zweiundzwanzig/
zwanzigdreiundzwanzig

Er wollt gleich zu Beginn ein Zeichen setzen.
Was er auch tat, doch anders als gedacht.
Womöglich haben einzelne gelacht –
sie mochten sich an seinem Pech(?) ergetzen.

Der Mann hat sich, anstatt gen Sieg zu hetzen,
bereits am Anfang zum Gespött gemacht.
Schon mit dem ersten Abdruck war’s vollbracht,
die Regeln unumkehrbar zu verletzen.

Hat dreimal diesen Weltrekord gebrochen;
ging nun, als Favorit, primär für Gold –
wie man es dorten seit Jahrzehnten tat.

Er hat den eignen Zielen nicht entsprochen,
da war das Schicksal einem andern hold –
ein Landsmann stand an jenem Tag parat.

______________

Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler*innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Direktnachricht bei Twitter oder Mastodon zu schicken. 

42 Gedanken zu „zweiundzwanzig/
zwanzigdreiundzwanzig

  1. Guten Morgen, Herr Kamke

    Ich hab den ganzen Dezember schon auf Jürgen Hingsen gewartet.

    Christian Schenks Hochsprung-Weltrekord unter den Zehnkämpfern wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben.

  2. Ich habe einen Namen und gleich drei Dinge sagen mir, dass es nicht stimmen könne.

    Der Abdruck: Erinnert mich eher an Weitsprung als an die von mir angedachte Disziplin.
    Der Landsmann: Jenen welchen Wettkampf gewann ein Landsmann, aber damals noch im geteilten Sinne, ein Sportler aus der DDR.
    Jener Tag: Der Wettkampf, an den ich denke, fand streng genommen an zwei Tagen statt.

    Aber wenn sich ein Name im Hirn festgesetzt hat, will kein anderer mehr hin, da logge ich ein, mit Schweißperlen auf der Stirn: Jürgen Hingsen.

  3. Es klingt nach Jürgen Hingsen, der bei Olympia in der ersten Disziplin des Zehnkampfes, den 100 m, dreimal einen Fehlstart verursachte und deshalb nicht nur nicht gewann, sondern ganz raus war. Das Jahr dürfte 1988 gewesen sein, oder war es 1984?
    Der Andere der profitierte sollte Siggi Wen(t)z gewesen sein. Der zwar nicht gewann, aber eine Medaillie holte.

    Was mich nur kurz stutzig macht, ist die Tatsache, dass es im Rahmen des Rätsels bereits einen Zehnkämpfer gab.

    Egal.

  4. Danke für den Ohrwurm, Herr Kamke. Ich bekomme dieses “Go for gold in South Korea, go for gold in ’88” heute vermutlich nicht mehr aus dem Kopf. Vorausgesetzt, dass meine (Hör)Lesart der Zeile richtig ist, deutet alles auf Jürgen Hingsen hin, dessen fragend-verzweifelten Gesichtsausdruck und resignierende Gestik nach drei Fehlstarts über die 100m im Zehnkampf von Seoul ich noch sehr genau vor Augen habe. Muss ich wohl live gesehen haben. Beim Thema Olympia kurz nochmal zu gestern und damit zum alljährlichen Buchtipp: Die Spiele von 1960 habe ich zwar selbst aus guten Gründen nicht verfolgen können, aber als Kind immer begeistert ein Buch durchstöbert, das wiederum mein Vater als Teenager geschenkt bekommen hatte: “Olympia 1960 – Die Jugend der Welt in Rom und Squaw Valley”, Südwest Verlag, München. Ist vermutlich heute stilistisch wie im Wortsinn etwas angestaubt, hat mein Sportinteresse aber nachhaltig geprägt.

  5. Heute erster Tag frei nach den stressigen Wochen. Und freiem Kopf direkt zum angedacht Rätsel.

    Und was soll ich sagen, ich hatte sofort eine Idee, sogar mit Namen.

    Jürgen Hingsen

    Danke Kamke für diese großartige Leistung, jedes Jahr diesen Aufwand hier zu betreiben.

  6. Ich mache es kurz, so wie er 88 als er bei Olympia in der ersten Disziplin, dem 100m Lauf direkt 3 Fehlstarts hingelegt hatte und damit disqualifiziert wurde.
    Natürlich geht es um die 10 Kampflegende Jürgen Hingsen. Dreifacher Weltrekordler, doch bei Olympia unvollendet.
    Unvergessen sein Desaster in Seoul. Aber Christian Schenk sprang ein und gewann Gold.
    Danke Kamke!

