Gewonnen!

Mein erster Französischlehrer war ein guter. Er liebte diese Sprache, und eben das vermittelte er uns jeden Tag. Genauer: denjenigen, die dafür empfänglich waren. Den anderen gab er freundlicherweise die Gelegenheit, sich nicht zu sehr in die Materie vertiefen zu müssen, aber den einen, also denjenigen, die sich von seiner Freude an der französischen Sprache anstecken ließen, darunter, man mag es geahnt haben, auch ich, vermittelte er einen großen Schatz an landeskulturellem Wissen und sprachlichen Feinheiten.

So manches ist im Lauf der Jahre leider verschütt gegangen, und doch empfinde ich auch heute, da meine Kommunikations- und Konversationsfähigkeit eine ganze Menge Rost angesetzt hat, eine große Nähe zum Französischen, zu seinem Klang, seinen Eigenheiten, auch seinem Vokabular, und nicht selten fallen im Hause Kamke französische Begriffe, die wir nicht in erster Linie deshalb verwenden, weil die Kinder sie nicht verstehen, wiewohl auch das gelegentlich der Fall ist, sondern weil wir sie einfach für passend halten. Woraus man natürlich, so man möchte, Rückschlüsse auf unseren Umgang mit der deutschen Sprache ziehen kann.

Wenn man das Haus Kamke noch einmal verlässt und statt seiner die staatliche Bildungseinrichtung aufsucht, an der besagter Herr lehrte, vielleicht auch ein paar Unterrichtsstunden Paroli ziehen lässt, so fällt der eine oder andere wiederkehrende Aspekt auf, möglicherweise könnte man von Steckenpferden sprechen.

Neben Dorschangeln vom Boot und an den Küsten der jahrzehntelang gepflegten Städtepartnerschaft, inklusive Lobpreisung Adenauers und de Gaulles, neben Lobgesängen auf das Chanson und das Schicksal Reinhard Meys, der, verkürzt, nach Frankreich habe ausweichen müssen, um in Deutschland angemessen gewürdigt zu werden, also neben diesen eher landeskundlichen Unterrichtsinhalten, wurde auch einer Reihe rein sprachlicher Aspekte besondere Aufmerksamkeit und eine er-, eventuell auch überhöhte Unterrichtspräsenz zuteil.

Exemplarisch sei auf die Verben obtenir und recevoir verwiesen, gerne auch in Verbindung mit toucher, sie wissen schon: obtenir une bourse (ein Stipendium bekommen), recevoir un cadeau (ein Geschenk bekommen) und toucher de l’argent (Geld bekommen).

Ok, vermutlich würde man im Deutschen nicht in jedem Fall „bekommen“ verwenden, aber Sie verstehen, was ich meine, nicht wahr? Mal ganz vom Geld abgesehen, erhält man manchmal Dinge, die man sich erarbeitet hat, und manchmal eben auch solche, für die man im Grunde nichts kann, und dafür gibt es unterschiedliche Verben. Zumindest behauptete das mein Lehrer, und wer wäre ich, daran zu zweifeln?

Am Samstag dachte ich wieder einmal an obtenir und recevoir. Als der man für den VfB den Klassenerhalt schaffte. Sicherlich, die Mannschaft hatte hart dafür gearbeitet; gleichwohl war und ist mein Gefühl ein recht eindeutiges: reçu. Ein Geschenk. Des Himmels, Eintracht Braunschweigs, des HSV, des 1. FC Nürnberg.

Ist „Geschenk“ zu negativ, klingt es so, als habe man nichts dafür getan? Ok, ich revidiere: ein Losgewinn. So fühlt es sich an. Als habe man einen Euro bezahlt und damit das große Los gezogen. Ok, ich bessere noch einmal nach: ein paar Fehlgriffe waren auch dabei, aber wen schert das schon noch, wenn man den Hauptgewinn zieht?

Natürlich ist es nicht nur ein bisschen deprimierend, als VfB-Fan nach dem erreichten Klassenerhalt von einem Hauptgewinn zu sprechen, aber seien wir ehrlich:

Es ist schlichtweg eine extrem glückliche Fügung, dass sich drei Mannschaften gefunden haben, die noch weniger Punkte zu sammeln imstande waren, und es ist alles andere als eine Überraschung, dass auch am vorletzten Spieltag, in einer Saisonphase also, in der wir gerne mal völlig verrückte Ergebnisse erleben und kommentieren dürfen, weil Abstiegskandidaten plötzlich verborgene Qualitäten auspacken und auf den Platz bringen, dass also auch an diesem vorletzten Spieltag die vier schlechtesten Mannschaften ihre jeweiligen Heimspiele verloren haben, und so scheint es nicht sonderlich abwegig, dass am Saisonende 27 Punkte genügen könnten, um die Relegation zu erreichen, womöglich also in der Liga zu bleiben. 27 aus 34. Wahnsinn.

Bleibt also die Frage, was der VfB aus diesem gewonnenen, nein, doch: geschenkten Bundesligajahr macht. Und ich möchte sie mir im Moment gar nicht so recht stellen. Hiesige Qualitätsmedien rufen nach einer objektiven Analyse und raschem Handeln, nicht zuletzt personell, und keineswegs auf die Spieler beschränkt; und so fragt sich der interessierte Zuschauer, wie es denn wohl aussehen mag, wenn sich Fredi Bobic wie angekündigt am von ihm zusammengestellten Kader messen lässt. Nach dem Spiel ließ zumindest er selbst schon einmal durchblicken, dass er wenig davon hält, beim Wort genommen zu werden. Bernd Wahler sollte das anders sehen.

Dass Bobic den Hut nehmen muss, kann ich mir nicht vorstellen. Zu klar scheint im Moment, von außen betrachtet, dass er in die Beantwortung der Trainerfrage für die kommende Saison in gewichtiger Weise eingebunden ist, was eingedenk seines kolportierten Bemühens, wenige Spieltage vor Schluss Krassimir Balakov zu installieren, über den einen oder anderen in seiner Grundaussage negativen Superlativ nachdenken lässt.

Wo wir gerade bei Dingen sind, die ich mir nicht vorstellen kann: Thomas Tuchel nach Stuttgart? Ralf Rangnick nach Stuttgart? Mir fallen derzeit nicht viele Gründe ein, weshalb sie das tun sollten. Oder anders: die Gestaltungsspielräume, die man ihnen einräumen müsste, aber das ist nur ein Vermutung, wären immens und dürften eine deutliche Veränderung der Vereinspolitik erfordern. Mit der ich, um nicht, missverstanden zu werden, durchaus umgehen könnte. Vermutlich könnte ich auch mit Armin Vehs Cannstatter Comeback umgehen. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich ihn aber lieber als ewigen Meistertrainer in Erinnerung behalten.

So wie ich Cacau als Schützen eines verrückten Siegtores in einem verrückten Spiel in Bielefeld in Erinnerung behalten werde. Und Hitzlsperger als Verwerter von Pardos Eckball, Sie wissen schon. Schön, dass er am Samstag im Stadion gefeiert wurde, und ja, ich wäre auch lieber der Meinung, das nicht betonen zu müssen. Traoré wird mir nicht zuletzt wegen seiner letzten halben Halbserie in Erinnerung bleiben, und für den rechten Vorlagenfuß, den er in dieser Phase entdeckt hat. Tja, und Boka? Es ist bezeichnend, dass ich erst einmal eine ganze Weile brauchen werde, um bei seinem Namen nicht dauerhaft unmittelbar an das Wolfsburg-Spiel zu denken. Irgendwann werden sich diese Haken wieder in den Vordergrund schieben, die für mein bloßes Auge zu schnell waren. Hoffe ich.

Ob ich mich bereits mit Erinnerungen an Huub Stevens beschäftigen muss, werden die nächsten Tage zeigen, vermute ich. In jedem Fall ziehe ich den Hut vor der Leistung, die er in den vergangenen Wochen erbracht hat. Und habe, mich selbst revidierend, nichts daran zu kritisieren, wenn er als eine mögliche Option für die Trainerposition in der kommenden Saison gilt, die es nun anhand eines gewissenhaft erarbeiteten und objektivierbaren Kriterienkataloges zu bewerten gilt. Oder so ähnlich.

 

Prinzipien und Pragmatismus

Zu den Verhaltensweisen, die mich im Stadion stets irritieren, zählt das kompromisslose Ausleben von Abneigungen, gerne auch situationsunabhängig. Es war mir stets ein Rätsel, was einen dazu bringt, Gesänge gegen den Karlsruher SC anzustimmen, während dieser sich im Mittelfeld der dritten Liga tummelt, der VfB aber gerade ein Bundesligaspiel bestreitet. Und es verwundert mich seit Jahren, dass zahlreiche Zuschauer jedes Gegentor des FC Bayern lautstark bejubeln, auch dann, wenn die Münchner in der Tabelle etwa 25 Punkte vom VfB trennen, deren Gegner indes nur deren vier. Weil’s halt die Bayern sind, da geht’s ums Prinzip. Ja, sagte ich schon, wiederholt, beides.

Letzteres scheint sich nun zu ändern. Der Jubel, den jedes einzelne Tor des FC Bayern am Samstag auslöste, die Geschwindigkeit, mit der sich die Kunde von den Treffern verbreitete, obschon sie nicht offiziell angezeigt wurden, ließ aufhorchen. „Oh, wie ist das schön“ wurde ganz pragmatisch an der einen oder anderen Stelle angestimmt, „Niemals zweite Liga“, dieser unangenehm nach unten gewandte Ruf, machte nach der Entscheidung in Hamburg ebenfalls die Runde, und kurzzeitig wurde mein Nachbar etwas nervös, weil er, so ich ihn recht verstanden habe, versäumt hatte, sich im Vorfeld noch einmal den Text von „Stern des Südens“ anzusehen. Fiel dann aber der Aktualität zum Opfer aus, bis zum samstäglichen Dank an den Gewinnbringer wird er gewiss nacharbeiten.

 

Nichts hat sich geändert hier!

Als Kind des Bodensees hat man, speziell dann, wenn immobiliäre Eigentumsverhältnisse der Vereinfachung halber außen vor bleiben, per definitionem nah am Wasser gebaut. Ich bin da keine Ausnahme. Gleichzeitig vermute ich, dass die Wassernähe am Samstag im Hamburger Volkspark gar nicht sonderlich groß sein musste, um bei der Verlesung der HSV-Aufstellung („Mit der [egal welche Nummer]: Hermann …“ – „RIEGER!“)  ihrer metaphorischen Bedeutung gerecht zu werden.

