Auswahlkriterien

Wir kennen ja alle diese Mär von den Frauen, deren primäres Auswahlkriterium bei der Beurteilung eines Autos, eventuell gar bei einem anstehenden Kauf, die Farbe sei. Vielleicht ist es auch gar keine Mär, und wenn dem so sein sollte, hätten mir die entsprechenden Damen ein Entscheidungskriterium voraus: ich habe nicht nur keine Ahnung von Autos, sondern kenne mich zudem, wie das bei Männern halt so sei, noch nicht einmal mit Farben aus.

Eine weitere vertraute Mär ist die von den Frauen, die Fußballspieler in erster Linie nach optischen Gesichtspunkten bewerten in Kategorien wie „Schnucki“ oder „Hase“ einordnen, die sich Gedanken über die Wirkung des Schnitts und der, genau, Farbe von Trikots machen. Und obschon derlei in erster Linie im Umfeld von Welt- oder Europameisterschaften thematisiert wird, wenn die Qualitätspresse es für eine gute Idee hält, zur Abwechslung auch mal eine Kollegin aus der, was weiß ich, Lifestyle-Redaktion „die WM aus einem ganz anderen Blickwinkel“ als Kolumnistin betrachten zu lassen, will ich doch nicht von der Hand weisen, dass auch fußballaffine, taktik- und regelfeste Zuschauerinnen aus meinem engeren Bekanntenkreis mitunter in einen leichten Schmachtmodus verfallen, wenn Luís Figo in Großaufnahme zu sehen ist oder Djibril Cissé das Trikot auszieht. Ein Phänomen, das beispielsweise damenbeachvolleyballaffinen Männern völlig fremd ist.

Der VfB Stuttgart steht dem Vernehmen nach vor der Entscheidung, Vedad Ibisevic oder Srdjan Lakic zu verpflichten. Man kann bei beiden geteilter Meinung sein, ob sie geeignet sind, den sogenannten Stuttgarter Weg mitzugehen, der ja nicht zuletzt auf der Heranführung eigener Talente oder zumindest auf der Verpflichtung junger, entwicklungsfähiger und nicht allzu teurer Spieler fußt.

Lässt man dies jedoch außen vor und nimmt die bloße Auswahl zwischen den beiden genannten Spielern als gegeben an, so ist festzustellen, dass Ibisevic in der Bundesliga im Schnitt 0,43 Tore pro Spiel erzielt, Lakic nur 0,3 – dabei hat Ibisevic mit 115 Partien bereits mehr als doppelt so viele Spiele bestritten wie Lakic. Ähnlich sieht es bei der Vorlagenquote aus: 0,11 von Ibisevic, während Lakic nur in 2 von 53 Bundesligapartien einen Treffer vorbereitet hat (0,04). Beide hatten in ihrer bisherigen Bundesligakarriere je eine überragende Halbserie, und anders als Lakic, zumindest bisher, konnte Ibisevic seine Leistungen auch in der darauffolgenden Saison mit einer durchaus anständigen Bilanz (12 Bundesligatore und 4 Vorlagen) bestätigen. In der laufenden Runde kam Ibisevic verletzungsbedingt erst ab dem 9. Spieltag zum Einsatz und hat seither in 9 Spiele 5 Tore erzielt. Lakic spielte 10 mal, ohne länger verletzt gewesen zu sein, und traf: nie. Zudem ist der 28-jährige Lakic ein knappes Jahr älter als Ibisevic.

Aber ich finde Lakic in Interviews total sympathisch.

0 Gedanken zu „Auswahlkriterien

  1. Ausserdem hat Lakic sich schon mit dem Trikot des neuen Arbeitgebers ablichten lassen bevor die Saison mit dem alten Klub schon rum war. Solche eiskalten Typen brauchen wir 😉

  2. @Trainer Baade:
    Trainer, ich hab nach Quantfizierungsansätzen für Sym- und Antipathien gesucht, ehrlich, aber die mir zugängliche Literatur gibt da einfach nichts her. Vielleicht wird es ja klarer, wenn ich das „total“ durch „voll“ ersetze?

    @Horscht:
    Aber Marco Kurz sagte doch hinterher, dass den Laki (?) die Reaktionen der Fans total voll mitnehmen, oder täusche ich mich? War also nichts mit eiskalt.

  3. @Trainer Baade:
    Schon wieder so eine Frage, die mich völlig überfordert. Wie soll man denn Geilheit messen, doh?

    @martinkelsch:
    Kostüme und Stulpen? Wunderbar! Allerdings.

    @el Pibe:
    Statistisch gesehen, meinst Du?

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