Krisenmanagement, extern

Die eine oder der andere hat mitbekommen, dass ich vor ein paar Tagen einen Text veröffentlicht habe, der sich mit einem Thema befasste, dem sich Philipp in seinem Blog „Niveau ist keine Creme“ bereits tags zuvor in ähnlicher Weise gewidmet hatte. Das ist grundsätzlich nicht weiter der Rede wert und ganz gewiss nicht schlimm; vielmehr wäre es sehr ungewöhnlich, wenn derlei Überschneidungen nicht recht häufig vorkämen, sei es zufällig oder gewollt, weiterentwickelnd oder gelegentlich auch mal plagiierend.

Was mich allerdings stutzig machte, war die Einsicht, dass es nicht unerwartet kam. Unter normalen Umständen, so glaube ich zumindest, hätte ich Philipps einen Tag alten Beitrag bereits gelesen gehabt und hätte mir meinen Beitrag entweder verkniffen oder, wenn ich tatsächlich einen anderen Schwerpunkt hätte setzen wollen, auf Basis von Philipps Daten eine Kettenstatistik (© @nolookpass) erstellt. Zumindest aber hätte ich sicherlich nicht die gesamten Daten selbst erhoben. Dass besagte normale Umstände derzeit nur bedingt gegeben sind, deutete ich kürzlich per Twitter an:

Tweet_Web2_Ueberforderung_20090923

Irgendwie verlangt das andere Leben gerade sehr viel Aufmerksamkeit. Keine Klage (ganz im Gegenteil, eigentlich), nur eine Feststellung. Und das führt dann dazu, dass der Feedreader wieder einmal weit über 1000 ungelesene Elemente zählt, dass ich es noch immer nicht geschafft habe, mir die jüngsten Podcasts aus dem Sportblogger-Umfeld ausführlich anzuhören, anzuhören (und das, obwohl der geschätzte Kollege hirngabel vom Brustring die Situation des VfB analysierte) und anzuhören und -sehen, dass ich noch nicht auf die jüngste Ausgabe des Europäischen Fußballradars hingewiesen und viele andere Texte noch nicht einmal angelesen habe. Gar nicht zu reden von Printprodukten, wie den mittlerweile drei 11Freunde-Ausgaben (inklusive Sonderheft), die noch nicht einmal als überflogen gelten können.

Wie gesagt: nur eine Feststellung. Aber ein wenig auch der Anlass, die eigenen Prioritäten zu hinterfragen. Und dann kristallisiert sich immer deutlicher ein Gedanke heraus:

Vielleicht einfach mal ein, zwei Gänge zurückschalten im Social Web. Feedreader ausdünnen, Twitter ausmisten, insgesamt einfach weniger Informationen sammeln, öfter mal offline sein, sich nicht selbst unter Druck setzen, endlich mal wieder was zu bloggen, und so weiter und so weiter.

Und gerade, wenn man den Gedanken sacken lässt, ihm immer mehr gute Seiten abgewinnen kann und sich zu seiner vernünftigen Haltung beglückwünschen will, erhält man eine E-mail von einem unbekannten jungen Mann, der sich als treuer Blogleser zu erkennen gibt und eben dieses Blog in den höchsten Tönen lobt. Darüber hinaus hat sich der besagte Leser von jenem „Déjà vu“-Artikel animieren lassen, die oben angesprochene Kettenstatistik noch ein wenig weiter zu spinnen und hat weiter gehende Überlegungen inklusive Grafischer Aufbereitung erstellt.

Ich freue mich, denke, dass das irgendwie ganz gut zur Funktionsweise des eben noch beklagten Zeitkillers Social Web passt und komme zu dem Schluss, unbedingt darüber bloggen zu müssen wollen. Und dass es ein Jammer wäre, Feeds und Twitter auszumisten.

0 Gedanken zu „Krisenmanagement, extern

  1. hmmm … weisste, was auch hilft? erstens, wohin fahren, wo kein internet ist (ich kenn da so stellen im wald); zweitens, ein mitmensch, der immer schon alles gelesen hat und beim frühstück oder auf dem weg zur arbeit das wichtigste in mündlicher rede wiedergibt.

