Wie naiv kann man sein?

Eigentlich wollte ich zur Hoffenheimer Dopingstory nichts schreiben, das tun dogfood, Jens und einige andere bereits ausführlich und kompetent.

Aber diese ganze Naivität, die bei der Bewertung des Vorfalls an den Tag gelegt wird, kann ich doch nicht gänzlich unkommentiert lassen.

Wenn man so will, schreibe ich dabei in erster Linie gar nicht über die Hoffenheimer, sondern über all die anderen Akteure, die sich auf die Seite des betroffenen Vereins schlagen. Haben diese Menschen mal darüber nachgedacht, welchen Schaden sie ihrem Sport zufügen, wenn sie die Öffentlichkeit dazu aufrufen, das Thema klein zu halten? Wenn sie die Gladbacher für ihren unsolidarischen Protest kritisieren, weil dafür ja kein sportlicher Grund gegeben sei, wie es Dietmar Beiersdorfer laut sueddeutsche.de tut: „Beide Spieler wurden negativ getestet, das Ganze hat also mit dem Spiel nichts zu tun.“?

Hat der Herr Beiersdorfer denn gar nichts verstanden?
Nochmal zum Mitschreiben: Es ist mitnichten so, dass die beiden Hoffenheimer Spieler nachweislich nicht gedopt waren. Eben weil die Herren Ibertsberger und Janker nicht ordnungsgemäß zur Dopingprobe gegangen sind und sich so die Möglichkeit zur Manipulation eröffnet haben, konnte dieser Nachweis nicht geführt werden. Und aus diesem Grund müssen die Gladbacher, die potenziell Opfer eines Betrugs geworden sein könnten, natürlich Protest einlegen.

Das mag bitter für die beiden Spieler sein, möglicherweise auch für ihren Verein – in erster Linie ist es aber dumm und unprofessionell. Von wem auch immer, ich kenne die Verantwortlichkeiten in Hoffenheim nicht.

0 Gedanken zu „Wie naiv kann man sein?

  1. @scholaronline:
    ich glaube auch nicht, dass die Beteiligten so naiv sind, Doping auszuschließen.

    Naiv ist aber, dass sie glauben, die Öffentlichkeit (und ja, damit meine ich nicht zuletzt die vielzitierte Blogosphäre, die dem Fußball-Establishment das Leben durchaus schwer machen kann) lasse sich immer noch mit Hinweisen auf den ach so sauberen Fußballsport und mit abstrusen Verharmlosungen eindeutigen Fehlverhaltens abspeisen.

  2. Naja, ich bin dafür, die Sache ruhiger zu betrachten. Da laufen einerseits bei Omympischen Spielen Leichtathelten Fabelzeiten auf Kurzstrecken, obwohl sie 30 m vor dem Ziel fast aufhören zu laufen. Da fahren Fahrradfahrer tausende vom Kilometern in drei Wochen, was definitiv unter normalen physischen Bedingungen unmöglich ist. Keiner sagt was dazu, weil – Rechtsstaat eben – keiner was nachweisen kann. Und dann kommen zwei Hoffenheimer Spieler zehn Minuten zu spät zur Dopingprobe. Erinnert mich fatal an die Geschichte der 1,30 Euro-Kassiererin.

  3. @Gregor Keuschnig:
    Zunächst einmal finde ich ja, dass der Vergleich zwischen der 1,30 Euro-Kassiererin und Fußballprofis einer gewissen Ironie nicht entbehrt… (keine Sorge, ich hab die Argumentation schon verstanden).

    Ansonsten sehe ich die Sache mit den Radfahrern, Leichtathleten und noch eingen anderen Sportlern ganz genauso. Platt gesagt: Was der Medaillenzähler nicht weiß (bzw. was nicht bewiesen ist), macht ihn nicht heiß.

    Ich glaube auch nicht, dass die beiden Hoffenheimer Spieler wegen einer Manipulation zu spät kamen. Sehr irritiert bin ich hingegen, dass zahlreiche Vertreter der Fußballszene ernsthaft glauben, eine Geschichte, in deren Titel der Begriff „Doping“ vorkommt, en passant abhandeln bzw. klein halten zu können.

    Damit kommt man nicht mehr einfach so durch, es ist meines Erachtens weltfremd und unprofessionell. Das ärgert mich, und zudem glaube ich, dass damit -insbesondere durch Ralf Rangnicks anfängliche Behauptungen bzgl. des Ablaufs von Kontrollen- den beiden betroffenen Spielern auch nicht geholfen wurde. Ein rasches „nostra culpa“ wäre die bessere Variante gewesen.

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