Verletzungspech

Am 31. Januar hat Thomas Hitzlsperger den VfB Stuttgart nach viereinhalb Jahren verlassen. In 125 Bundesligaspielen erzielte er 20 Tore, darunter der beeindruckende Weckruf zum 1:1 im Meisterschaftsfinale 2007 gegen Cottbus. Weiterhin bestritt er in seiner Zeit beim VfB 26 Europapokal- und 42 Länderspiele (6 Tore). In den letzten anderthalb Jahren war er Kapitän, hat den Verein stets vorbildlich repräsentiert und auch nach den unglücklichen letzten Monaten kein böses Wort über den VfB verloren.

Dementsprechend hat man seitens des Vereins entschieden, ihn in der Stadionzeitschrift  „Stadion aktuell“ auf Seite 8 angemessen zu verabschieden:

„31. Januar: Ciao Hitze

Nach viereinhalb Jahren beim VfB
löste Thomas Hitzlsperger seinen
bis zum Sommer laufenden Vertrag
auf und wechselte zum italienischen
Erstligisten Lazio Rom.“

Elson hat zwar zwei Zeilen mehr bekommen, war aber auch schon ein halbes Jahr früher im Verein. Passt also.

Möglicherweise hatte Christian Gross die Geschichte der schleichenden Degradierung des ehemaligen Kapitäns Hitzlsperger mit im Kopf, als er in den letzten Wochen stets betonte, dass der neue Kapitän Matthieu Delpierre auf jeden Fall spielen werde, wenn er seine Verletzung auskuriert habe. Angesichts der jüngsten Leistungen von Georg Niedermeier und des wieder stabilisierten Serdar Tasci hat mir diese Haltung zwar Bauchschmerzen bereitet; nachvollziehen konnte ich sie gleichwohl, und möglicherweise hätte ich sogar gleich gehandelt. Und einen Fehler gemacht, wie man seit dem 1:3 gegen den HSV weiß.

Gegen einen HSV, den ich Mitte der zweiten Halbzeit abgeschrieben hatte, der im Grunde gar nicht mehr auf dem Platz war und nur noch zu hoffen schien, dass Rost seine Form bis zum Spielende konservieren und die Stuttgarter weiterhin an ihren Halbfeldflanken arbeiten mögen, anstatt wie vor dem Ausgleich (Christian Träsch „mit dem Außenrist“, wie man vom Stadionsprecher erfuhr) öfter konsequent zur Grundlinie zu gehen (ja, ich wiederhole mich).

Irgendwann stand dann Ruud van Nistelrooy zur Einwechslung an der Seitenlinie, und der eine oder andere Hamburger muss gedacht haben, er sollte dem berühmten Mitspieler mit einem Mindestmaß an Gegenwehr imponieren, während mancher Stuttgarter darüber nachdachte, ob man gegen den ehemaligen Welttorjäger (was weiß ich, was er sonst noch alles ist oder war) vielleicht doch eine zusätzliche Sicherung einbauen sollte. Leider blieb es nicht so recht beim darüber Nachdenken – vielmehr zogen sich alle ein wenig zurück (abgesehen von Kuzmanovic, der wohl im rechten Mittelfeld spielen sollte, häufig aber zwischen „10“ und „9“ pendelte) und ließen den HSV zurück ins Spiel kommen.

Der Rest ist bekannt. Möglicherweise dachte Christian Gross nach dem 1:3, dass dem VfB ein Weltklassestürmer auf der Bank ein Stürmer von internationalem Topformat (im gesamten Kader) irgendein Stürmer auf der Bank gut zu Gesicht gestanden hätte. Dass es den nicht gab, kann man mit Verletzungspech begründen, wenn man möchte.

Schiedsrichter der Partie war Deniz Aytekin.
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Abschließend möchte ich festhalten, dass van Nistelrooy nur getroffen hat, weil er die Cannstatter Kurve grüßen wollte. Die hatte zur Begrüßung Gefallen an der nicht ganz neuen Weise „Schwuler, schwuler Holländer“ (nach der Melodei des gerade in diesen karnevalistischen Tagen offensichtlich noch immer beliebten Klassikers „Sierra Madre del sur“) gefunden und wird sich, nachdem der Schuss nach hinten losgegangen ist, künftig vielleicht leider im Leben nicht überlegen, derlei Liedgut daheim zu lassen.

