht das Spiel des VfB in München liefe, sondern die Bundesliga-Konferenz. Ich hatte so etwas ewig nicht gesehen, und die Erinnerung, was für einen untauglichen Versuch, Fußball zu zeigen, das Konzept Konferenz darstellt, war wohl ein wenig verblasst.

Da das VfB-Spiel für die Abschlusstabelle nur leidlich interessant war, gab es recht wenig davon zu sehen, sodass ich keine Ahnung habe, ob die Mannschaft gut gespielt hat oder schlecht, wie die taktische Formation aussah, ob man eher über links oder rechts angriff, wer Sicherheit ausstrahlte und wer eher mit Stockfehlern auf sich aufmerksam machte. Immerhin: die Tore wurden gezeigt, mit etwas Glück sah man sogar noch einen oder zwei Pässe davor. Dass indes dem 1:0 für den VfB nicht nur gelungene Aktionen von Okazaki und vor allem Harnik  zugrunde lagen, sondern dass auch Boulahrouz‘ Pass ganz großartig und der Ball zuvor schön gelaufen war, erfuhr ich erst viel später. Bei Sky ließ man mich wissen, dass der VfB in Person von Kuzmanovic noch zwei weitere gute Chancen hatte, dass man auch 2:0 hätte führen können, anstatt den Ausgleich der Bayern hinzunehmen, und dass die Münchner das Spiel nach der Führung durch Schweinsteiger recht souverän im Griff hatten.

Das war’s dann aber wirklich. Allerdings ging es, wie bereits gesagt, in München nicht um viel. Dummerweise kann ich aber auch nicht sagen, ob Hoffenheim die Führung hätte ausbauen können, ob sie überhaupt verdient war. Ich weiß nicht, ob Sebastian Rudy nur diesen einen tollen Pass auf Roberto Firmino spielte, oder ob er vielleicht die absolut spielbestimmende Figur war. Ich kann nicht beurteilen, ob die Tore der Wolfsburger nur eine Frage der Zeit gewesen waren, weiß nicht, wie Felix Magath Diego ersetzt hatte – dass er nicht spielte, hörte ich indes in schöner Regelmäßigkeit, egal welches Spiel gerade lief. War Gladbachs Führungstreffer verdient, zeigte sich der HSV engagierter als zuletzt? Mittlerweile habe ich einiges dazu gelesen, aber am Samstag wäre ich überfragt gewesen. Oder wenn mich jemand gefragt hätte, wie frei Gekas‘ Gedanken waren: ich hätte passen müssen.

Konferenz ist nichts für mich. Das könnte daran liegen, dass ich mich für Fußball interessiere. Dass ich sehen will, wie sich ein Spiel entwickelt, wie die Mannschaften ihr Spiel anlegen, wie sie das Tempo variieren und wer dieses Tempo vorgibt. Ich möchte mir einen Eindruck verschaffen können, wo Schwachstellen sind, wer besonders ballsicher und wer ein Wackelkandidat ist. Wie reagiert eine Mannschaft auf taktische Veränderungen beim Gegner, welcher Spieler wirkt schon in der 60. Minute müde, wieso gelingt es dem Stürmer immer wieder, seinem Gegenspieler zu entwischen?

Möglicherweise übersteigt die Beantwortung all dieser Fragen meinen Fußballverstand bei weitem. Zumal das bloße Verfolgen eines Spieles am Fernsehen wahrscheinlich gar nicht die notwendigen Informationen bietet, derer es bedarf, um die Antworten zu finden. Man hängt dann ja doch stark von den Bildern ab, die angeboten werden, kann nicht die Totale sehen, wenn gerade ein sich schnäuzender Spieler oder das Dekolleté einer Präsidentengattin von Belang scheinen. Und doch entwickle ich ein Gefühl für das Spiel, kann beurteilen, wer es prägt, kann Vermutungen anstellen, wer in Führung gehen wird und wer ausgewechselt werden sollte, kann es irgendwie begreifen.

Konferenz erlaubt mir all das nicht. Konferenz ist eine Ansammlung von Toren, Platzverweisen und sonstigen Wiederholungen, ergänzt um das Geplätscher dazwischen, das man bei einem Einzelspiel als ganz normal ansehen würde, so aber als notwendiges Übel betrachtet. Konferenz ist das Gefühl, dass immer dann umgeschaltet wird, wenn sich so langsam etwas tun könnte. Konferenz ist Hochglanzfußball, dem es an Substanz fehlt, um dauerhaft zu glänzen. Konferenz ist für Leute, die Fußball auf geile Tore reduziert sehen wollen, die bei Fallrückziehern Schaum vor dem Mund bekommen, die dem Eventpublikum auf den Fanmeilen vorwerfen, sich nur alle zwei oder gar vier Jahre aus niederen Motiven für Fußball zu interessieren, die großartige Spielzüge genau dann als solche erkennen, wenn auch ein Tor daraus wird.

Konferenz ist nicht mein Fußball. Geh weg, Konferenz!