Kurz: es war bewegend, und es war tränenreich, auch für einen Nicht-HSV-Fan, dessen Bezug zu Rieger sich darauf beschränkte, dass er, Rieger, ihn, den Nicht-HSVer, also mich, spätestens seit den frühen 80ern irgendwie begleitete, seitdem irgendwann mal irgendwo eine Notiz über den beliebten Bayern in Hamburg zu lesen gewesen war.

Im Lauf der Jahre schien seine Bedeutung, auch aus der Ferne betrachtet, immer weiter zu wachsen, wurde er gar mit dem zweifelhaften Attribut „Kult-“ versehen, und erst vor ein paar Wochen frug ich mich, zufallsgetrieben, welche Mitglieder des medizinischen oder auch des sonstigen Betreuungsteams eines Bundesligisten bundesweit derart große Bekanntheit, weithin auch Beliebtheit, erlangt hätten. Abgesehen vom Münchner Arzt, der Rieger in Sachen Bekanntheit überragt, der aber auch außerhalb seines Vereins für den DFB tätig war und ist, fiel mir keiner ein. Na ja, egal.

Die Stimmung war bemerkenswert. Andächtig und sichtlich betroffen legten Hamburger Fans vor dem Spiel Blumen vor Uwes Fuß ab (bestimmt auch andernorts; ich nahm es eben dort wahr), sie zündeten Kerzen an, drapierten Trikots und Fahnen, um Riegers zu gedenken, und nicht wenige Dortmunder gesellten sich zu ihnen, wie auch schon während der Woche immer wieder Fußballfans verschiedenster Couleur per Twitter und sonst wo ihre Anteilnahme und ihre Wertschätzung zum Ausdruck gebracht hatten. Auch das hat mich ein bisschen angefasst, und das Bild, der Begriff von der Fußballfamilie, der so gerne mal in unsäglichen Kontexten bemüht wird, ging mir mehr als einmal durch den Kopf.

Hut ab, Ihr HSV-Fans, das habt Ihr gut gemacht! Ich weiß es zu schätzen, dass ich dabei sein und auch was hochhalten durfte.

Dass ich dabei war, hat zunächst einmal private Gründe, die mich am Wochenende nach Hamburg verschlugen, und ist dann natürlich der lieben Frau @astiae zu verdanken, die mich bedenkenlos neben Herrn @maik216 stehen ließ, einem sehr angenehmen Nebensteher, übrigens, den ich gerne weiterempfehle, und ehrlich gesagt bin ich ganz guter Dinge, das Vertrauen gerechtfertigt zu haben:

Ich stand, wenn auch aus egoistischen, fußballinteressierten Gründen, verlässlich mit auf, wenn die HSV-Fans dazu aufgefordert wurden, setzte mich dann, wider meine Natur, wieder hin, um niemandem die Sicht zu nehmen, und klatschte, wenn ein Tor fiel. Dass dies nur zugunsten des HSV geschah, war meiner sportlichen Zufriedenheit ab-, meinem sonstigen Wohlbefinden möglicherweise zuträglich.

Und so kann sich die Bilanz des HSV in meinem Beisein in dieser Saison leider wahrlich sehen lassen: zwei Spiele, sechs Punkte. 7:0 Tore. Und zwei Freistoßtore von Çalhanoğlu. Und schon vom ersten hatte ich so sehr geschwärmt.

Dabei hatte es am Samstag anfangs gar nicht mal schlecht ausgesehen:

„NICHTS hat sich geändert hier!“

So zumindest  lautete die deutliche Ansage eines Herrn schräg vor mir, die Stimme erregt, das Idiom norddeutsch – hanseatisch, wage ich zu sagen –, als ein Hamburger Spieler einem anderen Hamburger Spieler nicht die notwendige Hilfe zukommen ließ, der Ball den Besitzer wechselte und bereits nahezu zwanzich Minuten gespielt waren. Da war er also schon verpufft, der Neue-Besen-Effekt, und dieser Slomka ist ja auch nur ein Fink mit weniger eng sitzenden Hosen, ein van Marwijk mit Pulli statt Schal, ein Cardoso mit Vertrach, Sie wissen schon.

All das sagte er natürlich nicht, also all das letzte. Das erste schon, und die Ungeduld, die in seiner Stimme lag, die ich, wenn schon nicht als Verzweiflung, so doch als Ausdruck großer Sorge interpretiert hätte, oder vielleicht auch nur als Lust am Nörgeln, wer weiß das schon, sie schien nicht einmal völlig unbegründet: der HSV hatte den Gästen aus Dortmund zunächst das Spiel überlassen, was diese gern annahmen. Ohne allerdings so recht zu wissen, was sie damit anfangen sollten. Offensichtlich hatten sie die rechte Hamburger Abwehrseite als Schwachstelle ausgemacht – ob das dem ursprünglich aufgestellten Dennis Diekmeier oder dem nachgerückten Heiko Westermann geschuldet war, sei dahingestellt –, hatten aber mit Großkreutz und Schmelzer keine linke Seite, die ernsthaft in der Lage gewesen wäre, Taten folgen zu lassen.

Überhaupt, Großkreutz: der soll gefälligst rechts hinten spielen, da brauchen „wir“ ihn bei der WM schließlich auch. Denken Sie mal an die Nationalelf, Herr Klopp, Mann!

Ob Aubameyang rechts vorne in der Lage gewesen wäre, Jansen in Verlegenheit zu bringen, wollte der BVB gar nicht erst herausfinden, was, um der Wahrheit die Ehre zu geben, zumindest zum Teil auch am HSV-Mittelfeld gelegen haben mag, das die Antwort lieber auch nicht in Erfahrung bringen wollte und entsprechend beherzt zu Werke ging. Dass Nuri Sahin damit so gar nicht zurechtkam, hätte ich nicht erwartet. Kein Zufall, dass er das entscheidende 2:0 begünstigte, als er im Zweikampf den Kürzeren zog.

Vom titelgebenden Vordermann hörte man dann doch nicht mehr so viel. Hatte sich ja auch einiges geändert. Ob das nun doch noch der besagte Neue-Besen-Effekt war, wird sich zeigen; ich persönlich fühle mich indes leider bestätigt, dass die Entscheidung des HSV für Mirko Slomka (oder war’s andersrum?) dem VfB sehr weh tun könnte. Und damit meine ich nicht, dass Slomka vom Markt ist, auch wenn ich mich mit ihm schon verschiedentlich hätte anfreunden können, sondern vielmehr, dass er einen unmittelbaren Konkurrenten, so meine Überzeugung, aus der Abstiegszone führen wird.

Ob indes der Trainermarkt für den VfB von Belang ist, werden vermutlich die nächsten Tage zeigen. Die Spekulationen schießen schon einmal ins Kraut, neben den perspektivischen Lösungen Rangnick und Tuchel, die gedanklich etwa so fern liegen wie dereinst Daum in Köln, wurde auch schon Holger Stanislawski ins Spiel gebracht, der bei mir seit einigen Jahren unten durch ist, aber das will ja keiner wissen.

Ich selbst bin keineswegs so weit, mir die Ablösung von Thomas Schneider zu wünschen, was jedoch nicht nur mangels Einfluss nichts zu sagen hat, sondern auch, weil ich nur äußerst selten die Ablösung eines Trainers für die beste Lösung halte oder gar, meiner Hybris gehorchend, fordere. Wenn man von den letzten beiden hiesigen Übungsleitern und dem sich daraus ergebenden Trendverdacht absieht. Vom jüngsten Spiel habe ich zudem so gut wie nichts gesehen, genau genommen also von den jüngsten beiden, und so kann ich aus recht widersprüchlichen schriftlichen Medienberichten zum Auftreten der Mannschaft gegen die Hertha nicht ableiten, ob denn nun alles gut wird oder doch eher den Bach hinab geht.

Nun denn, ich lasse es auf mich zukommen. Ein bisschen Sorge bereitet mir allerdings jenes Bild im Kopf, das ich nicht mehr recht loswerde und das Fredi Bobic in gemütlicher Runde mit ein paar Kumpels um einen Kneipentisch herum sitzen sieht, ungefähr so, wie ich mit meinen Fußballfreunden mittwochs um einen Kneipentisch herum sitze, und in dem besagter Bobic mit besagten Kumpels, just wie besagter Kamke mit besagten Fußballfreunden, willkürlich ein paar Trainernamen in die Runde wirft. Irgendwann zieht dann ein besonders gut vorbereiteter Mitstreiter ein Mobiltelefon mit Transfermarkt-App aus der Tasche, um dem Ganzen das nötige Maß an Seriosität zu verleihen. Bis letztlich Erich Ribbeck aus dem Sack gezogen wird. Oder, was weiß ich, Trond Sollied, der hier schließlich mal ein ganz heißes Eisen war.

Team Schneider.

Ach, auf eines möchte ich doch noch hinweisen: wann immer ich den HSV in dieser Saison live sah, siegte die Heimmannschaft überzeugend. Am 22. März ist es wieder so weit.
Im Neckarstadion.

Stets pünktlich und bemüht

„Wenn ich sehe, dass jemand sehr akribisch arbeitet, sich aufopfert im Job und ambitioniert ist, dann decke ich ihm mit Überzeugung den Rücken.“

Das sagte Fredi Bobic vor dem letzten Bundesligaspieltag der Schwäbischen Zeitung, und er meinte Bruno Labbadia. Er sagte auch noch einiges mehr, zum Beispiel, dass Labbadia oftmals jungen Spielern „anhand von TV-Analysen zeigt, was sie besser machen können … das sind Dinge, die nicht mal der ein oder andere sogenannte Konzepttrainer macht.“

Nun weiß ich nicht genau, wen Bobic mit den sogenannten Konzepttrainern meint, und weiß demzufolge erst recht nicht, was diese in ihrer täglichen Arbeit so tun. Im Grunde würde es mich überraschen, wenn sie ihren Nachwuchsspielern nicht in Form von Videoanalysen den Spiegel vorhielten, aber Bobic wird schon wissen, was er sagt. Den obligatorischen Hinweis, dass ich noch immer hoffe, auch Bruno Labbadia orientiere sich an einem Konzept, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

Ein bisschen erinnert mich das Interview an einen Arbeitgeber, der einem scheidenden Mitarbeiter ein gutes Zeugnis mit auf den Weg geben möchte, sich dabei aber ein wenig verheddert. Bobics Wertschätzung für den Trainer klingt durch, er geht auf die Rahmenbedingungen und Labbadias unbestrittene Verdienste ein, und doch: akribische Arbeit? Opfert sich im Job auf? Ist ambitioniert? War er vielleicht sogar pünktlich? Stets bemüht?

