Ich verstehe Sie nicht, Herr Jansen.

Dass Sie mit dem Kommentar von Herrn Gottlob zu Ihrer Leistung beim Spiel in Belgien nicht zufrieden waren, ist Ihr gutes Recht. Ob man sich als Spieler über so etwas aufregen sollte, kann man sicher kontrovers diskutieren. Ob man eine etwaige Verärgerung dann auch noch öffentlich kundtut, ist noch einmal eine andere Frage. Sie haben sich dafür entschieden, weil Sie der Meinung sind, Herrn Gottlobs Einschätzung Ihrer Leistung sei „fern ab der Realität“ gewesen. Und weil Sie schon einmal dabei waren, haben Sie die Ausbildung der Fußballkommentatoren in Frage gestellt. Haben den Kommentatoren unterstellt, sie seien sich selbst vermarktende „Popstars“, die meinten, sie hätten „das Spiel erfunden“,  und ließen es im Gegensatz zu ausländischen Kommentatoren an Respekt (gegenüber den Spielern, vermute ich?) mangeln. Das ist starker Tobak. Aber, auch das, Ihr gutes Recht.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir Ihre Leistung in Belgien nicht mehr sehr präsent ist. Über Ihre Auswechslung war ich nicht böse, aber das hatte zugegebenermaßen nicht zuletzt damit zu tun, dass ich Sie ungern als Verteidiger spielen sehe. Anderen geht es möglicherweise ähnlich, wenn ich einen Auszug aus dem Spielbericht bei fussballdaten.de richtig interpretiere:

„Für den in der Rückwärtsbewegung nicht immer präsenten Jansen setzte Löw Westermann auf den linken Verteidigerposten und stabilisierte diese Seite etwas besser.“

Diese Einschätzung mag natürlich Herrn Gottlobs von Ihnen kritisiertem TV-Kommentar geschuldet sein, an den ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnere. Aber um Ihre auf dem Platz erbrachte Leistung soll es hier ja gar nicht gehen. Dass sowohl fussballdaten.de als auch der Kicker nur die Herren Özil und Podolski schwächer als Sie benotet haben: geschenkt. Wie die von Ihrem Vater bescheinigte „ordentliche erste Halbzeit“ einzuordnen ist, vermag ich ohnehin nicht zu beurteilen.

Ihre Kritik an den Fußballkommentatoren teile ich häufig. Sie übersehen taktische Feinheiten, konzentrieren sich zu sehr auf Nebensächlichkeiten, sehen sich mitunter als Teil des Ereignisses statt als Berichterstatter und in Einzelfällen vielleicht auch als Popstars. Gerd Gottlob würde ich letzteres eher nicht unterstellen, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Als Zuschauer würde man sich wünschen, dass die Kommentatoren das Spiel ernster nehmen. Dass sie taktische Veränderungen analysieren, Optionen aufzeigen, Fehlentwicklungen erkennen. Nicht umsonst erfahren Angebote wie zonalmarking, Martin Blumenaus Taktikbesprechungen oder die Animationen der Taktiktafel regen Zuspruch, waren Jürgen Klopps Videoanalysen ein Meilenstein in der Fußballberichterstattung: ein -nach meiner Einschätzung- nicht geringer Teil der Fußballinteressierten möchte mehr über das Spiel erfahren, möchte es besser verstehen und die Überlegungen der Eingeweihten nachvollziehen können. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich darüber hinaus auch noch, dass die Trainer und Spieler nicht nur mit Samthandschuhen angefasst, sondern -natürlich respektvoll- auf ihre Fehler angesprochen werden, ohne dass der Fragende vorab eine mehrminütige Entschuldigungsschleife (gerne genommen: „Ich muss das jetzt fragen“) dreht. Aber ich schweife ab. Der Zuschauer will ernst genommen werden. Er verdient Kommentatoren, die ihm das liefern, was auch Sie in Ihrem Text ansprechen:

Wichtige Informationen wie z.B. wie lässt der Trainer spielen, welche Aufgaben hat der einzelne Spieler, wie ist die taktische Ausrichtung usw.  […]“

Jetzt mal im Ernst, Herr Jansen: wenn wir uns all das, was da oben steht, mal gemeinsam ansehen und -nur für einen Moment- so tun, als läge ich mit den bisherigen Ausführungen nicht komplett falsch, dann frage ich Sie, wie Sie dazu kommen, den Namen Werner Hansch als Positivbeispiel ins Spiel zu bringen? Gleich zweimal. Einen Mann, der eine Abseitsstellung mitunter auch in der zweiten Zeitlupe nicht erkennt, von dem ich noch nie eine taktische Analyse gehört habe, die über „das Geschehen verlagert sich nun stärker in die Schalker Hälfte“ hinausgeht?  Ja, er „vermittelt mit seiner Art ein Spiel zu kommentieren, dem Zuschauer positiv Emotionen und Spaß“, und bestimmt haben Sie auch recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass wir den Torjubel eines südeuropäischen Kommentators „lustig“ finden.