Ehre, wem Ehre gebührt

Am Wochenende war ich unterwegs. Irgendwo in Bayern, wo die Wahrscheinlichkeit, eine Premiere-Kneipe (ich weiß, dass das mittlerweile anders heißt) zu finden, die das Spiel des VfB beim FC Schalke 04 übertragen würde, eher überschaubar war. So begnügte ich mich mit 90elf und gelegentlichen gestreamten Standbildern und bin zu keiner seriösen Bewertung des Spiels imstande. Zumal sich der Webradioreporter ob der hohen Qualität beider Mannschaften mitunter überschlug, was nicht der Wahrnehmung aller am späten Sonntag nachgelesenen Quellen entsprach.

Immmerhin weiß ich, dass dem VfB erneut ein reguläres Tor aberkannt wurde und dass der Schalker Ausgleich nach einer nicht geahndeten Abseitsstellung entstand. Letztere war, nach den Bildern, die ich dann doch noch gesehen habe, meines Erachtens zu knapp, um dem Schiedsrichtergespann einen Vorwurf zu machen. Schließlich sind wir sonst auch immer die ersten, die die Unparteiischen an die Vorgabe „im Zweifel für den Angreifer“ erinnern. Der Linienrichter hat sich um Sekundenbruchteile und Zentimeter vertan, Tasci indes sekundenlang geschlafen.

Den nicht gegebenen Treffer zum 0:2 muss man Florian Meyer und seinem Team natürlich ankreiden. Dies gilt umso mehr, wenn es selbst im diesbezüglich sonst eher zurückhaltenden Brusting Schirischelte gibt – nicht zuletzt und auch nicht ganz überraschend unter Verweis auf die zeitliche Nähe zu den Magathschen Verschwörungstheorien der Vorwoche.

Ansonsten weiß ich, dass der VfB entweder im 4-4-1-1 mit Cacau als Spielmacher (Stuttgarter Nachrichten) oder doch im 4-4-2 (Ballverliebt, Taktikguru) mit hängender Spitze agierte, dass Träsch defensiv wie offensiv Akzente setzte, dass die erste Halbzeit stark, die zweite durchwachsen war, habe natürlich gehört, dass ein Ruck durch die Mannschaft gegangen sei, ferner, dass der neue Trainer der richtige Mann sei, der alte aber vielleicht auch der richtige gewesen wäre.

Bei Sport im Dritten habe ich dann endlich auch die Bilder zu Jens Kellers Abgrenzungsversuchen gegenüber Christian Gross sowie Armin Vehs Reaktion im Sportstudio gesehen und zunächst einmal festgestellt, dass Kellers Outfit Erinnerungen an Stielikes Sakko weckt. Abgesehen davon empfand ich seine Aussagen als unangemessen, unangemessener noch als Vehs Reaktion. Auch wenn ich bei beiden davon ausgehe, bzw. in Vehs Fall der Überzeugung bin, dass sie zumindest teilweise Recht haben. Fredi Bobic hat Jens Keller verteidigt (ab ca. 7:00). Das ist seine Pflicht, und der ist er nachgekommen.

Überhaupt kann ich die teilweise scharfe Kritik, die in meiner Timeline (das ist ein Twitter-Fachbegriff für die Menschen, deren Tweets ich lese) an Bobics Interview im SWR laut wurde, nur bedingt, besser: nur abschnittsweise teilen. Meines Erachtens ist Bobic insofern ganz passabel in das Gespräch eingestiegen, als er zunächst einen Teil seiner Hausaufgaben abgearbeitet hat. Er hob nicht nur die sportliche Verantwortung des neuen Trainers hervor, sondern schaffte es insbesondere, bereits nach 45 Sekunden erstmals den Begriff „Cheftrainer“ einzubringen, von dem ich ehrlich gesagt bis vor kurzem gar nicht wusste, dass er in der Bundesliga gebräuchlich ist, der aber ganz offensichtlich das peinliche Herumgeeiere von Präsident Erwin Staudt in der Pressekonferenz nochmals kontern sollte.

Auch die Nachfrage von Moderator Johannes Seemüller nach den Protagonisten der Entlassung (Wer ist „wir“?) beantwortete er mit einem geschichtsbewussten konsequenten „Wir sind der CKlub“. Nun könnte man natürlich kritisieren, dass „der CKlub“ vor allem „die Mitglieder“ sind, doch in Verbindung mit seiner nachgeschobenen Erläuterung „die sportliche Führung mit dem Vorstand, alle komplett“ und der in den Mund gelegten Ergänzung um den Aufsichtsratsvorsitzenden, ist seine Aussage ok, hielt er sich an den im Sprechzettel vorgesehenen Fraktionszwang. Alles andere wäre in der aktuellen Situation auch reichlich töricht.

