Liebreizende Gesänge

Beim Spiel des VfB gegen Benfica Lissabon erblickte ein neuer Gesang das Licht der Welt. Er basiert auf traditionellem Liedgut und wird kategorisiert unter „Geschmackssache“:

„Oh Du wunderschöner VfB,
Du sollst niemals zweite Liga se-ein!“

Menschen, die

„Oh Du wunderschöner VfB,
Du sollst niemals zweite Liga se-ein!“

mochten, mögen vielleicht auch:

„Der VfB, der VfB, der VfB ist gar nicht da!
Der VfB ist gar nicht da-ha, der VfB ist heut nicht da.“

„Wir spiel’n zurück, wir spielen quer,
nach vorne spiel’n wir nicht so sehr.“

„Wir rufen Gebhart! Gebhart! Zwe-eite Halbzeit!
Ich kann’s nicht verstehn, den Schipplock zu sehn.“

„Außer Shinji könnt Ihr alle gehn!“

„Nach vorne, nach vorne, nach vorne woll’n wir nicht,
bis d’Nachspielzeit anbricht
und’s Spiel verloren ist.“

„Es ist ne Pein, es ist ein Hohn,
es nennt sich Standardsituation!
Es nennt sich Stan-dardsituatio-on,
es  ist ne Pein, es ist ein Hohn!“

„Der Torwart ist ne arme Sau, arme Sau,
der Torwart ist ne arme Sau, ar-me Sau!“

„Keiner wird es wagen, keiner wird es wagen,
einen guten Pass zu schlagen!
Oh, Mit-telfeld, spielst Du denn heu-te gar nicht mit?
Oh, Mit-telfeld, spielst Du denn gar nicht mit?“

„Es fährt ein Zug nach Osnabrück
und niemand stellt von grün auf rot das Licht.
Macht es Euch wirklich gar nichts aus,
dass das Land nur noch vom Abstieg spricht?
Es fährt ein Zug nach Paderborn,
und wir fühl’n uns mit unserm Gram allein.
Zeigt, dass ihr wollt, gebt endlich Gas,
und es wird manches so wie früher sein!
Oh, Labbadia, Du lässt’s geschehen
doch eine Träne in Deinem Blick
Ein Träne, die hab ich gesehen,
will sie uns sagen: ‚Gross, komm zurück!‘?“

„Oh-ne Abwehr ham wir keine Chance!
Oh-ne Abwehr ham wir keine Chance!“

„Fehlpassattacke! Wir singen Fehlpassattacke!
Fehlpassattaaacke, das ist ne Fehlpassattaacke.“

„Und wir spielen ohne Sturm, Labbadi-a!
Ja, wir spielen ohne Sturm, Labbadi-hi-a!“

„Wir schenken ab, wir schenken ab,
wir schenken ab und nicht zu knapp.
Wir schenken ab und nicht zu kna-app.
Wir schenken ab, wir steigen ab.“

„Unsre Mannschaft kommt aus Stuttgart,
sie sieht gerne zu, wie die andern siegen.
Ob Nürnberg, Köln oder Benfica –
egal wer da kommt, sie wer’n die Punkte kriegen.
Stuttgart weint in Rot und weiß,
der VfB dreht sich nur im Kreis,
kein Abstiegskampf, nur Alibis –
mein Gott, ist das mies.
La la, la la la la la la la,…“
(schläft langsam ein)

Mein Verein ist übrigens Kreisliga.

0 Gedanken zu „Liebreizende Gesänge

  1. Ich habe jetzt alle neuen Texte „durchgesummt“ und muß schon sagen: Abstiegsängste erzeugen ungeahnte textliche Kreativität. Bittere Wahrheiten als Vierzeiler quasi.

    Der VfB spielt wohl bald ziemlich sicher in der 2. Bundesliga, und Bruno Labbadia mag froh sein, wenn er in naher Zukunft wenigstens in dieser einen Jon bekommt.

    Aber jetzt kommt er, der Moment, in welchem ein Anhänger eines noch viel tiefer spielenden Vereines mit einer grandiosen (und doch wahren) Plattitüde aufwarten kann:

    „Liebe kennt keine Liga“.