Lustig. Ganz genau. Ich finde so etwas lustig. Manchmal. Emotionen beim Fußball sind auch ganz schön, wie ich zugeben muss, wenn ich heute alte Kommentare von Ernst Huberty oder Rolf Kramer höre. Aber, lieber Herr Jansen, das reicht nicht. Ein unterhaltsamer Kommentator ist, wie soll ich sagen, nett. Und wessen kleine Schwester „nett“ ist, wissen wir sicher beide.

Ganz ehrlich: wir nehmen das Spiel ernst. Wir wollen am Mikro keinen Clown, der uns bespaßt. Wir wollen Interesse am Spiel. Kompetenz. Das, was Sie Herrn Gottlob absprechen. Aber ich frage mich so langsam, was Sie wirklich wollen. Wer Werner Hansch sagt, meint nicht Kompetenz. Meint nicht Taktik. Meint nicht Analyse.

Irgendwie kommt mir der Verdacht, dass Sie vielleicht doch -entgegen anderslautender Äußerungen- „beleidigt oder etwas derartiges“ sein könnten, weil Herr Gottlob Ihre Leistung kritisiert hat. Würde Ihnen mit Herrn Hansch vielleicht nicht passieren.

Update (10.09., 18:00):
Marcell Jansen hat sich noch einmal zum Thema geäußert.

0 Gedanken zu „Ich verstehe Sie nicht, Herr Jansen.

  1. Naja. Die Reporter halten bei jeder Gelegenheit den Spielern ein Mikrophon unter die Nase. Ich muß Ausschnitte von Pressekonferenzen ertragen, in denen Spieler im O-Ton zu hören sind. Das ist vermutlich die Rache der Journalisten, dies im Stück anhören zu müssen. Zu müssen? Wer will das eigentlich? Wer glaubt denn, dass diese Form der verbalen Ejakulationen überhaupt jemand interessiert? Vor dem Spiel gegen Aserbaidschan wurde die Causa (!) Podolski zum Schicksalsspiel für den Kölner hochstilisiert. Das Entscheidungsspiel! Er hatte tatsächlich ein Spiel nicht so gut gespielt. Ein Spiel. Nicht so gut. Wie so viele in dem Spiel. (Wer sprach über Özil? Nee, das darf man ja nicht seit Sarrazin, oder?) Nach Neuers Gegentor wird sofort die Frage nach der Nummer Eins wieder gestellt. Am Wunderbarsten noch die Antwort von Löw, ob er Michael Ballack gesehen habe: Er habe nicht zur Tribüne hochgeschaut.

    Leute, das erinnert an Loriots Jodeldiplom. Und zwar nicht erst seit gestern. Und da nimmt dann ein Spieler dieses ganze Spielchen mal Ernst und glaubt an die Kraft des Wortes des Fußballkommentators. Das ist doch rührend. Jansen ist beleidigt, weil er glaubt, dass das Geschwafel eines Gottlob oder – noch schlimmer! – Bartels oder Rethy Relevanz für irgendjemanden hat. Das treibt einem fast die Rührung in die Augen. Wobei: „Man“ bin ich.

  2. @hirngabel:
    Ich kenne mich mit diesem neumodischen Zeug nicht so aus, nehme es aber als Kompliment. Danke.

    @Gregor Keuschnig:
    „Naja“ ist ja kein allzu ermutigender Kommentarbeginn 😉

    Wir sind und zweifellos einig, dass ein Großteil der Spielerinterviews in dieser Form sinnlos ist (durchaus in doppelter Bedeutung). Da sie aber Bestandteil der Show sind, wäre es schön, wenn man sie journalistisch anginge.

    Die Causa Podolski hat mich ebenfalls irritiert, bei Neuer wunderte ich mich, dass selbst der geschätzte Mehmet Scholl dem Thema „Torhüterdiskussion“ nicht entgegentrat.

    Bei Jansen frage ich mich einfach – vielleicht hätte ich das auch schreiben sollen -, wieso seine zweifellos vorhandenen Berater diesen Text zugelassen, vielleicht gar forciert haben. Profil schärfen? Sich als mündiger Profi zeigen? Tatsächlich mal den bösen Journalisten die Stirn bieten (was beispielsweise Joachim Löw ja gerne mal Herrn Eitel überlässt)? Oder ist es doch nur die beleidigte Reaktion eines jungen Mannes, der nicht gut gespielt und sich dabei auch noch verletzt hat?