  2. Es ist wie so oft im Leben: Die Balance muß stimmen. Von daher sind sowohl Steffis als auch hirngabels (ernstgemeinte?) Vorschläge durchführenswert. Weniger ist mehr. Manchmal leichter gesagt als getan.Feedreader nutze ich nicht (mehr). Ich fühlte mich erschlagen und hatte fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht alle Neuigkeiten überflogen hatte. Von Lesen und Verstehen kann hier schon gar nicht mehr die Rede sein. Nein, ich besuche die Seiten, die ich mag. Vielleicht nicht täglich, aber regelmäßig. So bekomme ich den ganzen Eindruck, die Mühe und das Engagement, die dahintersteckt. Werde für den Moment des Lesens gewissermaßen ein Stück Umfeld des Autors und das macht Spaß und gibt mir ein besseres Gefühl.Bei Twitter bekomme ich viele nützliche Informationen auf schnellem Wege. Aber auch hier ist weniger manchmal mehr und Tweets in Sekundentakt verschwinden schlicht in der Menge. Und vielleicht hilft mir manchmal auch mein mangelndes technisches Verständnis, denn für einen Podcast kann ich mich zum Beispiel nicht begeistern, wohl aber minutenlang in einem schönen Foto versinken. Tja, diese Gedanken Deinerseits dürften jedem bekannt sein, der viel Zeit mit dem Internet verbringt. Andererseits: Ich sitze auf dem Sofa, im Hintergrund läuft Marillion, in meinem Kopf eine Idee und ich schreibe sie auf. Was nicht läuft, ist das Fernsehen. Somit doch eigentlich nur ein guter Tausch, oder?

  3. Also mein Vorschlag war durchaus ernstgemeint. =) Und deckt sich ja auch mit Deinen Ansichten. Wobei ich mir nie einen Feedreader angelegt hatte, ganz einfach weil es mir nicht notwendig erschien.
    Und auch ich schaue lieber auf den Blogs selbst vorbei – auch wenn man dadurch vielleicht mal was verpasst, weil man die jeweiligen Blogs nicht besucht.

  4. @hirngabel, @Uwe:

    Auch ich lese bei den mir wichtigen Blogs bewusst direkt dort, d.h. lese nicht im Reader, sondern nutze diesen nur als Hinweis- und Linkgeber.

    Hätte ich diesen Hinweisgeber nicht, wäre ich vermutlich täglich dutzendfach auf Euren und anderen Seiten, um nach neuen Einträgen zu forschen, was definitiv kein Effizienzgewinn wäre…

    Aber ich müsste, und da bin ich wieder bei Uwes treffender Beschreibung, bei den Feeds einfach selektiver vorgehen, um das Verbleibende intensiver lesen zu können. Man fügt halt immer mehr hinzu, ohne in vergleichbarer Frequenz zu löschen.

    @steffi:
    aber im Wald, da sind doch die Rä-äuber…
    Dein Mitmenschenszenario gefällt mir besser. Habe allerdings den Verdacht, dass ich derzeit in diesem Spiel eher der Sender als der Empfänger bin.

  5. @heinzkamke öhm … ich könnte dir meine persönliche sendestation für telefonkonferenzen zur verfügung stellen. das wäre win-win für uns alle. die herausforderung für dich bestünde eher darin, auch mal zu wort zu kommen 🙂

    im ernst, seit es internet gibt, übe ich die hohe kunst, mich der information zu verschließen. ich hatte nie zuvor soviel halbwissen, social dings, und genau wie Du beschreibst, dabei das gefühl, leute zu vernachlässigen, wenn ich nicht alles nachlese, nachhöre und „abarbeite“. meine mitmenschen haben sich aber inzwischen dran gewöhnt, dass ich nicht immer alles sofort und manches überhaupt nicht erledige; dass ich nicht jederzeit erreichbar bin, obwohl ich ein mobiltelefon habe; dass ich geburtstage vergesse; dass ich mich nicht all der technik unterwerfe, die um mich drum herum ist. dafür kriegt man von mir handgeschriebene briefe und postkarten, buntstiftbilder und polaroidfotos. einfach, weil ich es kann.

  6. Mich zieht ja die Verführbarkeit des mobilen Internets und täglich zwei Stunden Bahnfahren in den Bann. Wenn ich nicht gerade einem Empfänger Sachen aus dem Internet erzähle.
    Es gibt ja soviel!
    Andererseits freue ich mich über gute Zeitschriften. habe allerdings auch schon den Anspruch, dass diese die Vielfalt meines Feedreaders abbilden können sollen. Und dann gehe ich häufig enttäuscht aus dem Zeitungsladen.
    Das soziale Leben kommt allerdings aufgrund des social webs tatsächlich zu kurz. komisch eigentlich. Pausen sind, glaube ich, das vernünftigste, was man da mindestens einbauen kann.

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