Sicher, ich übertreibe. Gewiss, ich habe selektiv zitiert. Aber so’n bisschen mehr über relevante Qualitäten des Trainers hätte er schon sagen können, so er sie denn sieht. Verzeihung, relevant ist Akribie schon. Auch Pünktlichkeit ist relevant. Notwendig, sogar. Nur nicht hinreichend. Die Weiterentwicklung junger Spieler und eine eigene Handschrift (wenn es denn eine geeignete wäre) könnten indes hinreichend sein. Leider liefert jedoch das Interview keine hinreichende Erklärung der Handschrift. Dabei wäre sie notwendig. Im Gegensatz zu diesem verqueren Absatz.

Vermutlich würde auch Bruno Labbadia unterschreiben, dass er mit der Handschrift, die man am Samstag möglicherweise hätte erahnen können, nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Bei Thomas Tuchel, dessen Mannschaft einen Fußball spielte, der auf mich wesentlich strukturierter, vielleicht auch intelligenter, was immer das heißen mag, wirkte, könnte das anders sein. Er dürfte sich die durch das Mainzer Tun insbesondere zu Spielbeginn offenbarte Handschrift gerne – und zurecht – zuschreiben lassen. Dass den Mainzern die Stuttgarter Trägheit dabei wunderbar in die Karten spielte, ist unstrittig. Und dass Trägheit nicht unbedingt zu den Eigenheiten von Labbadias Handschrift zählt, will ich ihm hier gerne zugestehen. Die Mannschaft war einfach im Kopf nicht ganz da, und ich kann es ihr nicht einmal verdenken.

Dann bekommt man halt ein Tor, nachdem ein eigener Innenverteidiger zunächst noch an der Mittellinie protestierte, anstatt gegen den Ball zu spielen, ein Tor, bei dem 4 oder 5 Weiße den im Grund schon nicht mehr gefährlichen Angriff zu leichtfertig laufen lassen und zwei Blauen beim Torschießen zusehen. Dann bekommt man eben ein zweites Gegentor, bei dem einige keine gute und der Torwart eine, nun ja, lustige Figur abgeben. Jener Torwart, der zuvor schon Glück hatte, nicht vom Platz gestellt zu werden, als er einen Ball völlig falsch eingeschätzt und außerhalb des Strafraums mit der Hand gespielt hatte, und der sich kurz darauf einen hohen Ball selbst ins Netz statt über die Latte gelöffelt hätte, wäre ihm nicht ein Verteidiger zur Seite gesprungen. Wird bestimmt alles besser in Berlin.

Immerhin: man wehrte sich, spielte zwar noch immer verdammt viele Fehlpässe oder schaffte es, wie Gotoku Sakai, drei oder vier Bälle völlig unbedrängt bei der Annahme ins Aus springen zu lassen, zeigte aber auch, dass man das Spiel gelegentlich schnell machen und dann auch konsequent abschließen kann (Boka!). Faszinierend die zweite Hälfte, als man sich wünschte, dass wenigstens eine der beiden Mannschaften in der Lage wäre, mal einen schnellen Angriff – Räume waren im Überfluss vorhanden – konsequent zu Ende zu spielen. Kurz: ein typisches letztes Saisonspiel bei nahezu entsprechenden Temperaturen.

Typisch für einen letzten Spieltag war auch das Geschehen auf den anderen Plätzen. Tore im Minutentakt, speziell in der ersten Hälfte, entschädigten für vieles, was man im Neckarstadion an Aktivität und Attraktivität vermisste, und ein bisschen fühlte man sich wie in der guten (?) alten Radiokonferenz. Champions League, Europa League, Abstieg – es ging hin und her, die Spannung war groß, die Ereignisse zahlreich, die Präferenzen im Stadion deutlich vernehmbar. Bei Schalke und Freiburg schienen sich viele schwer zu tun, Frankfurt hatte wohl leichte Vorteile gegenüber dem HSV, nur bei Hoffenheim schien sich der Großteil der Zuschauer in seiner Aversion einig. Umso spannender, dass sich gerade dort die Ereignisse zum Ende hin überschlugen, sodass die Fans, die das Treiben ihres VfB über weite Strecken vergleichsweise teilnahmslos verfolgten, auf diesem Wege einige Aggressionen loswerden konnten.

Nach dem Spiel äußerte ich meine Begeisterung über das nachmittägliche Geschehen via Twitter:

– was, nicht nur aus Sicht der gerade Abgestiegenen oder anderweitig Gescheiterten verständlich, keine uneingeschränkte Zustimmung erfuhr. Gleichwohl: solche Geschehnisse, gerade die in Dortmund, sind es doch, die einen ganz erheblichen Teil dessen ausmachen, was uns am Fußball so fasziniert. Freiburger Fans werden ihren Enkeln dereinst davon erzählen, wie Julian Schusters kurioses Eigentor die erste Champions-League-Qualifikation ihres Vereins verhinderte (wobei: möglicherweise erzählen Freiburger Fans ihren Enkeln auch auf Jahrzehnte hinaus nur von Christian Streichs Pressekonferenzen), und den nächsten Generationen Hoffenheimer Anhänger (hier darf sich jeder, dem so etwas gefällt, gerne einen beliebigen Witz mit den Schlagworten Hoffenheim, Fans, Tradition und Hopp denken) könnten, ein erfolgreiches Bestreiten der Relegation vorausgesetzt, ob der Namen Gisdol, Schipplock, Salihovic und nicht zuletzt Großkreutz irgendwann die Ohren bluten.

Ich selbst bin, um damit nicht hinter dem Berg zu halten, recht zufrieden mit dem Ausgang des letzten Spieltags. Ich freue mich, dass Frankfurt und Armin Veh für ihre starke Saison belohnt wurden. Freiburg hätte ich Platz vier gegönnt, verhehle aber nicht, dass auch Jens Kellers Weg mit den Schalkern aller Ehren wert ist. Dass ich letztlich ohnehin jede Platzierung, die man nach 34 Spielen erreicht, für verdient halte, wissen diejenigen, die hier mit einer gewissen Regelmäßigkeit mitlesen, ohnehin.

Und so verneige ich mich ziemlich tief vor Markus Weinzierl und seinen Augsburgern, bedaure die Düsseldorfer Fans, deren Verein zu lange eine zu schlechte Figur abgegeben hat, um bei mir einen nennenswerten Abschiedsschmerz auszulösen, und beglückwünsche Hoffenheim, das nicht nur den Trend und möglicherweise ein wenig den Spielplan zum Freund hatte, das auch nicht nur die sich bietende Chance entschlossen beim Schopf packte, sondern das auch seit Wochen Anzeichen einer einkehrenden Vernunft und entsprechenden Neuorientierung aussendet. Dass mich ganz nebenbei auch die Bayern mit ihrer überragenden Saison beeindruckt haben, ergänze ich gerne, auf all die anderen will ich jetzt nicht weiter eingehen.

Kurz eingehen möchte ich aber noch auf die VfB-Spieler, die sich mit einem sehr gelungenen Video bei den Fans bedankten (wie mittlerweile wohl jeder weiß):

Interessant, wie sie sich am Spieltag nach der Ankündigung des Videos im Mittelkreis sammelten, in – wie ich meine – gespannter Erwartung der Reaktion derjenigen, die sie da porträtierten (der Umstand, dass mir kein passendes Verb aus der Wortfamilie der »Hommage« bekannt ist, ersparte mir die Entscheidung, ob ich das Porträt vielleicht gar zur eben genannten erheben solle), in gespannter Erwartung, wie sie Kindern eigen ist, die etwas für ihre Eltern gebastelt haben und eigentlich wissen, dass diese begeistert reagieren werden, die aber doch, wegen irgendeiner Kleinigkeit (Mamas gute Stoffreste verwendet?), einen Ticken © Nervosität verspüren. Was natürlich völlig unnötig ist.

Was mir tatsächlich am besten gefallen hat: die Trikotvielfalt. Cacau mit diesem furchtbaren goldstichigen Göttinger-Gruppe-Verbrechen, Röcker als Verlaat, dann natürlich Südmilch, selbst das weinrote Gazi, Ulreich im gelben debitel – fast wie im richtigen Leben, die einfache Variante mit aktuellen Trikots (und dem aktuellen Sponsor) vermeidend.

Und am allerbesten, einmal mehr: Martin Harnik. Ich hatte überlegt, diesen Text ganz anders zu schreiben, unter der Überschrift „Ode an Martin Harnik“. Allein: ich weiß nicht, wie man eine Ode schreibt. Sagte ich hier übrigens schon einmal, in anderem Zusammenhang. Irgendwann muss ich mich wohl doch mal daran versuchen. Bis dahin sammle ich einfach weiterhin öffentliche Auftritte von und mit Martin Harnik, mit dem Wunsch, dass sie jedem anderen Berufsfußballspieler zum Selbststudium ans Herz gelegt werden mögen. Könnte allerdings auch deprimierend werden.

Rote? Gelbe? (Grüne? Blaue?)

Die erste Halbzeit war dann doch eher mau. Lag vielleicht am Spiel unter der Woche, das einige noch in den Köpfen hatten. So war man zwar durchaus feldüberlegen, zwingende Torchancen ergaben sich indes nur sehr selten; vielmehr hätte der Gegner mit seinem ersten ernst zu nehmenden Angriff beinahe die Führung erzielt.

Spaß hatte ich trotzdem. Die Sonne schien, das Fahrradwetter hatte ich genutzt, am Schlienz gab’s eine rote Wurst, und letztlich war es doch nur eine Frage der Zeit, bis die U19 des VfB gegen den Nürnberger Nachwuchs zielstrebiger agieren und das eine oder andere Tor erzielen würde. In der Zwischenzeit begnügte ich mich damit,dem Spiel von Joshua Kimmich zuzusehen. Könnte ich immer wieder stundenlang tun. Und mich nebenbei, auch das in schöner Regelmäßigkeit, mit der Frage beschäftigen, ob Robin Yalcin nicht doch der kleine Bruder von Serdar Tasci ist, oder ein Cousin, oder zumindest ein Bruder im Geiste in Bewegung und Eleganz.