    „Man“ bin ich natürlich auch.

    1. „Naja“ heisst: „Warum eigentlich nicht?“ –

      Warum soll ein Spieler seine Kommentare mit Beratern abgleichen? Um den gleichen sterilen Dreck zu produzieren wie Politiker, die wortreich nichts sagen wollen, weil sie nichts mehr zu sagen haben? Welche „Show“ ist das eigentlich: Einen gescheiterten Trainer aus der Dritten Liga als Nationalspielerexperte heranzuziehen, damit dieser à la „Bild“ „Fragen“ definieren kann? Mit Delling geht das ja noch einigermaßen, aber Scholl mit Beckmann – das ist doch einfach nur noch lächerliches Schmierentheater. Bei zwei Fehlpässe und/oder einem Danebengreifen wird gleich die „Frage“ der Nominierung gestellt? Warum wird Scholl nicht zu Sachen befragt, von denen er etwas versteht? Stattdessen betätigt er sich schon jetzt als Hilfsschöffe der Fußballinquisition.

      1. Ich sagte nicht, dass der Spieler seine Kommentare abgleichen soll, sondern gehe lediglich (ohne konkrete Anhaltspunkte dafür zu haben) davon aus, dass er es getan hat. Unter dieser Annahme finde ich es interessant, dass der Text veröffentlicht wurde.

        Bei Scholl gehe ich nicht davon aus, dass er wegen seiner kurzen Vergangenheit als Trainer, sondern wegen seiner ungleich erfolgreicheren Zeit als Spieler und natürlich seiner Beliebtheit bei einem im Vergleich jüngeren Publikum engagiert wurde. Die Kritiken, die ich bisher gelesen habe, widersprechen der ARD nicht.

        Wenn ich mich recht entsinne, hat er bzgl. Neuers Fehler sinngemäß gesagt, dass die Diskussion nun wieder aufflamme. Er selbst halte ihn weiterhin für einen sehr guten Torhüter. Die Erinnerung mag mich zwar trügen, aber inquisitorisch fand ich das nicht. Und wovon soll er denn etwas verstehen, wenn nicht zu Fußballfragen? Oder anders: soll er sich nur zu Dribblings und überraschenden Pässen äußern, weil er die besonders gut konnte?

        Abschließend glaube ich nicht, dass wir inhaltlich weit auseinander liegen; mich überrascht lediglich Ihre Vehemenz.

  3. Jansens Aufhänger seiner Kritik war ja wohl die Aussage Gottlobs, er sei wegen angeblich unglaublich „schlechter Leistung“ ausgewechselt worden. Tatsächlich musste er wegen einer Knieverletzung nach einem Zusammenprall mit einem belgischen Spieler ausgewechselt werden. Und diesen Zusammenprall hätte Herr Gottlob eigentlich mitbekommen haben und – wenn er schon meint, dem Zuschauer Spekulationen über die Gründe für Jansens Hinausnahme liefern zu müssen – einbeziehen müssen. Wenn er mal nicht so unglaublich überzeugt von seinen eigenen Eindrücken wäre, dass er die Realität, das was unten auf dem Platz tatsächlich passiert, da mitunter auch mal hintenanstellt. Und seine ganz persönliche Meinnung dann auch noch als Fakt verbrähmt.

    Ziemlich albern ist dann wohl auch die Nennung gerade von „fussballdaten.de“ als „seriöse Quelle“ und quasi „Kronzeugen posthum“ für Gottlobs Unsinn. Die Macher dieser privaten Seite kommen aus Bremen, Jansen spielt beim HSV. Zumindest dem aufgeschlossenen Fussballfan muss da nicht mehr gesagt werden.

    Da verstehe ich Jansens Einwurf weitaus besser, als diesen Versuch einer Replik, die am Kern der Sache doch deutlich vorbeigeht.

    Und die Vielzahl der positiven Kommentare stellen ihn auch nicht gerade ins Abseits. Vielmehr hat er mit seinem „Einwurf“ gleich einen Volltreffer gelandet.

    1. Naja, den Rückschluss von der Herkunft der Macher von fussballdaten.de auf eine demnach verfälschte Beurteilung der Leistung Jansens zu ziehen ist aber auch durchaus weit hergeholt – zumal ja die Beurteilung durch den kicker (der seine Heimat in Nürnberg hat) durchaus in dieselbe Kerbe schlägt.