0 Gedanken zu „Verletzungspech

    1. weit mehr als die dreimalige schlafmützigkeit in unserer abwehr (sicherlich begünstigt durch die mangelnde spielpraxis von le capitaine, der selbstredend ( nicht möglicherweise)eingesetzt wurde, um nicht noch einen weiteren kapitän pro saison zu verschleissen; aber hey: wer lässt sich von nem (unberechtigten)freistoss in des gegners hälfte so überrumpeln und schickt dann noch den nicht gerade als kopfballmonster bekannten träsch ins luftduell mit tesche – gehts noch?)ärgert mich der fakt, dass jeder, der vorm spiel ein paar medien gelesen hatte, um die angeschagenheit aogos wusste. selbiger lief 20 minuten rum wie falschgeld, dies wurde weder von kojak erkannt, noch vom team ausgenutzt, im gegenteil, wenn in HZ1 was lief, dann über links. labbadia korrigierte dann, die chance, über rechts hamburg massiv unter druck zu setzen, ließ man einfach so liegen. sowas erkennt jeder bezirksligatrainer.

      aber gut, ich will mal nicht allzu pingelig sein. wir haben insgesamt ganz gut gespielt, individuelle fehler und eine chancenverwertung, die diesen namen nicht verdient, haben uns 3 punkte gekostet. kommt vor.

      schön in köln wirds wieder besser werden.

  1. So schwul, unsere Stürmer sind so schwul. Die zwei auf dem Platz sind schwul, und die schwulen Verletzten sind genauso schwul.

    (Und jetzt hoffe ich mit dir auf die Macht des bösen Wortes am nächsten Wochenende.)

  2. @el pibe:
    Zustimmung. Der Trainer hat schon besser gecoacht. Bzgl. Aogo bin ich im Grunde ganz Deiner Meinung – gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich über seine Auswechslung insofern ganz froh war, als dadurch die bedrohliche Kombination Celozzi-Jansen aufgelöst wurde.

    Zustimmung auch, dass der Freistoß vor dem 1:2 aus meiner Perspektive unberechtigt war. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Unordnung danach, inklusive der unpassenden Zuordnung von Träsch (die allerdings beabsichtigt gewesen sein könnte, wenn man bedenkt, dass Träsch zuvor bei Ecken gar Petric(!) zugeteilt gewesen war) durchaus damit zu tun hatte, dass die VfB-Spieler mit der Freistoßentscheidung haderten. Was dann kein Fehler des Schiedsrichters mehr ist, sondern der Spieler.

    Zustimmung schließlich zu Deinem versöhnlichen Fazit 😉

    @jon dahl:
    Der Zweck heiligt die Mittel? Dann reicht es allerdings nicht, das böse Wort hier zu schreiben. Dann müsstest Du singen. Am Samstag. In der Fußballkneipe Deines Vertrauens.

  3. @el pibe / heinz

    Versprecht Euch mal nicht zu viel vom Köln-Spiel. Ich werde im Stadion sein – und das geht überdurchschnittlich oft in die Hose (siehe Hinspiel). Deswegen gehe ich ja auch so selten… =)

    @heinzkamke
    Ich hoffe schwer für Dich, dass Du nicht dafür verantwortlich bist. So von wegen „Verletzungspech“… Ich sach nur: Jinx…

  4. @hirngabel:
    Stand in dem Artikel nicht, dass er sich schon gegen Freiburg bzw. kurz davor verletzt habe? Ich wasche also meine Hände in Unschuld.

    Mal schauen, ob Du das am Samstag auch von Dir behaupten kannst…

  5. Sehr fadenscheiniges Argument, Herr Kamke.

    Naja, immerhin werde ich am Samstag zumindest schon mal nicht im FC Fanblock stehen. Das ist auf jeden Fall schon ein großer Fortschritt gegenüber dem Hinspiel.

    Für alles andere lehne ich jegliche Verantwortung ab – so wie immer. Aber natürlich kann ich gerne noch ein paar „Schwuler Russe/Rumäne/Franzose/Weissrusse/Italiener/Serbo-Schweizer/Deutscher“-Gesänge anstimmen, wenn Euch das glücklich macht. 😉

  6. @ hirngabel:
    Vielleicht ist es ja doch besser, wenn ich in der Stuttgarter Fußballkneipe meines Vertrauens unsere Stürmer zum Torschuss singe als du in Köln.

  7. Naja, gerade hier in Köln ist das mit den Schwul-Gesängen ja insgesamt doch etwas äh flexibler zu betrachten und nicht notwendigerweise negativ konnotiert. Also von daher… =)

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