  7. Den spontanen Hingsen-Reflex aufgrund fehlenden „Landsmann“s unterdrückend logge ich Lightning Bolt ein, der in Daegu quasi zum Blake wurde.

  8. Von Anfang an zum Gespött? Und war trotzdem 3x Weltrekordhalter? Und warum denk ich bei “ergetzen” an Götzis, dem Vorarlberger Mekka aller ZEHNKÄMPFER? Da ich im Allgäu aufgewachsen bin und mein Vater ein Die-Hard-Zehnkampffan war, war ich in den 80er und 90er Jahren regelmässig dort – und da war auch JÜRGEN HINGSEN mit am Start; der dann 1988 in Seoul bei den Olympischen so spektakulär durch drei Fehlstarts gleich zu Beginn ausschied.

  9. Hallo Herr Kamke,

    Ich habe seit dem ersten Tag auf Jürgen Hingsen gewartet! Er durfte hier einfach nicht fehlen und ich denke, dass ging hier vielen so!! Herrn Kamke sei Dank war es dann kurz vor Schluss auch soweit. Nun kann ich beruhigt und mittlerweile ungekrönt die letzten Besorgungen für Weihnachten machen und muss mir keine Gedanken um die heutige Lösung machen. Vielen Dank.

    Herzliche Grüsse

  10. Klare Sache: Jürgen Hingsen, nach drei Fehlstarts bei Olympia 88 in Seoul direkt beim 100-m-Lauf raus, ist hier einzuloggen. Es gewann Christian Schenk. Hab ich sogar alles noch im Kopf.
    Heute war‘s wie versprochen einfacher. Danke, Kamke!

  11. Es läuft. Bei mir. Weniger bei ihm. Beziehungsweise: Er lief halt nicht. Wollte, aber konnte nicht. Weil zu früh. Dreimal.

    Jürgen Hingsen.

    Entscheidend heute war der Hinweis, dass er “für Gold ging”. Da weiß jeder, der sich ein wenig für Musik interessiert, sofort Bescheid. Leichte Zweifel hatte ich beim Landsmann: Darf man den so nennen? Kurze Rücksprache mit dem Schachprofi (nachdem wir unabhängig voneinander die richtige Lösung hatten, versteht sich!): Ja, darf man. Wir sind alles Deutsche!

    Danke Dir auch heute. Fürs Rätsel und dass ich nicht so lange grübeln musste. Letzter Tag vorm Fest, da pressiert’s auf der Arbeit.

  12. Das klingt doch sehr nach Usain Bolt. Auf seinen Fehlstart über 100m bei einer WM bin ich gerade im Rahmen von Irrungen und Wirrungen der Kalenderrecherche wieder aufmerksam geworden.

  13. Heute geht es um Usain Bolt im WM-Finale 2011 (Südkorea?).
    Nach einem Fehlstart wurde er disqualifiziert, einer seiner schnellen Landsmänner (???) gewann. Anschließend wurde mehr über Usain Bolt gesprochen und geschrieben wie über den Gewinner.
    Ob Usain Bolt 3 Weltrekorde hatte? Könnte sein, sonst läge ich daneben 😁

  14. Usain Bolts Frühstart beim 100m-Sprint-Finale in Daegu! Gewonnen hat dann stattdessen (?) Yohan Blake. Das gibt alles noch der Kopf her, aber fürs Jahr musste ich Google anwerfen: 2011. Nachdem Sie mich gestern hier noch charmant nicht nur jung, sondern ganz, ganz jung nannten, fühle ich mich heute bei der Feststellung, dass dieses Ereignis schon ein Dutzend Jahre her sein soll, instantan mindestens mittelalt. (Dazu sei verraten: Das erste Sportgroßereignis, an das ich mich lebhaft erinnere, war 1996 in Atlanta.) Verzeihung ich schweife ab. Bolt also. Die Regel war meiner Erinnerung nach nicht allzu lange Zeit vorher verschärft worden, sodass das Entsetzen über die Disqualifikation ungleich größer war. Seiner Karriere hat es aber keinen Abbruch getan.

  15. Ich war ein paar Tage in der Versenkung verschwunden, heute bin ich wieder am Start und werfe Jürgen Hingsen in die Runde.