In der 48., 49. und 53. Minute fielen die ersten drei Treffer, am Ende stand’s 5:0. Die VfB-Junioren hatten sich in der Kabine wohl des Spielziels erinnert, der Club-Nachwuchs half ihnen ein wenig. Schön.

Also radelte ich guter Dinge weiter zur Fußballkneipe meines Vertrauens, um den Erwachsenen zuzusehen. Und wurde nicht enttäuscht. Starke Defensivleistung, vorne hätte man sich in der einen oder anderen Situation etwas mehr Übersicht gewünscht, aber letztlich war das sehr ordentlich, und wenn man hinterfragt, wieso der Meister wieder nicht gewonnen hat, dann könnte das auch damit zu tun gehabt haben, dass er auf einen Gegner traf, den man nicht mal eben im Vorbeigehen schlägt. Ging an der einen oder anderen Stelle ein wenig unter, fand ich.

Vor dem Spiel hatte ich mich per Twitter kurz mit BVB-Fan @surfin_bird ausgetauscht, der den VfB, rein von der Aufstellung her, zurückhaltender erwartet hatte:

Meine Antwort, der VfB richte sich nicht nach dem Gegner, lag irgendwo zwischen Überschwang und Übermut, und doch finde ich es gut und richtig, bei seinen Leisten zu bleiben. Man hätte natürlich hinten auch mit einer Dreierkette … ach, vielleicht doch nicht.

Was ich mich aber wirklich frage: Besteht ein Widerspruch zwischen dem Streben, das eigene System durchzuziehen und zu -setzen auf der einen und dem aktuell nicht mehr ganz so laut vernehmbaren – das EM-Halbfinale mag eine Teilschuld daran tragen – Ruf nach einem gegnerabhängigen Matchplan, der zum Teil, man denke an Thomas Tuchels erste Mainzer Saison, teilweise stark variierende Aufstellungen hervorbringt, auf der anderen Seite? Ich glaube nicht. Zumindest keiner, der sich nicht auflösen ließe.

Holzhauser. Kann ich nicht unkommentiert lassen, nachdem ich in den letzten Wochen ja fast ausschließlich über ihn geschrieben hatte. Ich hätte gelb gegeben. Und glaube, besten Gewissens sagen zu können, dass ich dies analog auch so sehen würde, hieße der Übeltäter Sebastian Kehl (Gute Besserung!), Neven Subotic oder, was weiß ich, Max Kruse, Marcel Schäfer, Miroslav Klose, Maik Franz.

Weil ich, und es ist einerseits Zufall, überrascht mich andererseits aber auch nicht, dass Jürgen Klopp da eine im Grundsatz ähnliche Meinung vertritt,  kein Verfechter der Linie bin, wonach ein Treffer mit dem Arm im Luftkampf grundsätzlich rot sein muss, sondern vielmehr, analog zu Schiedsrichter Zwayer, einen bewussten Schlag suche. Und bei Holzhauser nicht fand.

Nun bin ich aber kein Schiedsrichter und kenne erst recht nicht deren Anweisungen, die sich noch dazu – so hieß es zumindest im Sportstudio – im Lauf der letzten Jahre verschiedentlich verändert haben sollen (Nachtrag: Das entsprechende Zitat aus dem Sportstudio habe ich bisher nicht mehr gefunden. Entweder bildete ich es mir komplett ein – was mich ein wenig überraschen würde –, oder es entstammt einer anderen Sportsendung. Zudem widerspricht, wie drüben bei Collinas Erben nachzulesen, ein DFB-Schiedsrichter der Darstellung, die Anweisungen hätten sich verändert.), und vielleicht ist meine Einschätzung einfach objektiv falsch, weil ich die Regeln nicht gut genug kenne. Subjektiv ist aus meiner Sicht gelb ok; ich verstehe indes durchaus, dass und weshalb andere darin eine rote Karte erkennen.

Dass diese Leute dann ihre Rotforderung in Scharen auf Lewandowski und dessen Arm in Niedermeiers Gesicht ausdehnten, kann ich vor diesem Hintergrund ebenfalls nachvollziehen; ich selbst wäre dort mit einem bloßen Foulpfiff zufrieden gewesen, möglicherweise ergänzt um eine gelbe Karte. Ibisevic hätte ich im Übrigen vom Platz gestellt, mindestens mit gelb-rot. Sein Schlag gegen Schmelzer war aus meiner Sicht zwar nicht sonderlich hart, aber bewusst gesetzt.

Dass man all das anders sehen kann, versteht sich von selbst, sagte ich ja auch bereits. Ob man es anders sehen muss, kann ich nicht recht einschätzen – und harre gespannt der Einschätzung von Collinas Erben.

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Nachtrag: Mittlerweile hat sich ein – berufener – Erbe Collinas geäußert, und zu meiner angenehmen Überraschung scheint mein Regelverständnis gar nicht so falsch zu sein. Dass wir bei Holzhauser dennoch zu unterschiedlichen Bewertungen gelangen, liegt nach meinem Verständnis letztlich daran, dass er im Gegensatz zu mir einen Schlag erkennt. Fair enough. Bei Ibisevic sind wir uns allem Anschein nach völlig einig, zu Lewandowski sagt er nichts.
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Die Bewertung von Holzhausers sportlicher Leistung hatte sich meines Erachtens nach der besagten Szene erübrigt. Insofern überraschte es mich ein wenig, dass Bruno Labbadia ihn so lange auf dem Feld ließ – nicht aus Sorge, er könne beim nächsten Foul vom Platz fliegen, dafür ist die Zahl seiner Fouls im Normalfall zu gering, bzw. hatte er, in diesem Fall rein quantitativ gesprochen, sein Soll in Dortmund mit dem einen Foul bereits erfüllt, sondern einfach deshalb, weil er meines Erachtens mit dem Foul aus dem Spiel gefallen war, ungeachtet eines schönen und Gefahr bringenden Doppelpasses, den er noch zustande brachte.

Aber vielleicht dachte der Trainer, dieser nachwuchsfördernde Psychologe, ja auch, dass der Junge da einfach mal durch muss. Bemerkenswerte Randnotiz übrigens, mit welcher Selbstverständlichkeit Sky-Reporter Kai Dittmann die Lesart übernahm und verbreitete, wonach Labbadia der einzige gewesen sei, der zu Saisonbeginn noch an Holzhauser geglaubt habe.

Was ich noch fragen wollte: Wieso zupft Mario Götze so häufig sein Trikot zurecht? Ich kenne das so bisher nur von Frauen, die etwas zu kurze Röcke tragen. Oder von mir, wenn ich das Gefühl habe, aus einem Shirt herausgewachsen zu sein. Dabei bin ich doch meist derjenige, der bei Twitter jenen widerspricht, die Götze unterstellen, nicht durchtrainiert zu sein. Etwas verwirrt: ich.

Ach, und natürlich wüsste ich gern, wer Sven Ulreich geraten hat, als Fürsprecher seiner selbst aufzutreten. Brillante Idee, findet der Bundestrainer bestimmt auch.

Lieber Herr Beckmann,

heute war es wieder einmal so weit: Meine Möglichkeiten, mich über die Bundesliga zu informieren, beschränkten sich auf die Sportschau, und ich hab da leider was nicht so ganz verstanden. Nur eine Kleinigkeit, aber irgendwie nagt sie. Nun, wie es der Zufall will, hatten Sie in der heutigen Sendung eine exponierte Rolle inne, und vielleicht können Sie mir ein wenig helfen?

War ja eigentlich eine ganz gute Sendung, finde ich, wenn man mal von der penetranten Werbung für die Sportschau am Dienstag und Mittwoch absieht. Die Spitzenmannschaften haben alles dafür getan, dass man den Mittwochshype aufrecht erhalten kann, Herrn Klopps Flaschenabfüllzitat konnte man wunderbar einbauen, auch zu den anderen Spielen gab’s die eine oder andere nette Randgeschichte, und der VfB hat gewonnen.

Oh, Verzeihung, letzteres war für Sie vermutlich gar nicht so wichtig wie für mich. Mir hat’s gefallen, auch wenn ich lieber vor Ort dabei gewesen wäre. Gerade jenes 2:1 hätte ich gerne live gesehen, man ist ja nicht so oft dabei, wenn ein Tor des Monats fällt. Ok, war nicht ganz so ernst gemeint.

Nein, falsch, ernst meine ich das schon, es ist bloß nicht realistisch – schließlich habe ich ja die Auswahl für das Tor des Monats März gesehen. Nette Fernschüsse, die da zur Wahl stehen. Und ein technisch sehr sauberes Tor von Marcus Berg, das vermutlich abgeschlagen enden wird, wegen zu großer Nähe zum Tor. Ja ja, ich weiß, die Zuschauer haben die Tore der Woche gewählt, da können Sie nichts für. Und dafür, dass ein Lehrbuchtor wie das von Ibisevic eingeleitete und abgeschlossene vermutlich gar nicht erst zur Wochenwahl steht, schätzungsweise auch nicht.

Entschuldigung, ich sollte zum Punkt kommen, denn natürlich bezieht sich mein Hilfsersuchen nicht auf das Tor des Monats und ihren möglichen Einfluss auf dessen Auswahl. Vielmehr möchte ich kurz auf Ihre Ausführungen zu Christian Streich zu sprechen kommen. Christian Streich, Sie wissen schon, der unkonventionelle Freiburger Trainer, der so anders ist als all die anderen, voll authentisch und so. Ganz ehrlich: ich mag den auch. Ist ne schöne Geschichte, wie er sich nicht so ernst nimmt, und wie er sich zum Umgang der Leverkusener Zuschauer mit Robin Dutt geäußert hat, ist wahrlich aller Ehren wert. Und diese Emotionalität – großartig. Dass ihm die auch noch irgendwann auf die Füße fallen kann: geschenkt.