Später verteidigte er dann, wie bereits angesprochen und in der Sache unumgänglich, Jens Keller gegen Armin Veh, der schließlich Trainer des HSV sei und sich nicht um Stuttgarter Belange kümmern möge, und wies bezüglich Sebastian Rudy in durchaus angebrachter Deutlichkeit (und das sage ich als großer Rudy-Fan) darauf hin, dass diesem von drei Trainern, besser: Cheftrainern, bescheinigt worden sei, er werde sich in Stuttgart nicht durchsetzen. Sehe ich, mit großem Bedauern, ähnlich.

Sagte ich vorhin, alles andere als eine „Wir sitzen alle im selben Boot“-Einstellung wäre töricht gewesen? Nun denn, einen kleinen Ansatz, sich entweder zu vergaloppieren oder aber Profil zu zeigen, hatte er sich dann doch gestattet: der angesprochenen Erläuterung, wer denn dieses „wir“ sei, das die sportlichen Entscheidungen treffe, ließ er einen kurzen Hinweis in eigener Sache folgen (ab ca. 2:25):

„…aber glauben Sie mir eins, die sportliche Führung gibt, und das sind Jochen Schneider und ich, geben die Vorgaben…[sic!]“

Herr Hundt, Herr Staudt, Herr Ruf, ziehen Sie sich warm an!

Ach, vielleicht ist das doch nicht nötig, wenn man die letzten gut vier Minuten des Interviews noch einmal Revue passieren lässt, die bei „Zimmer frei“ vermutlich problemlos als „ultimative Lobhudelei“ durchgehen würden: das Wiederkäuen der Hundtschen Aussagen zum Stuttgarter Personalbudget, das unter den Top 6 der Liga rangiere, die Rüge für den Ex-Trainer, der sich unbotmäßig zu Vereinsbelangen geäußert habe, die außerhalb seines Kompetenzbereichs lagen, die demütige Feststellung, dass sich „Professor Hundt“ keineswegs (zu) häufig öffentlich äußere, und natürlich die Erkenntnis, dass besagter Professor aus Uhingen, „wenn mal die ganze Emotionalität raus lässt, […] richtig gehandelt“ habe.

Natürlich. Wäre ja noch schöner.
Bis zum nächsten Mal lernt Herr Bobic auch noch den Rest:

Senator E.h. Professor h.c. Dr. sc. techn. Dieter Hundt
(ohne Gewähr)

Balakov

Mehrfach war im Stadion der Name Krassimir Balakov zu hören. Gelesen habe ich ihn auch schon, bei Twitter, in Foren, in Zeitungen. Schließlich hat der ja schon in den 90ern mit Bobic… und in Bulgarien haben sie ja auch zusammen… und noch mal kann man nicht so lange warten wie im letzten Jahr, als Babbel fast die ganze Saison ruiniert hätte. Der Gross bringt’s einfach nicht mehr. Steht während des Spiels stoisch an seinem Platz. Lässt Tasci nicht spielen. Wollte den Degen, der seit Jahren nicht mehr gekickt hat. Man sieht ja, wo’s hinführt. Drüsenfieber, pah. Ein sturer Hund ist er sowieso. Rudy hat er auch keine Chance gegeben. In Tottenham ist er doch auch gescheitert. Der kann auf Dauer nur in seinem Schweizer Biotop arbeiten. Wie alle Schweizer Trainer.

Und jetzt ernsthaft. Zwei Bundesligaspiele sind absolviert und der Erfolgstrainer der Rückrunde steht am Pranger. Das ist ein Stück weit entfernt von meiner Lebenswirklichkeit. Ungeachtet dessen ist die Situation nicht schön:

Der VfB ist Tabellenletzter. Die Spiele waren furchtbar. In den Pokalwettbewerben ist man, wenn auch glanzlos, weiter gekommen. Die Anhänger sind unzufrieden. Ich auch. Vielleicht auch wütend. Frustriert. Enttäuscht. Über die Spieler. Über den Trainer. Vor allem aber über die Vereinsführung, der Pete bei The Offside deutlich die Leviten liest:

„If they truly believe we can skate through the season without adequately replacing world class players then there’s a major problem in the fundamental workings of the club’s transfer policy and of personnel. C’mon. If you want to play with the big boys, you have to act like one. You can’t just be a feeder club for the rest of the world. Retain young talent. Make purchases when reinforcements are needed. Hell, once in a while you may even have to overspend a little if you’re in dire need of reinforcements.“

„Make purchases when reinforcements are needed.“ Punkt. Das hat man versäumt. Schließlich war lange klar, dass man auf den offensiven Außenpositionen Nachbesserungsbedarf hat. Sicher, man hat sich schon länger um Zugänge auf diesen Positionen bemüht. Um talentierte Zweitligaspieler wie Traoré, später auch um Jungnationalspieler wie Weiss oder Ayew. Talente, wie gesagt, möglicherweise gar Ausnahmetalente. Aber wir sprechen von einem Jahr, in dem der VfB die Erfahrung aus knapp 200 Länderspielen, um die 900 Bundesliga- und annähernd 500 Premier League Einsätzen verliert. Das erscheint mir ein bisschen gewagt. Und es würde mich sehr wundern, wenn Christian Gross das anders sähe. Er hätte sich vermutlich gewünscht, dass man sich früher und ernsthafter um adäquaten Ersatz bemüht. Möglicherweise teuren Ersatz, aber „Hell, once in a while you may even have to overspend a little if you’re in dire need of reinforcements.“