  16. Da buche ich heute schon mal etwas früher ein, es sollte sich um Jürgen Hingsen handeln. Olympia 1988 in Seoul, unvergessen sein Beginn bei den 100 m mit 3 Fehlstarts. Ich sehe die Szene noch vor mir, wie er den halb so großen Startrichter nach Hochhalten der roten Flagge fast eingestampft hätte. Habe Hingsen 1988 auf einem Trainingslager kennen gelernt und mit ihm einige Runden Billard gespielt. Eigentlich ein netter Kerl und einmal einen Sieg über Daley Thompson hätte ich ihm schon gewünscht.

  17. heute muss ich mal wieder etwas hetzen. wie die Geher. von denen habe ich keine Ahnung und das einschlägige Nachschlagwerk zeigt, dass die Spanier nicht so stark sind, wie ich gedacht hatte, aber vor allem auch keiner als Lösung in Frage kommt. man kann da scheinbar auch nicht mit dem ersten Schritt ausgeschlossen werden.
    Weltrekorde, Abdruck, Disqualifikation – Leichtathletik scheint dennoch eine Möglichkeit. “der Mann”? ist das ein Hinweis auf Caitlyn Jenner vielleicht? ne, als Bruce gewann der ja. ich bleibe aber beim Zehnkampf. an Jürgen Hingsen musste ich diesen Monat schon mal denken und seine legendären drei Fehlstarts von Seoul, aber dann tauchte hier Abele auf. zwei Zehnkämpfer gleich in einem Kalender? aber doch, es scheint zu passen – mit dem Hinweis auf Götzis, dem Olympiasieg von Christian Schenk.
    also: Jürgen Hingsen

  18. Drei Fehlstarts bei der ersten Disziplin –
    da käm wohl keiner drauf, sowas zu jinxen.
    Als “Depp von Seoul” bezeichnete man ihn:
    den Zehnkampffavoriten Jürgen Hingsen.

  19. “Abdruck? Hetzen? Jemand springt, wirft, was? Ich meine, er wird doch nicht… Er meint nicht Mr Fehlstart, right, RIGHT? Der hat allerdings dreimal den Weltrekord verbessert. Oh no he didn’t. Das muss er ja fast sein. Und da erwähnt er dann Dancing with the stars nicht?”
    -“was was was?”
    “Also, falls ich Recht habe: welcher deutsche Sportler fällt dir ein, der sich bei Sommerspielen geradezu historisch blamiert hat?”
    -“ach hier, der dings.”
    “Ding ding ding! Vorher Dreimal den Punkte-Weltrekord verbessert. Dieser Run wird morgen so brutal enden, ich sehe es schon kommen”

    gesucht ist jürgen dingsen, äh, hingsen.

  20. Da simmer wieder dabei!
    Jürgen Hingsen, 1988 bei Olympia als Favorit angereist, wurde mit drei Fehlstarts gleich bei der ersten Disziplin (100m) disqualifiziert. Danach hat er selbst den Wettkampf aufgegeben. Ist eben doch nicht immer „dabei sein ist alles“. Außer hier beim Kamke-Rätsel 😎. Sonst hätten wir schon mehrfach aufgegeben.
    Auf geht’s in die Crunch Time – morgen wird es wieder einfach!

  21. Alle schreiben, wie einfach es heute ist und alles was mir einfällt, ist das es sich um Weitsprung handeln könnte. Zumindest ist es das was ich mit “Abdruck” (nämlich dem im Sand der Grube) verbinde. Aber da hat doch niemand der eingigermaßen bekannt ist 3x den Weltrekord gebrochen? Gleiches gilt für Dreisprung.

    Vielleicht eine der anderen Leichtathletik-Disziplinen, wie Diskus, Hammer- oder Speerwerfen, wo eben jene einen Abdruck im Rasen hinterlassen?

    Ich habe keine Ahnung.

