Strategie statt Schnelligkeit

„Wir müssen mehr über die Strategie kommen, dann fällt es nicht so auf, dass uns die Schnelligkeit fehlt.“

So wird Armin Veh in der heutigen Stuttgarter Zeitung zitiert, in einem Artikel, der unter der Überschrift „Mittelmaß im Mittelfeld“ ein Kernproblem des Stuttgarter Spiels sehr treffend analysiert.

Angesichts des obigen Zitats frage ich mich zum einen, ob diese Erkenntnis die Richtschnur für künftige Spiele sein soll, oder ob sie bereits zuvor galt. Wenn sie neu ist, spricht das nicht unbedingt für eine professionelle Analyse der letzten Monate und Jahre. Sollte sie hingegen alt sein, lehnt man sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster mit der Behauptung, dass diese „Strategie“ bis dato nicht sehr wirkungsvoll umgesetzt wurde.

Zum anderen sprechen wir also von einer Art Mangelverwaltung. Eines Mangels, der ganz offensichtlich selbstgemacht ist. Die sportliche Leitung hat ein Mittelfeld zusammengestellt, dessen Stärken – welcher regelmäßige Zuschauer wüsste das nicht? – mit Ausnahme von Roberto Hilbert nicht in der Dynamik liegen. Selbst wenn man aber unterstellt (wozu ich neige), dass die Spieler allesamt andere, wichtige Qualitäten haben, muss man sich doch zumindest fragen, ob nicht spätestens vor der laufenden Saison Fehler bei der Einkaufspolitik bzw. im Scouting gemacht wurden, als man sich über die Schnelligkeit von Lanig und Simak Gedanken gemacht hat haben sollte.

Die alternative Erklärung lautet, dass man sehenden Auges auf die Verpflichtung schneller, dynamischer Spieler verzichtet hat. Dann aber darf man sich nicht darüber beschweren, Schnelligkeit durch Strategie ersetzen zu müssen. Dann war es Programm.

0 Gedanken zu „Strategie statt Schnelligkeit

  1. Sehr richtig. Es ist schon erschreckend, wenn sich die Verantwortlichen beim VfB über ihre eigenen Fehler beschweren. Da kann ich nur (zum wiederholten Male) sagen: Warum verkauft man einen schnellen Beck an Hoffenheim? Warum holt man mehrere Senior-Spieler? Das ist mir alles nicht ganz klar. Wer eine Antwort hat: Bitte melden!

  2. Die Frage zu Beck kann ich leider auch nicht beantworten. Wie Gentner ein schmerzlicher Fehlverkauf.

    Zum Interview: Gerade selbst gelesen und fand es ähnlich bemerkenswert. Denn im Grunde ist der Schluss, den Du ziehst, meinem Fazit nach dem Bielefeldspiel sehr ähnlich.
    Denn entweder man hat es schlicht versäumt die richtigen Schlüsse zu ziehen, oder man hat daraus nicht die richtigen Konsequenzen (sowohl personell als auch strategisch) gezogen – beides wäre kein gutes Argument für das Duo Veh/Heldt.

    Ich bin gespannt auf morgen. Mal schauen, ob es gut ist, dass ich wohl nicht mal die ARD-Zusammenfassung mitbekommen werde…

  3. Ganz ehrlich: ich verdräng grade total. Freitag 17.50 Uhr, und ich hab noch mit niemandem über das morgige Spiel geredet. Gestern musste ich sogar ziemlich lange überlegen, bis mir der Gegner eingefallen ist.
    Aber vielleicht ist das ja besser als die sonst übliche Vorfreude und Erwartungshaltung.

  4. In der Tat, ich hab noch keinen wirklich bösen -und vor allem keinen unsachlichen- Artikel über Veh gelesen. Andernorts wäre man da weniger zimperlich, glaube ich.

    Schade, dass er seine Selbstkritik dadurch relativiert.

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