      Ebenso die Zahl der vielen positiven Rückmeldungen als Beweis für die Richtigkeit eines Textes anzuführen halte ich auch eher für gewagt. (Fresst Scheisse, Millionen fliegen können nicht irren)

      Klar ist natürlich, dass Gottlob sicherlich die Verletzung hätte mitbekommen müssen als aufmerksamer Kommentator.

  4. @Urgestein:
    Selbstverständlich hätte Gerd Gottlob das wissen müssen. Und Marcell Jansen hat jedes Recht, sich über Gottlobs falsche Begründung für die Auswechslung zu ärgern. Ich kann mich auch nicht erinnern, das in Abrede gestellt zu haben.

    Ungeachtet des Umstands, dass ich fussballdaten.de tatsächlich für eine vergleichsweise seriöse Quelle halte, haben Sie sicherlich gesehen, dass die Bewertung von Marcell Jansens Leistung in diesem Spiel für meine Betrachtung von untergeordneter Bedeutung ist.

    Mich beschäftigt nicht einmal so sehr die Frage, wie Marcell Jansen mit öffentlicher Kritik umgeht, die im Kern berechtigt oder unberechtigt sein mag, die aber auf jeden Fall zu falschen Schlussfolgerungen des Kommentators geführt hat. Das muss er selbst entscheiden, mit oder ohne Berater.

    Vielmehr irritiert mich, dass ein junger Fußballspieler, von dem ich glaube, dass er sich ernsthaft mit seinem Beruf auseinandersetzt, sich einen Kommentator wünscht, der (und das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung) eben dazu nur bedingt in der Lage ist: sich ernsthaft mit seinem Sport auseinanderzusetzen.

    Das mag an dem vorbeigehen, was in Ihren Augen der Kern der Sache ist. Für mich liegt er eben hier.

    1. Nicht in Abrede gestellt? Sie haben es aus meiner Sicht schlicht ignoriert.

      Am Beispiel „Werner Hansch“ wollte Jansen lediglich erläutern, worauf es bei einer Fussballreportage AUS SEINER SICHT in erster Linie ankommt – nämlich den „Spass“ am Spiel zu vermitteln. Sicher hat das der eine oder andere Reporter im Lauf seiner Karriere „zu weit“ in den Vordergrund gestellt – auch da mag Hansch als Beispiel dienen, wenngleich er sicherlich kein Monopol auf „nichterkannte Abseitsstellungen“ und andere Interpretationsfehler für sich in Anspruch nehmen kann und dies auch andere ihm daher nicht anhängen sollten.

      Und sicher ist kaum etwas unangenehmer als eine permanente „Jubelarie“ wider jegliche Realität zu Gunsten eines Teams – ein Phänomen, das besonders häufig zu verfolgen ist, wenn eine deutsche Mannschaft in einem internationalen Vergleich steht. Da werden dann gerne mal die Fouls der einen Seite bagatellisiert, die der anderen Seite schnell reihenweise zu roten Karten hochstilisiert.

      Man muss den gesteigerten Wert auf Emotionalität in der Reportage nicht teilen, aber wer den „sachlich-kühlen“ Stil bevorzugt, dem sollten solche Schnitzer nicht passieren, wie es Herrn Gottlob passiert ist. Und der sollte solche Schnitzer auch nicht mit einem „kann mich da jetzt nicht dran erinnern“ nonchalant vom Tisch zu fegen versuchen. Denn dann bleibt wirklich nicht viel übrig von der eigenen Wortmeldung zu diesem Thema.

      Jansen ging es um eine AUS SEINER SICHT völlig überzogene, ungerechtfertigte Kritik Gottlobs an seinem Auftritt, welche in dem mit „dem Brustton der Überzeugung“ vermittelten These, seine Auswechselung sei der grottenschlechten Leistung geschuldet gipfelte. Mit solchen unqualifizierten Äußerungen, die nicht im Mindesten die Intention des Trainers widergeben noch die sportliche Situation auch nur rudimentär angemessen beschreiben, kann unter Umständen auch der Karriere des betroffenen Sportlers immens geschadet werden, so sieht es zumindest Jansen.

      Und wie es scheint nicht ganz zu Unrecht, wie es scheint schreiben ja alle ab, was ihnen „diktiert“ wird. Das ist genauso, als würde ich bei Wikipedia eine grobe Falschinformation einstellen, die dann von den Medien übernommen wird (wer recherchiert denn heute noch „Fakten“, die Wikipedia verbreitet?), und wenn dann die Behauptungen bei Wikipedia kritisch geprüft werden sollen, dienen eben jene Medienberichte, die zuvor Wikipedia als Quelle benutzten (ohne dies anzugeben, versteht sich) der Beweisführung für die scheinbare Richtigkeit der Unwahrheiten. Dies habe ich so schon selbst erlebt. Und es ist ein moderner Kampf gegen Windmühlen.