  22. Erster Gedanke: Jürgen Hingsen und seine drei Fehlstarts in Seoul ’88. Dann aber kamen mir Zweifel. Schließlich ist Kamke für Spitzfindig-, nicht aber für Ungenauigkeiten bekannt.
    “ein Landsmann stand an jenem Tag parat” – das ist für meine Ohren gleich doppelt schwierig. Christian Schenk, der Olympiasieger, war damals als DDR-Sportler noch kein Landsmann von Hingsen. Zudem geht ein Zehnkampf ja über zwei Tage und er stand dann wohl erst einen Tag später parat. Nunja.
    “dreimal diesen Weltrekord gebrochen” spricht dann wieder für Hingsen. Ob er aber damals wirklich Favorit auf Gold war? Schwierig so etwas wie Erwartungshaltung und Stimmung retrospektiv zu rekonstruieren, aber war es nicht so, dass sein absolutes Leistungshoch damals schon drei, vier Jahre zurücklag?
    Das Fragezeichen nach Pech könnte darauf abzielen (falls Hingsen gemeint ist), dass man auch von Unvermögen sprechen könnte. Oder auf die Verschwörungstheorie (https://twitter.com/Kaffeerappel/status/1425556233495404554), nach der Hingsen gedopt war und einer entlarvenden Doping-Kontrolle durch ein absichtliches Ausscheiden entgehen wollte. Naja.
    TLDR: Da mir nix besseres mehr einfallen wird, logge ich mit etwas Bauchschmerzen Jürgen Hingsen bei Olympia 1988 ein.

  23. Und überhaupt, was soll das mit dem “Abdruck”? Wenn man das Rausschnellen aus dem Startblock als Abdruck bezeichnet, dann waren die Regeln doch erst nach dem dritten Abdruck unumkehrbar verletzt? Neenee, Kamke wollte uns in Richtung Hingsen schubsen und die richtige Lösung ist was ganz anderes. Aber eingeloggt ist eingeloggt.

  24. Könnte wohl Usain Bolt sein, der sich auch auf Gold und hold reimt.
    Bei „nicht eigene Ziele“ und „Abdruck“ fällt mir aber auch Crossfire im Schießen bzw. Biathlon ein, also das Treffen der Ziele der benachbarten Schießbahn.

  25. Leider heute wieder keinen Zugriff gehabt. Sportarten mit Weltrekord gibt es doch eigentlich gar nicht so viele, und man hetzt ja auch gen Sieg. Aber dazu passen die anderen Tipps dann doch irgendwie nicht. Bei “Ziele” und “Abdruck” würde ich ans Schießen denken, aber im Biathlon gibt es m.W. keinen Weltrekord. Wo drückt man (sich?) noch ab? Beim Schwimmen? Da könnte man natürlich über einen Fehlstart nachdenken, ggf. auch eine Disqualifikation nach technischem Fehler? Überhaupt ist es gar nicht so leicht, die Regeln unumkehrbar zu verletzen, finde ich. Die falsche Bahn beim Eisschnellauf? Der falsche Stil im Langlauf? Summa summarum: Ich komme nicht drauf.

  26. Die 22/22 hat es für mich in sich.
    Klar ist, dass es sich um einen Mann handelt, der eine Einzelsportart betreibt. Und damit verlassen sie mich, was gesicherte Erkenntnisse betrifft.
    Also Spekulatius an:
    Irgendwie bin ich bei der Leichtathletik. Da gibt es zwei Möglichkeiten, sich Hohn und Spott zu erringen. Entweder Fehlstart oder Übertreten. Ich dachte kurz an Jürgen Hingsen und sein Zehnkampf-Fiasko 1988 in Seoul. Abdruck spricht aber eher für Übertreten, also Weit- oder Dreisprung.
    Hat sich also ein Favorit mit einem sogenannten Salto Nullo aus dem Wettbewerb gekegelt? Mir nicht wirklich erinnerlich.
    Ulasin Bolt bei einer Wm ginge auch. Drei Fehlversuche bei einer WM, raus, und ein Landsmann hat gewonnen. Aber der hat vorher zu viel gewonnen, und das konnte ihm letztlich egal sein.
    Hiermit kapituliere ich erst einmal. Vielleicht kriege ich die Erleuchtung noch.

  27. Bisher habe ich nur staunend die vielfältigen Lösungs-Erläuterungen gelesen und die Dichtkunst genossen, heute glaube ich einen Hauch einer Ahnung zu haben: „hetzen“ -> Sprint, 3x Weltrekord -> Usain Bolt
    Allen schöne Feiertage und danke für diesen besonderen Kalender!

  28. “Wer ist Jürgen Hingsen?”

    So hieße das wohl bei – Obacht! – Jeopardy, und so heißt es nach der Auflösung vermutlich auch beim einen oder der anderen Mitratenden mit einem Geburtsjahrgang nach 1980. Und das sind dann ja doch gar nicht so wenige. Andere, häufig vor 1980 Geborene, hatten indes vom ersten Tag an auf ihn gewartet, wenn ich die Kommentare recht lese.