Was ich aber wirklich nicht so ganz verstanden habe, lieber Herr Beckmann, ist Ihr Ansatz, Herrn Streich von anderen Trainern abzugrenzen. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, die Sendung nochmals anzusehen, aber wenn ich mich nicht sehr irre, stellten Sie ihn als Gegenentwurf zu all den „selbst ernannten Konzepttrainern“ dar. Und damit wären wir an der Stelle, wo ich Ihnen dankbar wäre, wenn Sie mir einmal kurz auf die Sprünge helfen könnten. Mir sind die nämlich dummerweise gar nicht so recht geläufig, diese selbst ernannten Konzepttrainer. Womit ich nicht ausschließen will, dass sich Uwe Rapolder oder, was weiß ich, Mario Basler, mal so bezeichnet haben, oder dass Thomas Tuchel im einen oder anderen Interview von seinem Konzept sprach, oder wieder ein anderer davon, dass ein Gegentor seine Mannschaft aus dem Konzept gebracht habe.

Aber „selbst ernannte Konzepttrainer“, ernsthaft, Herr Beckmann? Noch dazu mit einem, so glaube ich, nicht nur eingebildeten spöttischen Unterton? Irgendwie fällt es mir ein bisschen schwer, das nachzuvollziehen. Das Lustige ist nämlich, vielleicht sollte ich das an dieser Stelle erwähnen, dass ich bisher immer der Meinung war, der Begriff Konzepttrainer sei eher journalistisch geprägt, entstamme vielleicht sogar der Steffen-Simon-Schule für irgendwo aufgeschnappte und für schlau befundene moderne Fußballsprache, und darüber hinaus hatte ich den Eindruck, jeder halbwegs vernünftige Trainer, dem dieses Etikett angeheftet wurde, habe sich bereits irgendwann einmal mit dem Hinweis zitieren lassen, dass selbstverständlich jeder seiner Kollegen ein Konzept habe und verfolge. Zurecht, wie ich meine.

Und irgendwie fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass Fußballlehrer durch die Lande ziehen und sich zu Konzepttrainern ernennen. Aber Sie, lieber Herr Beckmann, bewegen sich quasi permanent, professionell und sicherlich auch behände in diesem Metier. Daher wäre ich Ihnen überaus verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit besäßen, mich eines Besseren zu belehren. Oder aber in der nächsten Sendung entschuldigend darauf hinzuweisen, dass Sie einer zu billigen Pointe nicht widerstehen konnten.

Mit sportlichem Gruß
heinzkamke

 

 

Was machen eigentlich… die Lehrgangsbesten?

Ein bisschen enttäuscht bin ich ja schon von „meinem“ Verein.

Tayfun Korkut ist also neue Trainer der U19. So weit, so gut. Es lässt mich kalt, dass er aus Hoffenheim kommt, unabhängig davon, ob da grade ein gewisser Trend zu verzeichnen ist. Es ist mir auch völlig egal, dass er seine Jugend bei den Blauen verbracht hat. Aber: er zählte nicht zu den Lehrgangsbesten. Zumindest wird das nicht kommuniziert. Schließlich wissen wir vom neuen Trainer der U17, Thomas Schneider, dass er den 57. Lehrgang als Zweitbester abgeschlossen hat. Drittbester war übrigens Sascha Lewandowski. Oder Markus Gisdol. Vielleicht ja auch beide. Aller Ehren wert, sowas. Korkut hat indes nur absolviert. Wo kommen wir denn da hin?

Mittlerweile soll’s ja schon Vereine geben, die’s unter einem Lehrgangsbesten nicht mehr machen. Die bürgen für Qualität. Zur neuen Saison bekommen also Leverkusen und Hoffenheim ein solches Exemplar. St. Pauli wartet in der zweiten Liga gar mit den Lehrgangsbesten von 2004 (André Schubert) und 2011 (Jan-Moritz Lichte) auf, und in Liga drei setzen Osnabrück mit Uwe Fuchs (class of 2002) bzw. Bielefeld mit Markus von Ahlen (2006) auf frischen Wind aus der Hennes-Weisweiler-Akademie. Der neue Schalker Trainer, der schon seit ein paar Wochen da ist, war Lehrgangsbester 1984, sein Co-Trainer Gisdol vielleicht Drittbester 2011 (s.o.).

Die deutsche U19 hat ebenfalls einen neuen Lehrgangsdrittbesten verpflichtet, dessen bisherige Trainerkarriere allerdings gar nicht so wahnsinnig glanzvoll verlief. Dass der DFB-Nachwuchs die sicher geglaubte EM-Qualifikation verpasste, ist aber sicherlich Zufall. Genau wie Christian Ziege musste sich auch der Primus des 53. Lehrgangs (2007), Karsten Baumann, der seine Lizenz im Übrigen „mit besonderer Auszeichnung“ erhalten hatte, vorzeitig aus der Zweitligasaison 2010/2011 verabschieden – die Vereine taten es ihnen später nach. Auch den ergebnismäßig zweiten Mann hinter Baumann, Marco Pezzaiuoli, werden wir in der kommenden Saison erst einmal nicht bei den Bundesligapressekonferenzen sehen. Schade.

Vermutlich hab ich den einen oder die andere vergessen bzw. weiß nicht um deren Prüfungserfolg. Zumal der DFB, soweit ich das nachvollziehen kann, erst ungefähr seit dem Jahrtausendwechsel offensiv mit Mitteilungen über die Lehrgänge und deren herausragende Absolventen umgeht. Sozusagen die Professionalisierung der Medienarbeit in der Ära Rutemöller. Die allerdings noch unvollendet scheint.

Wie auch immer: wenn man ein bisschen sucht, findet man eine Reihe von Namen, die ihre Fußballlehrerlizenz als Lehrgangsbeste erworben haben bzw. zumindest „zu den Besten“ zählten, und nicht bei allen klingelt’s sofort. Oder wer kennt Kai Timm? Jörg Halfenberg? Thomas Sinz? André Malinowski? Thomas Krücken? Mario Himsl? Stefan Sartori? Hans-Dieter Flick? Ich zumindest kannte sie nicht. In zwei oder drei Fällen glaube ich, den Namen schon einmal gehört zu haben, aber das war’s dann auch.

Muss ja nichts Schlechtes sein, wenn diese Leute als Stützpunkttrainer oder auch bei Profivereinen den Nachwuchs fördern, ganz im Gegenteil. Das tun übrigens auch Ex-Profis wie die bereits genannten Schneider und Lewandowski, oder Olaf Janßen in Aserbaidschan. Iraklis Metaxas ging gestärkt aus dem jüngsten Revirement beim VfL Bochum und ist nunmehr „Cheftrainer Nachwuchs“. Die Ex-Nationalspielerinnen Anouschka Bernhard (Zweitbeste 2009 und mehrjährige Jugendkoordinatorin bei Hertha BSC) und Maren Meinert, die 2004 zu den Besten zählte, trainieren DFB-Juniorinnen.

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, die häufig als erste genannt werden, wenn es um gut ausgebildete und ausbildende deutsche Trainer geht, tauchen in den DFB-Pressemitteilungen nicht exponiert auf. Sieht man indes genauer hin, findet man Hinweise, wonach Tuchel 2006 als Zweitbester abgeschlossen habe, während Klopp für sein Ergebnis 2005 die Erklärung der Nebenbei-Betreuung eines Bundesligisten geltend machen kann – was der damalige Primus Robin Dutt auf Nachfrage auch gerne für ihn übernimmt. Zudem hat Klopp mit Zeljko Buvac einen der Jahrgangsbesten von 2000 an seiner Seite.

Wenn wir grad beim Jahr 2000 sind: da gab’s ja noch einen Kurs. Den für verdiente Nationalspieler und -spielerinnen. Leider habe ich bisher keine Hinweise gefunden, wer damals der oder die Lehrgangsbeste gewesen sei. Von absoluten Resultaten ganz zu schweigen…

Vielleicht hält diese Ungewissheit ja den einen oder anderen Verein davon ab, sich die Dienste der Herren Brehme, Kohler, Immel oder Buchwald zu sichern. Dieter Eilts sei übrigens Jugendkoordinator beim VfL Oldenburg.

Einige weitere prominente Lehrgangsbeste (oder deren unmittelbare „Verfolger“) sind meines Wissens zur Zeit auf dem Markt, beispielsweise Michael Frontzeck, Holger Gehrke oder Thomas Doll.

Formal nicht auf dem Markt ist ein weiterer Lehrgangsbester: Lothar Matthäus.

______

Hier noch ein paar unvollständige Namen und Quellenangeben:

18. Lehrgang, 1972
In der Akademie in Köln bestand [Sepp Piontek] als Jahrgangsbester die Prüfung.

29. Lehrgang. 1984
Während dieser Zeit erwarb [Ralf Rangnick] an der Sporthochschule Köln im Fußball-Lehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester mit einem Notendurchschnitt von 1,2 die Fußballlehrer-Lizenz

45. Lehrgang, 2000
Lehrgangsbester war Peter Starzmann, Co-Trainer von Ralf Rangnick beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart.
[Zeljko] Buvac, der 2000 als einer der Jahrgangsbesten den 45. Fußballlehrer-Lehrgang bestanden hatte

46. Lehrgang, 2001
So gab es diesmal gleich drei Lehrgangsbeste: Michael Frontzek (sic!), Holger Gehrke und Iraklis Metaxas wurden hierfür besonders geehrt.

47. Lehrgang, 2002
Der Ehrenpreis ging in diesem Jahr an den ehemaligen Bundesligaprofi Uwe Fuchs.

48. Lehrgang, 2003
Als beste Absolventen wurden Hans-Dieter Flick und Thomas Doll […] ausgezeichnet.

49. Lehrgang, 2004
Als Jahrgangsbeste […] wurden bei der Feierstunde Maren Meinert, Olaf Janßen und Andre Schubert gesondert ausgezeichnet. 

50. Lehrgang, 2005
Als Lehrgangsbeste wurden Robin Dutt (Stuttgarter Kickers) und Kai Timm (DFB-Stützpunkt-Koordinator Niederrhein) ausgezeichnet.

51. Lehrgang, 2005
Daher zeichnete er die beiden Lehrgangsbesten – stellvertretend für den Lehrgang – aus. So erhielt Jörg Halfenberg den NRW-Preis, Thomas Sinz wurde der DFB-Wimpel verliehen.