      Jansen sah den Moment gekommen, sich gegen die mediale Vorverurteilung bar jeglicher Realität zu wehren und das ist sein gutes Recht. Die Ansicht, er wolle mit seiner Wortmeldung in Wahrheit ja eigentlich nur Hansch und Co. pushen und die Fussballreportage in die Hände derer geben, die es ihrer Ansicht nach eben nicht – oder zumindest weit weniger – können, als ein Gottlob, diese Ansicht haben sie sicher sehr exklusiv.

      Über die Intention von fussballdaten.de und die Nähe der dort Schreibenden zu diversen Vereinen, respektive Ablehnung diverser anderer Vereine brauche ich nicht zu streiten. Wer dort regelmäßig und aufmerksam liest, dem wird eine gewisse Gewichtung in der Berichterstattung nicht verborgen geblieben sein. Wäre die Seite ein Dortmunder Projekt und Jansen ein Schalker Spieler, wäre das Problem vielleicht auch für Sie etwas ersichtlicher. Aber vielleicht entgeht Ihnen auch das.

  5. @heinzkamke – Stichwort: Vehemenz

    Natürlich ist Scholl beliebt bei den Jüngeren und Netzers pseudo-ironische Geplänkel hatten sich verbraucht.

    Mich hatte dieses Gerede von Podolski und seinem scheinbaren „Schicksalsspiel“ vollkommen überrascht. Zumal ich ihn nicht als schlechtesten Spieler gesehen hatte (nicht schlechter als Özil). Wenn man mit ähnlichem Maßstab an Ballacks Spiele herangegangen wäre, würde sich die Kapitäns- bzw. Spielfrage kaum mehr stellen. Scholl setzt dem journalistischen Hype (noch?) viel zu wenig entgegen. Stattdessen tut er scheinbar so, als flamme die Torwartfrage jetzt wieder neu auf – ein „Aufflammen“, was er dann mitverursacht hat.

    Jansens Kritik an Gottlob halte ich nicht für falsch. Vielleicht hat er falsche Vorstellungen, wozu ein „Kommentator“ dienen soll. Gottlob ist m. E. noch einer der Besseren. Bartels ist unerträglich. So lobte er beispielsweise am laufenden Band den Torwart von Aserbaidschan, der einige Wochen vorher im Spiel Berg-Karabach gegen Dortmund bei drei von vier Toren wie ein Stümper ausgesehen hatte und dessen Schwächen offenbar waren (bspw. bei Weitschüssen). Ich wette, Bartels wußte das nicht. Was einiges über die Vorbereitungen der Kommentatoren aussagt, die ja übrigens auch ihre Zuträger haben, die ihnen die Daten und Zeitlupen entsprechend kommentierend „aufbereiten.“ Ich empfand – das gebe ich zu – Werner Hansch als furchtbar – aus den Gründen, die sie angegeben haben. Aber im Vergleich zu Bartels war er eine Wonne. Denn auch im Nichtsehen hatte er noch mehr Eleganz als der redundante Bartels, der die Rhetorik eines Postbeamten im Ruhestand hat oder der oftmals frech-parteiliche Gottlob (Neuseeland-Italien bei der WM).

    Vielleicht will Jansen aber auch nur das „Gute-Junge-Image“, welches er noch aus Mönchengladbacher Zeiten hat, loswerden.

  6. Werner Hansch als Beispiel für einen fähigen Kommentatoren zu bezeichnen bedeutet nichts anderes, als dass Jansen keinen fähigen Kommentator wünscht, sondern einen, der ein bisschen Poesie über das Spiel stülpt. Das kann man ja auch durchaus mögen und auch wollen.

    Sich im selben Atemzug Beitrag dann aber über einen sachlichen Fehler bei Gottlob zu beschweren, führt die Sache ad absurdum. Hansch hätte ein solcher kaum unterlaufen können, weil er sich meist fernhielt von derartigen Einschätzungen. Wiederum legitim, bedeutete aber auch null Mehrwert für den Zuseher, wie heinzkamke ja auch sagt.