    Dann schauen wir mal, was es mit dem Mann auf sich hat. Vorab: Zehnkämpfer. Mehrfach bei großen internationalen Meisterschaften am Briten Daley Thompson zerschellt nicht vorbei gekommen und “nur” Silber errungen. Mit diesem Duell ließen sich Bücher füllen. (Ist bestimmt auch schon geschehen.)

    Er wollt gleich zu Beginn ein Zeichen setzen.
    Was er auch tat, doch anders als gedacht.
    Womöglich haben einzelne gelacht –
    sie mochten sich an seinem Pech(?) ergetzen.

    Hingsen ging bei Olympia 1988 “gleich zu Beginn” gewissermaßen all in. In einem Interview sagte er Jahre später: “Beim Hochsprung wusste ich genau, da werde ich nur zwei Sprünge durchhalten. Von daher musste ich beim 100-Meter-Lauf, der ersten Disziplin, schon alles auf eine Karte setzen.” Volles Risiko beim Start, leider schiefgegangen. Dreimal zu früh aus dem Startblock gekommen, disqualifiziert. Das Gelächter war groß, Schlagzeilen wie “Depp der Nation” gang und gäbe. Pech, Dummheit, wer will das schon beurteilen. Und ja, es gab auch die Spekulationen über ein absichtliches Ausscheiden. “Ergetzen” steht tatsächlich im Duden, ist veraltet, gleiche Bedeutung wie ergötzen. Einige erkennen einen Götzis-Hinweis.

    Der Mann hat sich, anstatt gen Sieg zu hetzen,
    bereits am Anfang zum Gespött gemacht.
    Schon mit dem ersten Abdruck war’s vollbracht,
    die Regeln unumkehrbar zu verletzen.

    Jetzt nochmal konkret zum Thema Fehlstart. Klar, gen Sieg hetzen, Sprint. Gespött, auch klar. “Abdruck” findet man natürlich beim Weitsprung oder beim Beachvolleyball, aber auch in Fachliteratur zum Tiefstart im Sprint. Nach dem ersten Abdruck wars durch, disqualifiziert, da gibt’s kein Zurück. Und natürlich legt @stadioncheck hier den Finger in eine Wunde: Es waren doch drei Fehlstarts! Mein Bemühen, es mit der ersten Disziplin zu begründen, ist schon ziemlich wacklig.

    Hat dreimal diesen Weltrekord gebrochen;
    ging nun, als Favorit, primär für Gold –
    wie man es dorten seit Jahrzehnten tat.

    Dreimal hatte er zuvor Weltrekorde aufgestellt, “diesen” ist ein bisschen überflüssig, weil es ja stets um Zehnkampfweltrekorde ging. Über den Favoriten kann man natürlich nachdenken, sagen wir: Mitfavorit. Und um einen Weltrekord ging es in unserem Fall natürlich nicht, sondern schlicht um Gold. Dass er für Gold ging, ist kein nicht nur schlechtes Deutsch; vielmehr eine arg wörtliche Übersetzung von “Go for Gold”, einem der Songs zu Olympia 1988. Dem man, so ehrlich muss ich wohl sein, heute zwar seit Jahrzehnten Folge leistet, der aber streng genommen zum Zeitpunkt des Zehnkampfs erst wenige Wochen oder Monate alt war, von The Winners. Hm.

    Er hat den eignen Zielen nicht entsprochen,
    da war das Schicksal einem andern hold –
    ein Landsmann stand an jenem Tag parat.

    Ist den eigenen Zielen nicht gerecht geworden, Gedanken an Biathlon kann ich gut nachvollziehen. Ein anderer gewann, und zwar ein Landsmann. Christian Schenk. Im Straddle hochgesprungen, einige Jahre später als Gretel Bergmann, die wir hier schon hatten. Zwei Schwierigkeiten: War Christian Schenk wirklich ein Landsmann? Trat ja unter anderer Flagge an. Zudem: “an jenem Tag” klingt nicht so recht nach Zehnkampf. Da haben wir ja deren zwei.

    Hm. Drei Starts, nicht einer. “Go for Gold” war keine Jahrzehnte alt. DDR-Landsmann? Zehnkampf an einem Tag?

    Wollen wir vielleicht über Usain Bolt reden? In Daegu, Südkorea, 2011? Jahrzehnte nach Seoul? Disqualifiziert nach seinem ersten, verfrühten Abdruck? Ausgelacht wurde er auch, zumal nach seiner Show vor dem Start. Drei 100m-Weltrekorde, dazu ein paar andere. “Diesen” passt dann vielleicht ganz gut. Und statt seiner gewann Landsmann Yohan Blake.