52. Lehrgang, 2006
Als Lehrgangsbester wurde der ehemalige Profi Markus von Ahlen […]ausgezeichnet.

53. Lehrgang, 2007
Als Lehrgangsbester wurde der ehemalige Fußball-Profi Karsten Baumann […] geehrt. [… Baumann] erhielt seine Lizenz mit besonderer Auszeichnung. […] Überdurchschnittliche Leistungen erbrachten auch zwei Teilnehmer, die den Lehrgang gemeinsam mit der zweitbesten Note abschlossen: Marco Federico Pezzaiuoli und André Malinowski.

54. Lehrgang, 2007
Als Lehrgangsbester wurde anlässlich der Feierstunde in Köln ein früherer Kölner Fußball-Profi ausgezeichnet: Dirk Schuster. 

55. Lehrgang, 2009
Lehrgangsbester ist St. Paulis Trainer Holger Stanislawski, als Zweitbeste des Lehrgangs schnitt die ehemalige Nationalspielerin (47 Länderspiele) Anouschka Bernhard ab, die heute als Jugend-Koordinatorin für Hertha BSC Berlin zuständig ist. Das drittbeste Ergebnis erzielte Stefan Sartori.

56. Lehrgang, 2010
Lehrgangsbester wurde Mario Himsl, der DFB-Stützpunktkoordinator im Fußball-Verband Mittelrhein und Trainer der Bundeswehr-Nationalmannschaft. Als Zweitbester ging Thomas Krücken, der U 17-Trainer von Hertha BSC, aus den Prüfungen hervor, dicht gefolgt von Christian Ziege.

Lehrgang 57, 2011
Lehrgangsbester wurde Jan-Moritz Lichte, Co-Trainer von Andre Schubert beim Zweitligisten SC Paderborn.
2010 schloss [Thomas Schneider] den Trainerlehrgangs (sic!) des DFB an der Hennes-Weisweiler Akademie in Köln als zweitbester seines Jahrgangs ab.
Als Drittbester von 27 Teilnehmern hat [Sascha Lewandowski] den einjährigen Lehrgang abgeschlossen. (alternativ: „Als einer der drei Jahrgangsbesten…„)
Wenige Tage später bestand [Markus] Gisdol als Drittbester unter 27 Teilnehmern die Prüfung zum Fußball-Lehrer – und dann kam Schalke.

Dreckssieg (© Bruno Labbadia)

Eigentlich hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung, wie die TV-Nachbetrachtung des VfB-Spiels gegen Mainz aussehen sollte: ich wollte einen zickigen Thomas Tuchel erleben. Einen, der über die Ungleichbehandlung durch den Schiedsrichter schimpft. Der Quervergleiche zu anderen Spielen zieht, wo man für weniger vom Platz geflogen sei oder für deutlich mehr eben gerade nicht. Der vielleicht über das Verhalten der Stuttgarter Bank schimpft, oder über die Ungerechtigkeit der Welt.

War aber gar nicht nötig. Er projizierte seine Verärgerung, als Witz verpackt, auf Boris Büchler. Der kann das ab. Hauptsache, Tuchel war verärgert. Hatte ja auch durchaus Grund dazu. In den meisten Statistiken hatte seine Mannschaft die Nase vorn. Vor allem bei den Bällen, die von der Linie gekratzt wurden. Risses Schuss von Molinaro, Bungerts Kopfball von Funk, und Ulreich hatte gegen Allagui(?) gezeigt, dass er in Sachen Reaktionszeit konkurrenzfähig ist.

Pavel Pogrebnyak ist auch konkurrenzfähig. In punkto Engagement. Bei Laufstärke und Einsatzhärte. Wenn es darum geht, den Ball zu halten und abzudecken. Und die Zähne zusammen zu beißen. Seinem Einsatz vor dem 1:0 hätte ich in der Berichterstattung etwas mehr Aufmerksamkeit gewünscht. In meiner Stadionecke, die diesmal etwas weiter vom Spielfeld entfernt war als sonst – wir hatten einen sehr jungen Fan dabei, der sich nicht ganz so tief ins Getümmel stürzen sollte –, waren wir uns einig, dass Pogrebnyak bis zum Ende durchspielen und die medizinische Abteilung seinen doppelten Schienbeinbruch erst hernach feststellen würde. Oder womit auch immer er den Siegtreffer erkauft hatte.

Bruno Labbadia spielte nicht mit. Er nahm den russischen MittelÜberallstürmer vom Platz und brachte Georg Niedermeier, um den Sieg zu sichern. Seine dritte richtige Auswechslung, auch wenn die ersten beiden nach meinem Geschmack durchaus ein wenig früher hätten kommen dürfen. Aber wenn Harnik und Gebhart in den kommenden Wochen stets für den Sieg sorgen, bin ich auch schweren Herzens bereit, Cacau und Gentner jeweils über eine Stunde lang zuzusehen.

Letzterer hatte beim Anblick des Geläufs wohl an eine Trabrennbahn gedacht und seine Spielweise entsprechend umgestellt optimiert. Etwas ernsthafter: natürlich ist es eine etwas knifflige Situation, wenn für drei der besten Spieler im Kader insgesamt nur zwei Plätze zur Verfügung stehen. Und wenn der einzige der drei, der auch auf einer anderen Position sehr gute Leistungen bringen kann, auf der umstrittenen Position quasi unersetzlich ist. Aber es ist niemandem geholfen, wenn einer der beiden anderen auf Teufel komm raus in der ersten Elf untergebracht werden muss. Beide, Gentner wie Kuzmanovic, sind für eine Außenposition im 4-4-2 mit Doppelsechs nur bedingt geeignet. Wenn Gentner noch dazu auf der ungewohnten rechten Seite antreten muss, sollte man wohl nicht mehr erwarten als das, was er gestern angeboten hat.

Natürlich kann es sein, dass der Trainer keine andere Wahl hatte, weil weder Gebhart noch Harnik bereits wieder für 90 Minuten fit war. Aber das dürfte sich bis zum nächsten Spiel beheben lassen. Mindestens einer, gerne auch alle beide, sollte(n) Tempo und Dynamik ins Spiel bringen. Und Torgefahr. Vielleicht auch ein wenig Kreativität.

Da gerade von Kreativität die Rede ist: Tamas Hajnal wäre kein Königstransfer. Aber vielleicht auch kein ganz schlechter. Weil er gute Bälle spielen kann. Weil er aus dem Mittelfeld heraus Torgefahr ausstrahlt. Wenn er so spielt wie einst in Karlsruhe. Ob er dazu in der Lage ist, kann ich allerdings nicht beurteilen. Es mangelt ihm sicherlich an Spielpraxis. Und ich weiß nicht, in welchem System ihn Bruno Labbadia einsetzen würde. Als halben Doppelsechser möchte ich ihn im Abstiegskampf nicht sehen. Wenn der Trainer indes über ein 4-2-3-1 nachdächte, mit Träsch und Kuzmanovic in der Zentrale, Hajnal davor, Gebhart und Harnik oder Didavi auf den Außenpositionen, dann hielte ich das zumindest für überlegenswert.

Aber grau ist alle Theorie. Entscheidend is auf’m Platz. Und da haben die VfB-Spieler gestern gezeigt, dass die sich mit dem Abstiegskampf so gut angefreundet haben, wie man es eben übers Herz bringt. Wobei es eine ganz besondere Freude war, auf den Außenpositionen der Viererkette endlich wieder gewonnene Defensivzweikämpfe beklatschen zu dürfen. Molinaro hatte das eine oder andere Mal schwer zu kämpfen mit Schürrle, aber insgesamt konnte er seine Herkunft dann doch nicht verleugnen. Verteidigen können sie. Sehr schön auch die Zwei-Mann-Mauer, bestehend aus Molinaro und Boka, die Schiedsrichter Weiner zunächst etwa zwölf Meter vom Ball entfernt postiert hatte. Gemeinsam rutschten sie nach vorne, bis es noch deren neun waren. Boka war’s zufrieden, Molinaro nicht. So zog er seinen kleinen Nebenmann, dessen Frisur erneut fatale Erinnerungen an Christian Ziege weckte, standesgemäß bis zur Sechs-Meter-Marke, wo man die Freistoßflanke dann auch abwehrte.

Auf der anderen Seite war Patrick Funk eine Bank. An ihm war kaum ein Vorbeikommen, er zeigte sich lauf- und kampfstark, klärte kurz vor der Schluss auf der Linie und leitete, nicht zu vergessen, den Siegtreffer mit ein. Natürlich waren noch ein paar Abspielfehler zu viel dabei, auch der eine oder andere Stellungsfehler, und wenn Christian Fuchs Mitte der ersten Halbzeit, als er in der linken Halbposition im Strafraum offensichtlich vergessen worden war, eine der zahlreichen vernünftigen Optionen gewählt hätte, anstatt einen Mondball zu spielen, wäre Funk bei der Fehlersuche in der Verlosung dick dabei gewesen. War aber nicht so.

Der VfB glänzte nicht. Und arbeitete auch nicht immer effizient. So hätte man sich nach der Pause eine Viertelstunde lang gewünscht, dass nicht jeder gewonnene Ball postwendend wieder dem Gegner in die Beine gespielt wird. Wie gesagt: die Mannschaft arbeitete nicht immer effizient. Aber sie arbeitete. Und sie arbeitete effektiv. Christian Träsch gewann 800 Bälle. Er verlor auch ein paar mehr als sonst. Und zwischendurch hatte ich Sorge, er leide am Cacau-Syndrom und meine, alles machen zu müssen (immerhin: das Symptom “über alles und jeden meckern” trat nicht auf). Als Gebhart und Harnik ins Spiel kamen, war ich dieser Sorge ledig. Träsch hielt sich etwas zurück, konzentrierte sich auf die Defensivarbeit und überließ insbesondere Gebhart die Initiative. Gefiel mir.

In der ganze Euphorie sang ich einmal kurz „Niemals zweite Liga“ mit. War ein Versehen. Da will ich eigentlich nicht mitmachen. Es reicht mir, dass der VfB im Abstiegskampf steckt, ich muss es nicht auch noch lauthals hinaustrompeten. Ich weiß es. Die Spieler scheinen es zu wissen. Falls doch nicht, lassen sie es sich von mir auch nicht sagen. Realitätsverweigerung? Vielleicht. Aber wer kann nach so einem Dreckssieg schon auf dem Boden der Tatsachen bleiben?