    Erstens machen Kommentatoren, egal wie gut ihre Ausbildung sei, Fehler, weil sie Menschen sind. Und das allgemeine Bashing von Kommentatoren bei einer Verwechslung von Spielern oder falsch ausgesprochenen Namen oder auch falsch interpretierten vermeintlichen Abseits- oder Foulsituationen kommt einem Kesseltreiben gleich, das fernab einer berechtigten Kritik ist, denn es kommt schließlich auf die Anzahl der Fehler an, nicht auf ihre bloße Existenz. Einen, der 90 Minuten lang redet und sich nie irrt, werden wir nicht finden. Insofern ist es allzu billig, hunderte positiver Kommentare auf seiner Facebook-Seite mit welcher Art von Kommentatoren-Bashing auch immer zu erreichen, auch wenn ich nicht glaube, dass dies Jansens Ziel war.

    Zweitens und entscheidend ist doch aber, dass er reagiert wie eine beleidigte Leberwurst, nur weil er einmal aus seiner Sicht fälschlich kritisiert wurde. Dazu sind dann Spielerwebseiten wohl da, sich zu rechtfertigen. Jemand, der über den Äußerungen von aus seiner Sicht Amateuren stünde, würde gar nix dazu sagen, nichtsdestotrotz ist es legitim, klarzustellen, was Jansen selbst von seiner Leistung hielt etc. Ich kann es nicht beweisen, ginge aber schwer davon aus, dass er keinen solchen Beitrag schriebe, wenn er zu Unrecht gelobt würde.

    Dennoch: „Si tacuisses“, denn was er dann im Weiteren folgert oder fordert, entbehrt keinem Widerspruch, bzw. die Offenlegung seiner tatsächlichen, verqueren Gedanken zum Thema, was ein Kommentator leisten können sollte, ist ein klares Eigentor.

  7. @Gregor Keuschnig:
    [Mist, meine Antwort in Sachen Podolski habe ich grade versehentlich gelöscht. Kurz: einverstanden.]

    Bartels hielt ich bei den öffentlich-rechtlichen Sendern bisher stets für einen der besten Kommentatoren. Am Dienstag, da sind wir einer Meinung, war er schlecht. Genau wie Bartels war ich von der ersten Parade des Torhüters angetan (das Dortmunder Spiel hatte ich, nebenbei bemerkt, auch nicht gesehen), von der zweiten vielleicht auch noch. Danach verfiel Bartels in eine leider allzu weit verbreitete Unsitte: er hielt an seinem ersten Eindruck fest und versuchte, diesen durch weitere vermeintlich passende Szenen zu untermauern, was bald sehr unangemessen wirkte.

    @hirngabel:
    Danke.

    @Urgestein:
    Wir werden uns sicher nicht einig werden, was die Intention meines Textes anbelangt. Wenn mich Marcell Jansens Präferenzen hinsichtlich der Art der Fußballberichterstattung verwundern, lesen Sie gleich heraus, er wolle meines Erachtens irgendwelche Kommentatoren pushen. Das steht meiner bescheidenen Meinung nach nicht in seiner Macht. Wenn ich mich nicht auf einen Aspekt des Textes beziehe, der aus Ihrer Sicht im Mittelpunkt stehen soll, bin ich ignorant oder fege Dinge vom Tisch.

    Es mag sein, dass ich Marcells Jansens Einwurf nicht gerecht werde, weil ich mich nicht umfassend damit auseinandersetze. Ja, ich nehme mir heraus, mich mit einem Aspekt zu befassen, der mich besonders interessiert. Gerade bei einem Spieler, den ich als sehr professionell wahrnehme. Und obwohl ich weiß, dass Gerd Gottlob Marcell Jansen in einem möglicherweise kritischen Punkt unrecht getan hat.

    Hätte Jansens Text nach dem Hinweis auf die nicht erkannte Verletzung geendet, hätte ich nicht darauf reagiert. Hätte mich vielleicht ein wenig gewundert, dass er sich zunächst auf das Glatteis begibt, sich ob der Einschätzung seiner Leistung zu echauffieren, und erst danach die unstrittige Fehlleistung des Kommentators bezüglich der Auswechslung kritisiert, mehr aber auch nicht. Vielleicht wäre mir der Einwurf sogar gänzlich entgangen.

  8. Ich habe das Spiel nicht gesehen, kann mich also weder zu Spieler- noch Moderator- oder Kommentatorleistungen aeussern.

    Den Blogeintrag von Marcell Jansen allerdings hatte ich gestern auch gelesen und waehrend ich es als sein gutes Recht sehe, sich und seine Leistung in diesem Artikel zu verteidigen, erschliesst sich mir nicht ganz die Notwendigkeit dieser Aktion.