Jetzt wird also versucht, zu retten, was zu retten ist. Ob Mauro Camoranesi den VfB günstiger kommt als es bei Ayew oder Boussoufa vor ein paar Wochen der Fall gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Ein Schnäppchen dürfte aber auch er nicht sein. Ob er besser ist? Zumindest gleich gut? Ich weiß es nicht. Ob er noch schnell genug ist? Fit genug? Nicht zu verletzungsanfällig? Wir werden es (vermutlich) sehen, seine regelmäßigen Muskelverletzungen der letzten Jahre stimmen nicht zwingend optimistisch. Ob ihm jemand sagt, er möge zum Friseur gehen? Vermutlich würde es schon viel bringen, wenn er manchem seiner Mitspieler eine Schulter zum Anlehnen böte und ein paar grundlegende Dinge in das Spiel des VfB einbrächte: ein wenig Ballsicherheit, hohe Präsenz und Verlässlichkeit im Spiel, etwas mehr Selbstvertrauen, zudem Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Ob er dazu in der Lage ist? Ich weiß es nicht. Aber wenn er diese Dinge transportieren kann, ist es ein guter Transfer. Einer, der – vielleicht im Verbund mit einer während der Länderspielpause stabilisierten Innenverteidigung – helfen kann, die verunsicherte Mannschaft wieder an ihre Stärken glauben zu lassen, die sie trotz der Abgänge zweifellos hat.

Gerne würde ich Timo Gebhart dann wieder auf der linken Seite sehen, wo er meines Erachtens nicht nur selbst besser zur Geltung kommt, sondern vor allem den Weg für Molinaros Vorstöße frei macht. Daniel Didavi hat in der zweiten Halbzeit für Belebung gesorgt; wie schon gegen Bratislava war indes auch zu erkennen, dass Molinaro und Didavi in der Vorwärtsbewegung zu häufig in die gleichen Räume stoßen wollen und sich mitunter im Weg stehen. Zudem könnte ein stärker nach innen ziehender Gebhart das Offensivspiel in der Platzmitte etwas beleben. Das Loch zwischen den defensiven Mittelfeldspielern und der Stürmern ist häufig zu groß, und Cacaus Reaktion, sich bisweilen als Özil-Verschnitt zurückfallen zu lassen, meines Erachtens kaum tauglich.

Über die Abwehrleistung gegen Dortmund möchte ich keine weiteren Worte verlieren und mir vor allem nicht vorstellen, wie es ohne den durchaus stabilisierenden und kontinuierlich organisierenden Tasci ausgesehen hätte. Gentner und Kuzmanovic vermochten bei ihrem erneuten Zusammenspiel  in der zweiten Hälfte einige Akzente nach vorne zu setzen; defensiv wurden sie von hautpsächlich verwaltenden Dortmundern nicht mehr gefordert, sodass es gewagt wäre, eine verbesserte Abstimmung zwischen den beiden zu vermuten.

Marica war nicht auf dem Platz. Sein Vertreter Harnik schon eher, aber wie schon gegen Bratislava nicht mehr so überzeugend wie in den Spielen zuvor, als ich ihn unbedingt einmal in der Startelf sehen wollte.

Es bleibt die Hoffnung auf die Länderspielpause. Auf Camoranesi und hoffentlich noch einen weiteren Neuzugang, auch wenn das zuletzt nicht mehr so klang. Darauf, dass Christian Gross seine Stammformation findet, ohne sie zur fixen Idee werden zu lassen. Dass vielleicht sogar die Vereinsführung ihre Lehren für die nächste Transferperiode zieht. Dass Gross nicht von selbst sagt, er habe keine Lust mehr, in einem allzu trägen Umfeld an seinen Zielen zu arbeiten.

Ach, und natürlich auf Balakov. Hach. Das waren noch Zeiten. Der erzeugt Aufbruchstimmung, qua Historie. Genau wie damals Sammer…

Vor ein paar Wochen…

Damals, vor ein paar Wochen, waren mir ein paar allgemeine Gedanken durch den Kopf gegangen, zum VfB, zur bevorstehenden Saison. Aus verschiedenen Gründen kam ich nicht dazu, sie zu veröffentlichen, und irgendwann wollte ich dann nicht mehr.

Da sich jedoch beim VfB keine aktuellen Ereignisse aufdrängen (ok: nichts über das ich gerne schreiben möchte), kehre ich noch einmal dorthin zurück.

Vor ein paar Wochen dachte ich,

…dass Christian Gentner eine schwierige Saison bevorstehe. Weil er nicht Gross‘ Transfer ist. Weil Träsch in der Zentrale gesetzt schien. Weil Kuzmanovic zum neuen Chef auf dem Platz würde. Weil der Trainer einen Spieler, der das Spiel mitbestimmen soll, nicht die halbe Vorbereitung als Innenverteidiger bestreiten lassen würde (auch wenn die Taktikfüchse ja meinen, dass demnächst die Innenverteidiger die neuen Spielmacher seien).