Heute stand dann noch ein Fußballspiel an. Im Fernsehen. In Köln. Lautern-Köln. Presseeinladung der Telekom, die das weltweit allererste Spiel der gesamten deutschen Bundesliga in 3D übertrug. Ein Kracher. Mit Stadionwurst, Pommes und Kaltgetränken. Wir haben ein kleines Bloggertreffen daraus gemacht. Schön war’s. Das Bloggertreffen. Interessant war’s. Das 3D-Dingens. Dass es noch in den Kinderschuhen steckt, versteht sich von selbst. Ob die Telekom recht hat, wenn sie sich überzeugt gibt, dass das Thema ein großes sei, werden wir sehen. Zumindest sehen die Brillen mittlerweile schon nahezu stylish aus.

Und wie ich so in Köln am Rhein zur U-Bahn ging, die drei erlebten Dimensionen im Kopf, begann ich leise zu summen:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XEC1i0zoZ5k]

Update:
Teilweise sehr detaillierte Betrachtungen zum dreidimensionalen Fußball gibt es hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier … (tbc)

Love's Labour's Lost

Ich habe keinen Einblick in interne Abläufe. Weiß nicht, ob der Trainer den Verantwortlichen gesagt hat, dass er die Spieler nicht mehr erreiche. Ob er, wie einst Thomas Hörster, nicht mehr an den Klassenerhalt glaubt. Ob er zu engen Umgang mit Frau Hundt pflegt. Ob ihm ein Angebot des Schweizer Fußballverbands vorliegt, das er nicht ablehnen kann. Ach, was weiß denn ich. Ich kann mir kein Urteil erlauben. Und tu’s trotzdem.

Die letzte Trainerentlassung, über die ich derart den Kopf schüttelte, war die von Jörn Andersen in Mainz. Der Zeitpunkt erschien mir damals noch ungeeigneter als heute bei Christian Gross. Wenige Tage vor Saisonbeginn, nachdem man die ganze Vorbereitung mit einem anderen Trainer absolviert hatte, einem Trainer, der die Mannschaft zum Aufstieg geführt hatte, wurde damals Thomas Tuchel berufen. Sicher kein Fehler, im Nachhinein betrachtet. Vielleicht sage ich das in einigen Monaten auch über den heutigen Schritt des VfB, man kennt ja diese wendehalsigen Fans.

Heute aber verstehe ich es nicht. Bin sauer. Erarbeite Verschwörungstheorien, in denen der Aufsichtsratsvorsitzende und der Hauptsponsor, ein Blauer, exponierte Rollen einnehmen. Bin geneigt, über die Fäden zu ätzen, die an einem Holzkreuz über Fredi Bobics Kopf hängen und die mindestens ein anderer in der Hand hält. Habe Horrorvisionen, angesichts derer ich mich frage, wem ich meine Dauerkarte bis November 2011 abtrete, falls der ehemalige Beinahebundestrainer mit dem blauen Anzug tatsächlich seinen Dienst hier antreten sollte (wohl wissend, dass ich vermutlich dennoch ins Stadion ginge). Versuche vergeblich, mir ein ernst zu nehmendes Szenario vorzustellen, in dem es sinnvoll sein könnte, bei zwei Wochen Pause bis kurz vor dem nächsten Spiel zu warten, ehe man die Pferde wechselt. Möchte kotzen. Harre nicht der wohl formulierten Erklärung der Vereinsführung. Sie mag angesichts der jüngsten Aussagen von Herrn Gross, wonach der Verein den Schwerpunkt auf den Stadionumbau (und nicht auf die sportliche Entwicklung) gelegt habe, Formulierungen wie „vereinsschädigend“ oder „nicht bieten lassen“ enthalten, oder aber, um arbeitsrechtliche Schwierigkeiten zu vermeiden, butterweich formuliert sein – es ist mir egal. Frage mich einmal mehr, wie gut die Idee war, fußballfremde, aber in der Leitung von Unternehmen erfahrene Manager in der Vereinsführung zu installieren – wegen ihrer „Professionalität“. Hinterfrage meine Definition von Professionalität… nein, die ist in Ordnung. Bin versucht, der Stuttgarter Zeitung ein Glückwunschschreiben zu schicken.

Ertappe mich dann – man ist ja Fan – trotz allem bei der Überlegung, was Jens Keller wohl kann. Als Jugendtrainer hat er gute Arbeit geleistet, als Assistent kann ich es nicht beurteilen. Falls jemand Jens Keller nicht kennt, hier ein Zitat aus der Wikipedia:

„Jens Keller spielte viele Jahre als solider und verlässlicher Verteidiger im deutschen Profi-Fußball.“

Na also. Solidität und Verlässlichkeit, das brauchen wir. Bräuchte übrigens auch die Vereinsführung – Vertragstreue und so. Immerhin haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass die ganz großen Nachwuchshoffnungen in der deutschen Trainerszene selten die ganz großen Spieler waren. Von der fußballerischen Reputation her dürfte Jens Keller den Herren Rangnick, Klopp und Tuchel etwas näher stehen als Kohler, Brehme und Littbarski. Werde ich polemisch? Das tut mir leid. So ist es halt manchmal, wenn man wütend ist. Übrigens war Brehme schon als Co-Trainer in Stuttgart tätig und Kohler mindestens einmal heißer Trainerkandidat. Honi soit…

Ich gönne Jens Keller diese Chance. Grundsätzlich. Und ziehe eine verlängerte Interimslösung jedem Versuch mit Daum, Balakov oder einem anderen Helden der Vergangenheit vor. Aber ich will mich heute noch nicht damit befassen. Ich will Christian Gross nachtrauern. Seine Verdienste würdigen. Sein „sich nich nicht vereinnahmen lassen“ feiern. Ich will schmollen. Mich aufregen. Die Kompetenz der Vereinsführung anzweifeln. Sie beschimpfen. Den Aufsichtsratsvorsitzenden vom Hof jagen.

Ach, lassen wir das. Love’s Labour’s lost.

Klostrabacher Alpirs… (II)

Die Fußballbloggertreffenstädtereise ging weiter. Von München aus führte mein Weg direkt nach Berlin, wo ich im Auftrag des Berliner Kurier den werten Kollegen @bunkinho unterstützen sollte, den Klassenerhalt des FC Union endgültig zu sichern. Oder so ähnlich.

Von vorne: Nachdem bei meinem ersten Treffen mit dem geschätzten Herrn @saumselig vom Textilvergehen (damals noch ohne schicke Visitenkarte) ein besonderes Highlight den anschließenden beruflichen Termin ein wenig erschwert hatte, meinten es sowohl der eigene Terminplan als auch ILOG diesmal deutlich besser: ich hatte Zeit, und Union ein Heimspiel.

Noch dazu war das Wetter gut, sodass einer Spielvorbereitung zu Wasser nichts im Wege stand – @saumselig hatte für mich einen Platz auf einem der Boote ergattert, die ganz Union, ein paar Bielefelder und eben mich nach Köpenick schipperten. „Ganz Union“ umfasste für mich, neben vielen anderen singenden Menschen, ganz konkret die mitreisenden @rüpel und @hoenower sowie @rudelbildung, @bunkinho und @NuSajaz auf den anderen Booten, während ich mit dem verhinderten @spielbeobachter, mit @keanofcu und der nicht zwingend Union zuzurechnenden @Maria_Berlin immerhin in der gleichen Stadt, später gar im selben Stadion war und per Twitter austauschte.

Genau. Das Stadion. Hatte für mich etwas sehr viel Amateurhaftes. Also was zum Liebhaben, meine ich. Wie bereits angedeutet, hatte mir die Sportredaktion des Berliner Kurier einen Pressezugang ermöglicht, sodass ich mich recht frei im Stadion bewegen und mir alles -unter kundiger Führung von @saumselig- ganz genau ansehen konnte – natürlich das Stadionbauerdenkmal, die Anzeigetafel, den, hm, ungewöhnlichen Spielertunnel, die ebenso ungewöhnliche Mixed Zone, undsoweiterundsoweiter. War schön.

Vielleicht sollte ich zwischendurch erwähnen, dass ich Berichten über „etwas andere“ oder auch Kultvereine durchaus zurückhaltend gegenüber stehe und auch Bezeichnungen wie „Magischer FC“ oder „1. FC Wundervoll“ eher reserviert zur Kenntnis nehme, egal ob man dort im Training Schopenhauer zitiert, eine explizit politische Fanszene hat oder eben sein Stadion selbst baut. Nicht dass ich die jeweiligen Leistungen klein reden wollte, weit entfernt – letztlich müssen sich jedoch auch diese Vereine im sportlichen Wettbewerb beweisen. Mag sein, dass sie auch mit Misserfolg anders umgehen – völlig abnabeln von sportlichen Kriterien können sie sich gleichwohl nicht. Holger Stanislawski hat sich in den letzten Monaten, soweit ich das verfolgen konnte, mehrfach in diese Richtung geäußert, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel haben nach meinem Verständnis deutlich gemacht, dass es nicht reicht, ein Karnevalsverein zu sein, und auch Uwe Neuhaus lässt sich am sportlichen Erfolg messen.

Nach diesem kurzen Exkurs stelle ich gleichwohl fest, dass mir die Stimmung und das Drumherum in der Arena im Stadion an der Alten Försterei verdammt gut gefallen haben. Ganz besonders hat es mir ein Fangesang angetan, der zu den großartigsten zählt, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Sicher, es mag auch ein Verdienst der Union-Anhänger sein, dass „Du bist der beste Mann“ aus der betulichen Ecke von „Good Night Ladies“ oder „Rucki Zucki“ herausgeholt und mit Hilfe von Hartmut Torsten Mattuschka dem schmissigeren Frankie Valli zugeführt wurde; vor allem aber haben sie mich mit ihrer Ode an den Verein im Hardchorus-Stil mächtig beeindruckt:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=NWby6GBPRvY]

Wie das Spiel war? Naja, so wie’s im zugehörigen Texttonvergehen gesagt wird: Ich habe schon bessere Konter gesehen. Union gewann 3:0 und sicherte so endgültig den Klassenerhalt. Mit etwas mehr Struktur in den Kontern hätte man das Spiel sicherlich noch früher noch klarer entscheiden können. Brunnemann war stark, die Mitte mit Peitz und Younga-Mouhani drängte sich als Alternative zu Schweinsteiger – Khedira auf, Menz steigerte sich, Dogans Freistoß gefiel.

