fünfzehn/zwanzigneunzehn

Im Zentrum konnte er im Heimatland
in seinem Teamsport die WM gewinnen.
Olympisch war ‘s Jahr drauf das Gold nicht drinnen —
Platz zwei nach Torverhältnis, so der Stand.

Im Einzelsport sah er ganz eklatant
die Nationalitäten rasch zerrinnen,
repräsentierte in der Folge binnen
der Laufbahn gleich vier Flaggen – Emigrant.

Bedingt durch so ’nen Rückschlag in seim Leben
hat sich ’ne Art Superlativ ergeben –
sein Erdteil war ein andrer als zuvor.

Kein Sportler sonst von diesem Kontinent
obsiegte beim Bewerb, den jeder kennt.
Jahrzehnte später stand er nicht im Tor.

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert leider gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

15 Gedanken zu „fünfzehn/zwanzigneunzehn

  1. Puh, ich glaube, ich habe es mal wieder. Jaroslav Drobny hat Eishockey-Silber 1948 geholt, ein Jahr zuvor ist er Weltmeister geworden. Dann hat er als einziger Spieler vom afrikanischen Kontinent Wimbledon gewonnen.
    Puh. Endlich.

  2. Als „Center“ beim Teamsport, welcher mittels Torverhältnis seinen Olympiasieger fand. Das klingt ganz eindeutig nach Eishockey in den frühen Jahren. Ab da war es dann mit Hilfe von Google schnell gelöst. Es geht um Jaroslav Drobny, der mit der Tschechoslowakei Silber 1948 gewann. Danach Fokus auf Tennis, was er immer parallel betrieben hat, unterbrochen vom Krieg. Als Ägypter gewann er 1954 Wimbledon und später kam er in die Eishockey Hall(!) of Fame.

  3. Vor Google.
    Erster Gedanke. Talant Dujshebaev (die Schreibweise empfiehlt später die Suchmaschine )). Herr Dujshebaev spielte für die UdSSR, ist gebürtig Kirgise, ging später nach Spanien und spielt international für das Land, so weit habe ich das noch im Gedächtnis.

    Jetzt Google dazu geholt. Für die GUS und Russland war er ebenfalls aktiv. Vor daher passt es. Aber Einzelsport Fehlanzeige, genauso das mit der Reihenfolge von Olympia und WM. Beides gewann er mit seinen Teams.

    Talant ist es also nicht. Schade.

  4. Über olympische Eishockeyturniere habe ich vor einigen Tagen recht viel gelesen – aus äh Gründen. Deshalb klickte es da gleich bezüglich der silbernen Medaille nach Torverhältnis. Der Abgleich von Weltmeisterschafts- und Olympiatabellen führte schnell in die 40er Jahre und dann zu Jaroslav Drobný (Aha! Das diakritische Zeichen verrät mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.) 1947 Eishockeyweltmeister im eigenen Land, 1948 zweiter bei den Winterspielen in St. Moritz. Danach noch erfolgreicherer Tennisspieler. Etwas mehr Recherche fördert auch die vier fluchtbedingten Flaggen zutage: neben der Tschechoslowakei auch Böhmen und Mähren, Großbritannien und Ägypten. Letztere klärt auch auf, für welchen Erdteil er als bisher einziger Wimbledon gewann.
    Der letzte Hinweis spielt dann wohl auf seinen Namenszwilling an, der ein paar Jahrzehnte später eben doch im Tor stand, auch in dem verschiedener deutscher Bundesligisten. Spannender Lebenslauf!

  5. Man konnte es ganz gut eingrenzen. Es geht um eine Teamsportart, in der Tore erzielt werden und in der es Weltmeisterschaften in ungeraden Jahren vor den Olympischen Spielen gab (Fußball fällt dann raus, fast alles andere zu den meisten Zeiten auch).

    Außerdem musste es vermutlich in einer Zeit sein, in der es viele nationale Umbrüche gab und die Notwendigkeit zur Emigration, also vermutlich entweder um den 2. Weltkrieg oder um 1990 (Zerfall Sowjetunion, Jugoslawien).

    Ich bin dann die Weltmeisterschaften durchgegangen. Eishockey 1947. Prag. Weltmeister Tschecheslowakei. In St. Moritz 1948 bei Olympia 2. wegen des Torverhältnisses – passt also ganz genau……fast.

    (Denn along the way habe ich gelernt, dass im Wasserball 1936 das Torverhältnis (d.h. der Quotient aus Toren und Gegentoren) entscheidend war und nicht die Tordifferenz – im Eishockey war es 1948 wohl die Tordifferenz, aber da hoffe ich mal, dass Herr Kamke etwas umgangssprachlich formuliert hat, Kanada wäre auch im Torverhältnis vorne gelegen, aber hat laut Wikipedia aufgrund der Tordifferenz +64 vs. +62 gewonnen. Sorry für die Klugsch.., aber bei Herrn Kamke muss man ja üblicherweise jedes Wort genau wägen – wobei die „Laufbahn“ (–> Leichtathletik, Eisschnellauf) ja heute auch in die Irre führt. Und Federers südafrikanische Staatsbürgerschaft auch nicht für Afrika zählt. Hoffe ich zumindest; etwas verunsichern tut es mich doch.)