    Anbei auch dazu ein passender Text (würde ihn gerne gesanglich vortragen, aber das geht zum Glück ja nicht:

    „Uns`re Heimat, uns`re Liiiiiebe
    in den Faaarben rot und weiss,
    SCHEISSEGAL IN WELCHER LIGA*,
    nur damit es jeder weisss…“

    *Im Original ersetze Großbuchstaben
    durch „Neunzehnhundertnullsieben“

  2. @mars:
    Ich bin nicht in der Lage, diesem Text eine mir bekannte Melodie zuzuweisen, kann ihn daher nicht einüben… (und das ist echt ein echter Text?)

    @Uwe:
    Um eine weiter Plattitüde ins Spiel zu bringen: „…so lange es rechnerisch noch möglich ist…“
    Das Neunzehnhundertnullsieben ließe sich, wenn ich das recht sehe, eigentlich ganz gut durch ein etwas rascher vorgetragenes Achtzehnhundertdreiundneunzig ersetzen, dann muss die Sache mit der Liga nicht mit rein 😉

  3. Im nach hinein etwas erschrocken ob meiner voreiligen Meinung zum Ausgang des Abstiegskampfes rudere ich herzlichst zurück: Klar ist rein rechnerisch noch alles möglich! Allein, wie ich den VfB dieser Tage und Wochen mitbekomme, hat mich zu dieser Tendenz veranlasst.

    Es werden spannende Wochen.

  4. hm, heinzi – für dich als im abstiegskampf nicht geübter ist das grauenhaft, das weiß ich. aber die spielzeit darauf gibts dann eine aufstiegsfeier, und das ist bei weitem schöner als ein … sagen wir mal: fünfzehnter platz in liga 1.

  5. @Jekylla:
    Ob ich mich der Illusion hingeben soll, Ihr Text beziehe sich nicht auf Ihr grosses Video, sondern auf meinen Text? Eher nicht.

    @isdt:
    Würde ich Dir auch vorschlagen, zurückzurudern – nicht um sonst schlägt der VfB seine Wettbewerber sogar in 75minütiger Unterzahl… 😉

    @nedfuller:
    Ich hoffe sehr, dass sie sich nicht durchsetzen. Bei Siegen wäre ja eher selten mit ihnen zu rechnen.

    @Sebastian:
    „Aber das kommt natürlich darauf an, wie man diese Spielklasse betritt.“
    Dem habe ich wenig bis gar nichts hinzuzufügen. Ich möchte zum Abschied weder laut noch leise Scheiße sagen 😉

    @Stadtneurotiker:
    Deinetwegen?

    @steffi:
    Da muss ich vehement widersprechen.
    Zum einen gibt es keine Garantie für den Wiederaufstieg. Und auch dann zöge ich jedes Jahr Abstiegskampf in Liga 1 einem Start-Ziel-Sieg in der zweiten Liga vor. Zum anderen erinnert mich diese Argumentation an jene, wonach es für Mannschaft X besser sei, noch nicht aufzusteigen. Das halte ich für Unsinn. Keiner weiß, ob sich das Fenster auch ein oder zwei Jahre später wieder öffnet. Genau so muss man in diesem Jahr alle Energie darauf verwenden, die Klasse zu halten, anstatt darüber nachzudenken, ob ein Abstieg möglicherweise die bessere Lösung sei, weil er reinigenden Charakter haben könne, oder wie auch immer man ihn sich schönredet. Da halte ich ganz wenig von.

      1. Was auch immer ich jetzt schrübe: den Eindruck, es habe sich um klassisches Fishing for Compliments gehandelt, könnte ich nicht verwischen.

      2. Was ich besonders an Ihnen schätze, ist Ihre sensible Art der Reflektion.

        Und was immer ich jetzt schrübe: den Eindruck es habe sich nur um eine Art vorauseilenden Gehorsam gehandelt, könnte ich auch nicht verwischen.

        Wie kommen wir aus dieser unseligen Schleife nur je wieder raus? Ich befürchte, gar nicht.

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