Mittlerweile weiß ich nicht mehr recht, was ich denken soll. Träsch spielt mal hier, mal dort. Gentner und Kuzmanovic, die sich zuletzt mehrfach gemeinsam versuchen durften, haben sich offensichtlich noch nicht recht arrangiert. In meiner Naivität würde ich mir ja ein Miteinander auf Augenhöhe vorstellen, aber das klappt bekanntlich auch bei ganz anderen Kalibern nicht, da braucht man nur mal bei Fabio Capello nachzufragen. In der Konsequenz stellt sich die Frage, welcher von den beiden Sechsern nun der Chef ist, und allem Anschein nach beschäftigt diese Frage auch die beiden, was dem Spiel nicht so richtig gut tut.

Letztlich gehe ich davon aus, dass Träsch bald wieder neben einem der Beiden in der Mitte spielt und dem anderen eine Saison als zwölfter Mann droht, wie sie Kuzmanovic schon im Vorjahr über weite Strecken erleben durfte. Meine persönliche Tendenz geht nach wie vor zu Kuzmanovic in der Startformation, der auf mich eher den benötigten Strategen darstellt als Gentner.

…dass man sich im Lauf der Saison mehr als einmal fragen werde, ob die Entscheidung für Sven Ulreich richtig war.

Kommt drauf an, wer „man“ ist. Ich kenne eine Menge Zuschauer, bei denen „mehr als einmal“ bereits erreicht ist. Und ja, ich zähle dazu. Vorhin Gestern gegen Bratislava fragte ich mich irgendwann, wer denn am meisten zittert, wenn ein Schüsschen oder gar ein Rückpass auf Ulreichs Tor kommt: Ich (der ich mich als Esel zuerst nenne), mein Nebenmann, Timo Gebhart, dessen Kopfschütteln ich in zwei Szenen auf Ulreichs hastige Befreiungsschläge zurückführen zu können meinte, oder der Torwart selbst. Viel geschenkt haben sich vermutlich alle nicht.

Ja, er ist ein junger Mann, er wurde von Armin Veh irgendwann verheizt, er ist bestimmt talentiert. Aber er hat mittlerweile auch so viel Spiele bestritten, dass etwas mehr Souveränität drin sein müsste, mehr Selbstverständlichkeit, mehr Selbstbewusstsein. Die Szene gegen Bratislava, bei der er sich – aus Stadionsicht, ohne Zeitlupe – über einen Platzverweis nicht hätte beschweren können (und in der Boulahrouz den Stürmer laufen ließ, keine Frage), wirkte auf mich so, als sei ihm nach kurzem Zögern eingefallen, dass man ihm ja gesagt hatte, er solle mutiger auftreten, was er dann, etwas überziehend, umsetzte. Verwegene Interpretation? Mag sein.

Wie auch immer: ich finde nicht, dass Sven Ulreich ein überdurchschnittlich guter Bundesligatorwart ist, und ich bezweifle, dass er einer wird. Aber ich habe wenig Ahnung vom Torwartspiel.

…dass Delpierre gesetzt sein und Tasci, so er beim Verein bliebe, mit Niedermeier um die zweite Position in der Innenverteidigung kämpfen würde. Niedermeier hat mir in der Vergangenheit stets gut gefallen, meine Vorbehalte gegen Tasci, der zweifellos überragende Anlagen hat, der aber bisweilen allzu Zweikampf vermeidend spielt und mitunter selbstgefällig auftritt, wurden hier oft genug thematisiert. Boulahrouz hatte ich gar nicht auf der Rechnung – obwohl er bei seinen wenigen Auftritten in der Vorsaison zu überzeugen wusste.

Gegenwärtig harre ich Tascis Rückkehr in die Startelf und frage mich, welche Löffel er dem Trainer gestohlen haben mag. Niedermeier und Boulahrouz wirken in erster Linie führungslos, und insbesondere ersterer steht meines Erachtens völlig neben sich. Noch in der Vorsaison stand er in meinen Augen für ruhiges, schnörkelloses, fehlerfreies Spiel. Aktuell spielt er nur noch schnörkellos. Boulahrouz sehe ich – vielleicht auch, weil ich das Spiel gegen Mainz nicht gesehen habe) – im Moment vor ihm. Gerade gegen Bratislava erschien er mir hinten weniger kompromissbereit, was nicht immer schön anzusehen war, und insgesamt engagierter, präsenter als Niedermeier.

Auch wenn mir Tasci und Boulahrouz zusammen nie sonderlich gut gefallen haben, hoffe ich doch, dass Christian Gross in diese Richtung einlenkt, bis Delpierre wieder fit ist. Oder er soll die geklauten Löffel zur Anzeige bringen.