    Respekt an alle, die sofort oder nach kurzem Umweg (@chrisprech zum Beispiel) bei Herrn Bolt landeten.

    Herr @stadioncheck hat im Grunde alle kritischen Punkte angesprochen, hatte vermutlich den Bolt-Fehlstart nicht auf dem Schirm, @Münchner Löwe sprach beide Kandidaten an, war aber mit keinem so ganz glücklich – klar, bei Bolt fällt dieses Aus 2011 nicht sonderlich ins Gewicht, aber Raus war er schon. Und verärgert.

    Für eine ganze Reihe der Mitspielenden passte Hingsen auf den ersten und vielleicht auch den zweiten Blick einfach so gut, dass man nicht mehr ganz genau hinzusehen brauchte, zumal wenn man ohnehin auf ihn gewartet hatte. Denn seien wir ehrlich: Die meisten dieser Leute hätten gewusst, dass Hingsen natürlich nicht nach dem ersten Fehlstart raus war, und natürlich wissen sie, dass sich der Zehnkampf über zwei Tage erstreckt, und … ach, ich sollte aufhören. Womöglich bin ich gerade ein bisschen, sagen wir, euphorisch, weil aus einem schon intendierten kleinen Um- ein veritabler Irrweg wurde, und da redet man sich dann gern mal um Kopf und Kragen. Selbstgefälligkeit, ick hör Dir trapsen.

    Da ich heute zudem verdammt lange im Auto saß und arg müde bin, verbleibe ich mit den besten Wünschen, einem einmal mehr herzlichen Dank für all die schönen, zum Teil tastenden, mitunter selbstbewussten, immer unterhaltsamen, häufig informativen, gar lehrreichen Kommentare, und, ja, einem ganz zufriedenen Lächeln.

    Morgen wird’s bestimmt einfach.

    Ebenfalls morgen schaue ich mir gegebenenfalls die entrüsteten Kommentare an und überlasse es selbstverständlich jedem und jeder einzelnen, gegenüber ihrem Gewissen zu dem Schluss zu kommen, dass es zwei richtige Lösungen gab. Hihi.

    1. Vielleicht noch zu “gleich zu Beginn”: Bolts 100m-Lauf fand am ersten Wettkampftag in Daegu statt, das passt schon.

      1. Äh, nein? Nicht dieser Lauf, wie der Münchner Löwe unten schon erklärt hat. Bei dieser Exaktheit, die Sie hier an den Tag (oder in die Nacht?) legen, kann ich diese Ungenauigkeit – an dieser Stelle, quasi noch in der Auflösung – nicht nachvollziehen. Hier ist es draussen grade ein bisschen steif. Das muss dieser Sturm der Empörung sein. Ich bleibe trotzdem lieber locker und lache über Rätsel und Lösung.

  29. Ich bin weder vor, noch nach 1980 geboren – folgerichtig konnte ich also gar nicht auf die beiden richtigen Lösungen kommen! \o/

    Morgen bestimmt, da wird es sicherlich ganz leicht.

    Danke Heinz und Gute Nacht!

  30. Wenn wir schon beckmessern, dann will ich auch mal, das Feuer ist ja wohlwollend freigegeben.. Bolts Fehlstart war im 100-m-Finale, er hat also vorher den Vorlauf und das Halbfinale erfolgreich bestritten.

    Das ganz zu Beginn
    haut also nicht ganz hin.

    Und ganz bestimmt hat das 100-m-Finale nicht am ersten Tag der WM stattgefunden, sondern am zweiten …
    Ansonsten hefte ich mir jetzt einfach den Länderpunkt an und behalte ihn …

    1. Stimmt. Aber mit dem zweiten Tag als Teil des Beginns kann ich gut umgehen, und zum Joggen in den Vorläufen hat er sich ja eh nicht abgedrückt.

  31. @Rio Lago, re Schnürhaken: Das behaupten viele und aus irgendeinem Grund gibt es die ja auch immer noch zu kaufen. Aber ich hab die Dinger mehrfach ausprobiert und kann das überhaupt nicht bestätigen.

    Das einzige, was hilft ist, sich ordentlich Zeit nehmen und sauberes arbeiten.

    1. Ich habe sie selbst nie genutzt, bleibt dennoch die Hakenschnürung die der gute Kamke auch nicht auf der Rechnung hatte

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