    Vielleicht ist das jetzt zu subjektiv, aber die Gedaechtnis-Halbwertzeit eines Radio- oder Fernsehkommentars, der waehrend einer Fussballuebertragung geaeussert wird, ist bei mir persoenlich sehr gering. (Dies gilt ausruecklich fuer den Kommentar, nicht fuer die Moderation und Analyse nach dem Spiel). Ich wuerde aber so weit gehen, zu behaupten, dies ist bei den meisten „neutralen“ Zuschauern so. Wobei das Adjektiv „neutral“ sich hier auf Marcell Jansen bezieht, so dass dies (also das mit der geringen Halbwertzeit) fuer ihn persoenlich, sein Umfeld und vielleicht sogar fuer Fans des HSV nicht zutreffen mag.

    Aus diesem Grund kann ich also die Notwendigkeit des Artikels nicht nachvollziehen, da er etwas aufkocht, was der breiten Masse vielleicht nicht einmal im Gedaechtnis haengen geblieben sein duerfte, dazu in einem Medium, dessen Reichweite und Meinungsbildung er nicht wirklich kontrollieren kann.

    Dass er sich mit einigen gereizten Kommentaren dazu noch angreifbar macht, in dem er Sportjournalist pauschal einen Hang zur Selbstdarstellung nachsagt, und ihnen im gleichen Atemzug die Kompetenz und Ausbildung abspricht ihren Beruf auszueben, mag ihm im Sinne von „take some of your own medicine“ eine gewisse Befriedigung verschaffen, ist in meinen Augen allerdings fragwuerdig.

    Hinsichtlich MJ’s Vorstellungen vom idealen Sportjournalisten/Fussballkommentator hat das Beispiel Werner Hansch bei mir auch gleich allergische Reaktionen ausgeloest, wobei ich Hansch als Radiokommentator eigentlich mochte, denn dort passt meiner Meinung nach eine bildhafte, emotionale Kommentierung viel besser hin als ins Fernsehen.

    Mindestens genauso geschuettelt habe ich mich als sich MJ implizit spanische oder italienische Emotionen bei unseren Kommentatoren herbeigewuenscht hat. Nun habe ich dank meiner Wahlheimat Spanien oft genug die Gelegenheit, den hiesigen Fussballkommentatoren zuzuhoeren, und gerade bei Laenderspielen oder Europapokalspielen muss man sagen, dass deren Emotionen sich meist auf eine sehr homo-erotische Form von Heldenverehrung beschraenkt. Wenn ich nur daran denke wie die TV-Kommentatoren bei jeder David Villa Chance waehrend der WM angefangen haben „Villa! Villa! Villa Maravilla!“ zu SCHREIEN, wird mir heute noch schlecht.

    Aber vielleicht ist es ja das, was Marcell Jansen will, das uns von den ueber-emotionalen Kommentatorenleistung schlecht wird, so dass uns so manches Rumgekurke auf dem Rasen erspart bleibt.

  9. Ob Jansen schon mal darüber nachgedacht hat, dass sein im Vergleich zu den meisten Tätigkeiten (inkl. Bundesbankvorstand) doch ziemlich hohes Gehalt auch einfach zum Teil „Schmerzens“geld ist, um genau solche Dinge (nervige Fans, nervige Journalisten, nerviges „immer-erkannt-werden“ etc.) auszuhalten?

    Solche vermeintlich „kritischen“ Anmerkungen sind ja schön und gut – wenn sie denn vom richtigen kommen und den richtigen treffen.
    Jansen ist aber vor allem eins: belleidigt. Und das zahlt er nun heim: „Jetzt wisst ihr aber mal, wie das ist, wenn vor vielen Menschen ein Kommentar gemacht wird.“

    Huhh, jetzt hab ichs ihnen aber gezeigt, Mama!

    Das alles ist sein gutes Recht und doch ziemlich erbärmlich. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es kein Einzelfall und/oder im Affekt war. In einem langen Interview mit der SZ hat er z. B. , als er noch bei Bayern war, ziemlich wegen der Kicker-Noten rumgeheult ( http://www.sueddeutsche.de/sport/marcell-jansen-der-hat-ja-nichts-gemacht-note-vier-1.328855 ), angeblich weil „Deutschland“ keine Ahnung von seinem Job hat.

    Wahrscheinlich haben die Bayern ihn auch deswegen verkauft, Hoeneß & Co sind so fies, die gehen einfach nicht nach Leistung, sondern nur nach den Kicker-Noten….