…dass Patrick Funk auf 20+ Einsätze kommen würde, Daniel Didavi eher nicht. Funk hat mich bei den Amateuren (jaja…) mehrfach überzeugt, er wird sich im Training immer wieder aufdrängen und furchtlos auftreten, wenn er seine Chance erhält. Bei Didavi sehe ich nicht, auf welcher Position er spielen soll.

Hier ist meine Ansicht weitgehend unverändert. Sicher, Funk hat seine Chance gegen Molde nicht unbedingt genutzt, wirkte nervös. Aber er wird seine Einsätze bekommen. Im defensiven Mittelfeld oder als Rechtsverteidiger, auch wenn ich bezweifle, dass er ein offensives Pendant zu Molinaro sein kann. Didavi hat gegen Bratislava ein paar schöne Bälle gespielt. Das kann er. Schöne Bälle spielen. Er kann den Ball auch schön annehmen und schön verteilen. Aber ich sehe ihn nicht als ernsthaften Kandidaten für eine offensive Außenposition. Nicht weil die Abstimmung mit dem sichtlich gefrusteten Molinaro vorhin gegen Bratislava hinten und vorne nicht gestimmt hat, Gott bewahre. Sondern weil er das Spiel langsam macht, vielleicht auch selbst nicht das Tempo für Flankenläufe und Dribblings hat. Eine „10“ wie Hansi Müller gibt es bei Gross nicht, und auf der „6“ muss er sich hinten anstellen – unabhängig von seinem kapitalen Bock vor dem 0:2.

…dass offensiv auf den Außenbahnen „gestandene“ Neuzugänge kommen müssten und würden. Geht ja gar nicht anders.

Äh. Vielleicht geht es ja doch anders. Man kann auch einen unbekannten Linksfuß aus der Ligue 1 holen, den man angesichts seines Alters ja vielleicht auch schon als „gestanden“ bezeichnen darf, und sich parallel dazu um talentierte Zweitligaspieler bemühen. Ist etwas ungewöhnlich, wenn es sich um eine Position handelt, deren Bedeutung der Trainer immer wieder hervorhebt und für die durchaus höher eingeschätzte Spieler auf dem Markt waren, aber wir wissen ja: die klammen Finanzen. Immerhin: Timo Gebhart zeigt sich gereift (was nach einem Spiel, in dem er mit einer spektakulären Schwalbe einen Platzverweis provoziert hat, etwas deplatziert klingt), übernimmt Verantwortung, geht voran. Das macht Hoffnung.

Dass man Sebastian Rudy gehen ließ, halte ich übrigens für rational nachvollziehbar, auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte. Er hat auch in den ersten Spielen der neuen Saison nicht den Eindruck erweckt, sich – im doppelten Sinne – durchsetzen zu können. Es ist ihm zu wünschen, dass er in Hoffenheim in zentralerer Position aufblüht, auch wenn es weh tun wird.

…dass man im Sturm nicht gut genug besetzt sei. Der VfB hat keinen Spieler, dem man sorglos 15 Tore prognostizieren kann.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass Harnik Hoffnung weckt, und dass ich Cacau sorglos 10 Tore prognostiziere (was angesichts der Quoten der Vergangenheit nicht selbstverständlich ist).

…dass Christian Gross ein Glücksfall für den Verein sei, den es zu hegen gelte. Er könnte dem VfB wieder zu etwas mehr Kontinuität im sportlichen Bereich verhelfen. Wenn man ihn nicht in zu vielen Personalfragen vor den Kopf stößt.

Den einen oder anderen Kopfstoß hat er erhalten. Teilweise schon vor einiger Zeit  (Ulreich), teilweise in den letzten Wochen, als man zusehen musste, wie beispielsweise Vladimir Weiss anderswo anheuerte, von größeren Kalibern ganz zu schweigen. Ich habe Sorge, dass Christian Gross, der drüben im Brustring nach dem Bratislava-Spiel zurecht kritisiert wird, keine Lust auf die viel zitierte Übergangssaison hat. Und ganz gewiss nicht auf eine zweite oder gar dritte.

Ich weiß nicht, ob der Markt überhaupt noch die Möglichkeit bietet, ein Zeichen zu setzen, dem Trainer zu signalisieren, dass man seine Wünsche ernst nimmt. Ich weiß auch nicht, ob der VfB dieses Zeichen überhaupt setzen will. Aber eines scheint mir klar: Stefan Aigner wäre kein solches Zeichen.

Ich hab ein gutes Gefühl

Heute geht’s also wieder los. Das erste Saisonspiel im Neckarstadion, und gleich ein internationales Topspiel. Und die Feuertaufe für die Untertürkheimer Kurve, die erstmals nach dem Umbau wieder Gästefans aufnehmen darf, ehe gegen Dortmund auch die Einheimischen dorthin müssen.

Gänzlich uninformiert bin ich also nicht, trotz Elternzeit, trotz weitgehender Stille hier im Blog in den letzten Wochen.