Um mich an Mattuschkas Laufstil zu gewöhnen, brauche ich wohl noch ein paar Tage, aber die 7 Spiele bis zum Finale sollten reichen.

____________

Herzlichen Dank an @saumselig, @rudelbildung und @bunkinho – ich freu mich auf ein nächstes Mal, möglichst auch dann ohne chinesisches Essen.

Bestandsaufnahme

Man gibt ja so manchen Blödsinn von sich im Lauf einer langen Bundesligasaison. Als Spieler. Als Trainer. Als Manager oder Präsident. Aber auch als Blogger und Fan. Während die Erstgenannten gerne einmal von ihren Fehleinschätzungen eingeholt werden (von außergewöhnlich hell leuchtenden Ex-Spielern, Trainern, Präsidenten und WM-ins-Land-Holern soll hier nicht die Rede sein), kann sich der unscheinbare Beobachter gemeinhin darauf verlassen, dass ihm sein Geschwätz von gestern nicht um die Ohren fliegt. Wo kein Kläger und so, mangels Relevanz und Reichweite.

Das kann ich nicht akzeptieren. Ich stelle mich. Kurz vor Saisonende, in Erwartung der anstehenden Entscheidungen, lasse ich meine Torheiten Prognosen und Einschätzungen Paroli laufen und versuche zu überprüfen, ob die eine oder andere sich noch als richtig erweisen könnte und wo ich bereits heute einräumen muss, furchtbar daneben gelegen zu haben. Nach dem Ampelprinzip.

Teilweise handelt es sich dabei um die „großen“ Fragen wie „wer wird Meister“, „Wo landet der VfB“ oder ähnliches, teilweise aber auch um Kleinigkeiten. Sicherlich habe ich das eine oder andere übersehen, und an einigen Stellen kann man wohl auch über die Schriftfarbe diskutieren.

Genug der Vorrede. Hier die Übersicht, die ich nach Saisonende, vielleicht auch nach und nach, nochmals aktualisieren werde:

23. Juni 2009:

Klaas-Jan Huntelaar. No way.

14. Juli 2009:

Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird

Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh.

habe den Eindruck, dass es [der Brustring] ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird.

17. Juli 2009, rasenschachmagazin:

Wenn alles positiv verläuft, schätze ich, dass sich der VfB am Ende zwischen den Plätzen 3 und 5 befinden wird.

Für die Beiden [Träsch und Cacau] war es ein nettes Bonbon, aber ich sehe sie nicht zwingend auf Dauer als Nationalspieler.

Meine Geheimtipps sind Timo Gebhart und Georg Niedermeier, denen ich zutraue, einen Riesensprung zu machen.

7. August 2009, ballpodder:

So richtig kann das da vorne [im Sturm] noch nicht funktionieren. Den Abgang von Gomez kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Ich glaube, das Khedira eine absolute Führungsposition übernehmen wird.

Ich glaube nicht, dass Hitzlsperger noch einmal so eine schlechte Hinrunde spielen kann wie im Vorjahr.

bin überzeugt, dass Lehmann noch einmal eine sehr gute Saison spielt.

8. August:

[Hleb], der sich hinter der Mittellinie in halblinker Position anspielen lässt und von dort in Serie zu begeisternden Soli aufbricht, die nicht selten zumindest in Tornähe enden, entweder mit einem eigenen Abschluss oder, häufiger, dem Zuspiel auf einen Mitspieler. Ich glaube nicht, dass er dieser Spieler noch ist.

Timo Gebhart setzte ein paar schön Duftmarken, denen zufolge die gegnerischen Hintermannschaften diese Saison auf den Außenbahnen möglicherweise recht flink sein müssen, um gegen Hleb und Gebhart zu bestehen.

4. Oktober 2009:

Auf der Gegengerade war ein erstes “Babbel raus!”-Plakat zu sehen, und ich habe wenig Zweifel, dass eben diese Diskussion deutlich an Fahrt aufnehmen wird.

6. Oktober 2009:

Der Tag, an dem der erste VfB-Neuzugang in Lederhosen vorgestellt wird, ist auch der Tag, an dem ich meine Dauerkarte zurückgebe.

19. Oktober 2009:

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn [Elson] nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen.

21. Oktober 2009:

in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

17. November 2009, mylaola:

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir eine Rückrunde wie in der Vorsaison derzeit nicht vorstellen.

Also: der VfB landet zwischen 7 und 9, wobei ich insgeheim noch auf Platz 5 oder 6 (dann mit einem „günstigen“ Pokalsieger) hoffe.

Meister wird wieder Wolfsburg.

30. November 2009:

…wenn er [Staudt] […] tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben.

6. Dezember 2009:

Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt …  frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper…

10. Dezember 2009:

Der zurückgekehrte Khedira hat deutlich gemacht, dass es möglicherweise etwas voreilig war, Kuzmanovic zum neuen Platzhirsch auszurufen.

…dürfte es für Cacau und Schieber eng werden mit einem Startelfplatz.

Auf den äußeren Mittelfeldpositionen gehe ich davon aus, dass Hleb und Gebhart erst einmal vor Rudy stehen

Wird Hitzlsperger nach seiner Verletzung mehr als ein Ergänzungsspieler sein? Ich glaube nicht, und frage mich, ob der Verein ihn mit Blick auf die WM ziehen lässt.

Auch bezweifle ich, dass Elson bei Gross eine wichtige Rolle spielen wird.

13. Dezember 2009:

Kamke: Ich will ihn nicht mehr sehen!
Blogger hat den Glauben an Lehmanns Professionalität verloren

14. Januar 2010, allesaussersport:

[1] Grundsätzlich traue ich dem HSV und Werder [bzgl. Uefa-Cup] schon einiges zu […] Werder kommt ins Finale

Tatsächlich traue ich auch den Bayern in der CL einiges zu. Halbfinale, würde ich sagen.

Demel ist gerade auf dem Basar beim Afrika-Cup und wurde gestern bei Milan, heute eben bei Sunderland und morgen vielleicht bei Atlético gehandelt, das kann ich noch nicht so ernst nehmen.

[3] Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.

In der Defensivzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht.

[4] Gerade bei Reus und Brouwers muss man damit rechnen, dass sie ihr Niveau bzw. ihre Effektivität nicht ganz halten können – dann wäre man wohl auf die Torausbeute der südländischen Spieler angewiesen.

Michael Frontzeck hat mich ein Stück weit positiv überrascht; dass es reicht, kann ich indes noch immer nicht glauben.

Ich denke, dass irgendwann eine Phase kommen wird, in der er [Tuchel] nicht mehr ausschließlich gefeiert, sondern auch mal als Besserwisser kritisiert wird, und bin gespannt, wie er damit umgeht.

[5] Andererseits halte ich es durchaus für möglich, dass sich Wolfsburg in der Rückrunde fängt, weil man hinten wieder stabiler wird, Grafite im ersten zweiten Spiel doppelt trifft und plötzlich wieder alles von selbst läuft. Ohne Zutun des Trainers [Veh], von dem man sich anschließend unter Krokodilstränen trennt.

Er [Veh] ist bestimmt kein schlechter Trainer; als Manager  scheint er nur bedingt geeignet, und in Summe ist er meines Erachtens einfach überfordert.

In der vergangenen Saison assozierte man mit Hoffenheim vielerorts Dietmar Hopp, die Traditionsfrage, Disziplinlosigkeiten und das offensive, attraktive Spiel. Ohne letzteres dürften die Sympathien nicht unbedingt zunehmen.

Vor der Saison war ich überzeugt, dass man mit Simunic einen ganz wichtigen Transfer getätigt habe

1. Februar 2010:

Der Trainer hat immer recht

Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht […] viel Vertrauen in Christian Gross setze.

13. Februar 2010, NedsBlog:

inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass er [Gross] sehr genau weiß, was er tut und was er will, und das setzt er dann auch konsequent um.

…geht sowas halt auch einmal nach hinten los. Christian Gross und Horst Heldt werden sich in den nächsten Wochen sehr genau überlegen, ob sie sich bemühen, ihn [Hleb] über den Leihvertrag hinaus zu halten.

[Nachwuchsspieler:] …bin ich überzeugt, dass man vom Großteil der Genannten noch einiges erwarten darf. Über allen steht dabei Khedira, aber gerade in Sebastian Rudy […] setze ich große Hoffnungen, und Gebhart ist natürlich auch ein Riesentalent, von dem ich hoffe, dass es in Christian Gross den richtigen Trainer zur richtigen Zeit bekommen hat.

Heute halte ich 5-16 noch für möglich, 6-11 für realistisch, und 6-8 für gut. 5 für überragend.

19. Februar 2010, Spielfeldrand Magazin:

Als Torschützenkönig sehe ich beide [Marica, Pogrebnyak] auf absehbare Zeit nicht.

Aus deutscher Sicht “unbedingt mit” muss meines Erachtens Sami Khedira, zudem würde ich Serdar Tasci und, wenn er sein Niveau beibehält, Christian Träsch mitnehmen. Weitere Kandidaten sehe ich für Joachim Löw (noch) nicht.

[Barcelona:] ich wäre zufrieden, wenn das Hinspiel nicht verloren ginge und der VfB mindestens ein Tor erzielte.

Ich gehe davon aus, dass der VfB die Partie bestimmen wird, was Ballbesitz und Spielanteile anbelangt. Köln wird defensiv gut stehen, ohne zu mauern, und seine Chance nach vorne auf jeden Fall suchen […]. Mein Tipp: 0-2

21. Februar 2010:

Und nein, ich sehe weder Cacau noch Hilbert in Joachim Löws Kader für Südafrika

24. Februar 2010:

wenn der VfB im Camp Nou nur 3 Tore schießt, müsste Barcelona schon 4 machen. Das schaffen die nie.

1. März 2010:

Der Abstieg ist nur noch eine theoretische Option. Der Uefa-Cup meines Erachtens auch. Würde mich interessieren, wer daran glaubt, dass man an Ostern noch ernsthaft vom internationalen Geschäft redet, nach den Spielen in Bremen, Gelsenkirchen und München.

14. März 2010:

Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass Khedira in der nächsten Saison noch mit von der Partie ist, derzeit von Woche zu Woche sinken dürfte bzw. bereits jetzt ein all-time low erreicht haben könnte.

13. April 2010:

Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.