    Ja, Fernseh-Kommentatoren können einen nerven, aber wir reden hier über Geschmackssachen. Die einen finden Marcel Reif super, die anderen finden ihn arrogant und unerträglich. Die einen lieben Bela Rethy, die anderen hasssen sein Fakten-Kärtchen-Gehuber. So what.
    Wenn Jansen mit all dem ernsthaft ein Problem hat, wäre ihm zu raten, einen Job (oder Sport) zu betreiben, der nicht live im Fernsehen übertragen oder in Zeitungen kommentiert wird. Nur verdient er dann halt auch 95% weniger.

  10. heinzi? ich hab grad ungefähr fünfzehnmal hintereinander „genau!“ gesagt. ich druck dis jetzt aus, nehms mit in die fußballkneipe, in die ich gleich muss, und zwinge alle leute (mit charme oder kloppe androhen), es zu lesen.

  11. @Dierk:
    Würde ich so unterschreiben (zumindest den ernst gemeinten Teil) – wobei natürlich auch am Radio gerne taktische Dinge vermittelt werden dürfen.

    Spanische Kommentatoren habe ich zuletzt bei der WM 1998 in nennenswerter Frequenz gehört. Damals hatte ich den Eindruck, dass sie zwar rein stimmlich sehr engagiert waren, inhaltlich aber deutlich näher an Ernst Huberty als an der damaligen ran-Generation (d.h. sie nannten den Namen des jeweiligen Ballführenden und sagten gelegentlich „Einwurf“ oder „Foul“).

    @Thor:
    Wie Du sagst: es ist sein gutes Recht. Es ist ungewöhnlich, und irgendwo habe ich gelesen, er nutze jetzt eben die Möglichkeiten des neuen Internet in seinem Sinne, so wie dies vorher Ashton Kutcher oder Demi Moore getan haben. Kann man so sehen. Ich neige indes auch zu der Ansicht, dass er über so etwas stehen sollte (u.a. mit der von Dierk genannten Begründung, dass der Kommentar längst vergessen ist).

    Sein Interview zu den Kicker-Noten fand ich damals inhaltlich durchaus nachvollziehbar – es wäre mir jedoch lieber gewesen, wenn diese im Kern nicht falsche Kritik (unabhängig davon, wie man zu solchen Noten steht) von anderer Stelle oder zumindest nicht so selbstbezogen geäußert worden wäre.

    @Steffi:
    Und ich bin mir sicher, dass beide Methoden funktionieren 😉 (und danke könnte ich vielleicht auch mal sagen..)

    1. @heinzkamke
      sorry, wenn sich meine Ernsthaftigkeit am Schluss ein bisschen in Polemik gewandelt hat, kommt nicht wieder vor.

      Was die spanischen Kommentatoren betrifft, so ist es ja eigentlich fast immer ein Tandem, dass die Spiele kommentiert. Bei Ligaspielen fuehle ich mich auch immer recht gut informiert, aber mein Beduerfnis nach detaillierten Taktik- und Systemerklaerungen ist vor allem in Spanisch nicht sehr ausgepraegt. Was mich bei den hiesigen Kommentatoren dann aber wirklich auf die Palme bringt, ist die extrem einseitige, undifferenziert positive und pathosbehaftet kitschige Glorifizierung aller spanischen Europapokal- und Nationalmannschaftsauftritte, gepaart mit Unwissenheit ueber den Gegner und entsprechend despektierlichen Aussagen ueber jene welche. Wie bereits beschrieben, besonders bei der Weltmeisterschaft war es fuer mich ein Ding der Unmoeglichkeit eine Partie der Spanier 90 Minuten durchzuhalten.

      Da lieb‘ ich mir manchmal die Sachlichkeit im deutschen Fernsehen, und lasse praktische alle (von Steffen Simon und Wodi Poschmann abgesehen) Kommentatoren kritikfrei ueber mich ergehen.

      Genug abgeschweift vom Thema Marcell Jansen und seinem journalistischen Einwurf, und damit zurueck zum Funkhaus.

      1. Selbstverständlich darfst Du polemisch sein. Auch gerne wieder.

        Wenn Du möchtest, kannst Du sogar einseitig, pathosbehaftet, kitschig und glorifizierend kommentieren 🙂

  12. @Thor: An das SZ-Interview musste ich gerade auch denken und wollte es eigentlich verlinken, bevor ich gesehen habe, dass es schon passiert ist. Marcell Jansen zerbricht sich über solche Dinge anscheinend ausgiebig den Kopf. Was ja einerseits schön ist, weil man so davon ausgehen kann, dass er nicht nur blind die Linie rauf und runter läuft. Andererseits scheint es ihn allzu oft allzu sehr mitzunehmen.

    @heinzkamke: Und was Deinen Post angeht – könnte ein Gedankenprotokoll von mir sein.;) Vollste Zustimmung.

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