Ein bisschen was habe ich ja doch geschrieben, zum Beispiel die Antworten für’s 11Freunde-Sonderheft, das ich jetzt nicht noch einmal explizit erwähnen würde, wenn ich nicht noch drei Exemplare unter die Leute bringen dürfte: Windhundverfahren in den Kommentaren.

Etwas weiter entfernt von der fußballerischen Tagesaktualität lag das, was ich den Urlaubern vom Textilvergehen ins Stammbuch Blog schreiben durfte. Dort ging es um Harry Valérien, Katsche Schwarzenbeck und natürlich Ove Grahn.

Das war’s dann auch mit der Selbstvermarktung. Kommen wir zurück zum tatsächlichen Geschehen. Hier in Stuttgart. So richtig viel hat sich ja nicht getan in den letzten Wochen. Also, abgesehen von Sami Khediras Abschied natürlich. Bitter für den Verein, vermutlich ein richtiger und wichtiger Schritt für ihn. Den auch der Neue nicht verhindern konnte, trotz Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Karstadt oder Breuninger. Obwohl er Namensgeber und Teilhaber einer Sportsbar ist, konnte er auch Olympique Marseille noch nicht zum Verkauf von André Ayew bewegen, und auch seine Anteile an einem Sportgeschäft in Winterbach – wo er sogar jeden Mitarbeiter persönlich kenne – haben den FC Augsburg bis dato nicht dazu gebracht, Ibrahima Traoré abzugeben. Möglicherweise war es aber sein Praktikum bei der DFL, in Verbindung mit den Inhalten seines Fernstudiums im Sportmanagement, das den Liverpool FC überzeugte, Philipp Degen mehr oder weniger günstig zu verleihen.

Ok, jetzt mal im Ernst: ich hätte schon gern einen Manager gesehen, der etwas mehr Erfahrung vorzuweisen hat als die von den Stuttgarter Nachrichten so wunderbar zusammengetragenen Schlüsselqualifikationen und ein gutes Jahr als Geschäftsführer an der Schwarzmeerküste. Jan Schindelmeiser wäre der Mann meiner Wahl gewesen, wobei ich die Umstände seines Abschieds aus Hoffenheim und die in diesem Kontext genannten gesundheitlichen Gründe nicht einschätzen kann. Stattdessen betätigt sich der VfB erneut als Managerausbilder. Und doch habe ich ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, das ich nur sehr bedingt rational erklären kann und das ganz sicher nichts mit einer kaufmännischen Ausbildung im Einzelhandel zu tun hat. Es ist eher der möglicherweise anachronistische Glaube an den Typen Bobic, an einen Mann, der in seiner aktiven Karriere ein beachtliches Durchsetzungsvermögen an den Tag gelegt hat, der Konflikten nur selten aus dem Weg ging und der in Vertragsdingen, soweit man das von außen beurteilen konnte, nicht die schlechteste Figur abgab. Es gibt den einen oder anderen früheren Weggefährten, der heute den Hut zieht, wie weit es Bobic als nicht überragend begabter Fußballer bringen konnte, durch seinen Ehrgeiz, Willen und nicht zuletzt Zielstrebigkeit. Nicht die schlechtesten Züge. Das Handwerkszeug können sie sicher nicht ersetzen, aber sie können helfen, es schneller zu erlernen und anzuwenden. Ich hab ein gutes Gefühl.

Noch nicht ganz so gut ist mein Gefühl, was den Saisonstart anbelangt. Zu unklar ist noch die Zusammensetzung der Mannschaft. Zwar bin ich überzeugt, dass auch kurzfristige Neuzugänge ihren Dienst nicht in einem so desolaten körperlichen Zustand antreten werden wie die ehemalige Zaubermaus aus Weißrussland im Vorjahr; ein wenig Eingewöhnungszeit sollte man den Neuen gleichwohl einräumen. Besonders ärgerlich ist das erneute lange Warten insbesondere deshalb, weil man Spieler für die offensiven Außenpositionen sucht – Schlüsselpositionen, deren Bedeutung für sein System Christian Gross unermüdlich betont. Eine weitere Schlüsselposition scheint er mit Philipp Degen besetzt zu haben. Wenn ich das Gemurmel in Cannstatt richtig interpretiere, trägt mancher Fan gewisse Zweifel an dessen Leistungsfähigkeit im Herzen. Zweifel, die ich einerseits teile. Andererseits bin ich froh, dass man einen weiteren Rechtsverteidiger verpflichtet. Zu wechselhaft waren die Leistungen von Stefano Celozzi, zu wichtig scheint Christian Träsch in der Zentrale zu sein. Ob Degen indes ein adäquates Pendant zu Cristian Molinaro sein kann, wie der Trainer es sich wünscht, bleibt abzuwarten. Mein Grundvertrauen in Christian Gross lässt mich zumindest darauf hoffen.

Noch größer ist die Hoffnung, dass Zdravko Kuzmanovic eine große Saison spielt. Er wird gefordert sein, Khediras Rolle als Chef auf dem Platz zu übernehmen. Träsch ist fußballerisch nicht stark genug, Gentner sehe ich nicht als „Leader“, und Funk wird wohl erst langsam in die Mannschaft hineinschnuppern können – gerne lasse ich mich gerade in seinem Fall vom Gegenteil überzeugen. Genau wie von Sven Ulreich, der mich, wie verschiedentlich angeklungen, bis dato nicht vollends überzeugen konnte. Zwar glaube ich nicht, dass Marc Ziegler das Stuttgarter Pendant zu Jörg Butt werden kann; aber es gibt ja auch noch andere Torhüter beim VfB.

In Sachen Innenverteidigung wird sicherlich vieles davon abhängen, wie Serdar Tasci die Enttäuschung der Weltmeisterschaft wegsteckt. Nachdem es aber Niedermeier nicht gelang, im ersten Pflichtspiel in Molde Souveränität auszustrahlen und vielleicht ein Ausrufezeichen zu setzen, und Boulahrouz nach den Eindrücken des Vorjahrs nicht als Liebling des Trainers gelten kann, gehe ich davon aus, dass Delpierre und Tasci wieder den Stamm bilden werden. Im Sturm ist die Situation ungleich offener. Zu Cacau, Marica und Pogrebnyak gesellt sich Martin Harnik, der gegebenenfalls auch über die Außenbahnen kommen kann, als Pendant zu dem vermutlich gesetzten Timo Gebhart – vor allem solange die Neuverpflichtungen ausbleiben und Sebastian Rudy es weiterhin an Schlagkraft mangeln lässt.

Eigentlich wollte ich hier keine Saisonvorschau schreiben, zumal das alles schon nach dem Spiel gegen Molde heute abend wieder ganz anders aussehen kann, aber man kommt halt manchmal so ins Plaudern. Kurz: meine Zuversicht für das erste Saisondrittel hält sich noch ein wenig in Grenzen, aber danach wird das schon – wenn es gelingt, auf den Außenbahnen nachzulegen. Ich hab ein gutes Gefühl.

Und falls es doch nicht klappen sollte, liegt es bestimmt daran, dass man wieder einmal versucht hat, am großen Rad zu drehen. Dabei hat Thomas Haid doch davor gewarnt. Der VfB soll sich auf seine Eigengewächse stützen. Da kann man mit Hilfe des Verweises auf Nischenmärkte dann auch mal Verpflichtungen wie den 835fachen mexikanischen Nationalspieler Pavel Pardo mit rein packen. Und locker auf die Meisterschaften der 80er und 90er zurückblicken, „mit Spielern, die vorwiegend aus dem Talentschuppen auf dem Wasen stammten oder wie Karl Allgöwer, Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald und Walter Kelsch von den Stuttgarter Kickers ausgebildet wurden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Asgeir Sigurvinsson und Matthias Sammer als Vertreter der Meistermannschaften 1984 und 1992, zu diesem Ansatz stehen. Und die Mitte der Neunziger, die bundesweit vermutlich nach wie vor am nachhaltigsten erinnerlichen Phase Stuttgarter Spielkunst, und mit ihr die Herren Balakov und Elber, kann man ohnehin als belanglos beiseite lassen.

Ich sollte aufhören.

Die Buchwald-Problematik

Nein, die Überschrift hat nichts mit der Entscheidung des VfB für Fredi Bobic zu tun. Und es liegt mir auch fern, Guido Buchwalds Dampfplaudereien der späten Ära Babbel nochmals Revue passieren zu lassen. Problematisch ist vielmehr meine verkürzte Antwort im Bundesliga-Sonderheft der 11Freunde:

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten?
Guido Buchwald, […]“

In der Tat nannte ich ihn, aber weit hinter den Herren Soldo und Sigurvinsson. Ok, ich hätte mich halt an die Frage halten und nur einen nennen sollen…

Wie auch immer, hier sind meine Antworten auf alle Fragen (auch die zur Auswärts-Vorfreude) und in voller Länge:

____________________________

Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.
Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.
Der Gegner steht noch nicht fest.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.
Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

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Bei meiner Wunschschlagzeile wird’s wohl eng… Kommentare, wonach dieser Satz erst nach Khediras Wechsel falle, werden gelöscht, da versteh‘ ich keinen Spaß. Oder so.

Wer mir Narzissmus und Inkonsequenz unterstellt, weil bei den 11Freunden mein voller Name auftaucht, hat bestimmt recht. Zumindest in Sachen Narzissmus.

Über die Inkonsequenz kann man streiten. Wie ich schon an der einen oder anderen Stelle schrieb, lege ich einen gewissen Wert darauf, hier nicht mit meinem echten Namen ergoogelt zu werden.

Was wegen einer Print-Publikation nicht geschehen dürfte. Wer hier mitliest, kann indes gerne wissen, wie ich sonst gelegentlich heiße. Deshalb steht’s ja auch im Impressum. Im Netz bin ich Heinz Kamke. Oder heinzkamke. Oder, wie der eine oder die andere geschätzte Bloggerin gerne mal sagt, der Heini.