    Der Rest war dann Google und englischsprachiges Wikipedia. Jaroslav Drobny war der Center, hat unter 4 Flaggen (Böhmen & Mähren, Tschecheslowakei, Ägypten und Großbritannien) Tennis gespielt und hat nach seiner Emigration als einziger (eingebürgerter) Afrikaner Wimbledon gewonnen (abgesehen von Federer). Jahrzehnte später war er dann Torwart für Hertha, Hamburg, Bremen, Düsseldorf. Oder auch nicht.

  6. Okay, heute wieder ein absoluter Supersportler, aber ohne Wikipedia keine Chance.
    Also:
    Ein Teamsport, bei dem es bei Olympia kein Endspiel gab/gibt,
    sondern eine Finalrunde mit Abschlusstabelle. Da kam mir tatsächlich Eishockey als erstes in den Sinn. (Tatsächlich gibt es seit 1992 ein Finale. Vielleicht erinnere ich mich da eher noch fälschlich an Weltmeisterschaften, wo es bis inklusive 1991 kein Finale gab.)
    Wikipediaabgleich (Jahrzehnte ist es schon her) zusammen mit der zunächst noch ungeklärten letzten Zeile liefert dann schnell Herrn Drobny.
    Sensationelle Kombination!
    (Und Skifahrer Herr Schirov hätte gegen ihn heute sicher kein Tor geschossen.)

    1. Ich hab mal noch versucht, Ivan Blatnys Gedicht auf ihn zu übersetzen:

      Wimbledon

      Vielleicht spielt Drobny grade Wimbledon
      Die Sommerkühle auf den grünen Wiesen
      macht Köpfe müde, lässt sich wohl genießen
      stimmt Schlägersaiten auf den Abendton.

      Du sommergrüne Zuflucht, grüß dich, Ave.
      Da ist ein Fest, zwei Lauten, Jaroslave,
      Wimbledon Common, weit entfernte Auen,
      Ich höre ihren Sound beim Fernsehschauen.

      Hättst wundersam in dieser Sommerhitze
      du nur meinen Rapunzelturm entdeckt –
      Die Courts sind in der Nähe, ganz im Grünen.

      Bevor auch diese Tage fliehn, komm mit – sie
      sind wie Verlaine im Sommergras versteckt.

  7. Olympischer Teamsport mit Tor (-verhältnis). Da gibt es ja gar nicht so viel: Handball, Fußball, Wasserball, Hockey, achja, und Eishockey (sowie Lacrosse, wie nachher gegoogelt). Fußball scheidet aus, da WM und Olympia zwei Jahre auseinander liegen (oder sind Jugend-WMs gemeint?). Ist das Torverhältnis wörtlich zu nehmen? Also kein Finale sondern eine Finalgruppe?
    Im Einzelsport gab es vier verschiedene Nationalitäten? Oder zumindest Flaggen? Das spricht irgendwie für einen Athleten mit einer Vergangenheit á la Sowjetunion, GUS, Nachfolgestaat. Plus noch einen weiteren Flaggenwechsel. Auch den Erdteil wechseln war in dieser Kombination machbar. Mit der Sowjetunion sozusagen Europäer, als Kasache, Kirgise oder Usbeke oder sowas dann Asiate. Also zeitlich wohl in den 80ern der Mannschaftsport, in den 90ern dann individuell.
    So, jetzt etwas intensiver ran: Eishockey! Das sieht doch gut aus. 1980 wurde die Sowjetunion zweiter, das „Miracle on ice“ war auch kein Finale sondern „nur“ ein Gruppenspiel. Und 1979 war die Sowjetunion Weltmeister. Im Heimatland! Zentrum könnte sich entweder auf Moskau beziehen, oder auf die Position im Team: Center?
    Da wird sich bei so viel Übereinstimmung doch sicher irgendein Spieler im Team finden, der eine Zweitkarriere in einem Einzelsport gemacht hat.
    Tja, Pustekuchen. Niemand zu finden. Das ist wohl ein Holzweg. Oder den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Und in den anderen Ballsportarten finde ich auch keine passende Kombination von „Sieger bei WM zuhause“ und „Olympiazweiter im Folgejahr“. Meine kleine Serie ist gerissen, ich bin auf die Lösung gespannt.

  8. Ich finde Übereinstimmungen beim Eishockey-Weltmeister Tschechoslowakei 1947 und deren Olympiasilber 1948 in der Schweiz. Beim Durcharbeiten der damaligen Teammitglieder führt mich erst Vladimír Zábrodský in die Irre (Tennis, Davis Cup), bevor ich bei JAROSLAV DROBNY fündig werde:
    Als bisher einziger Afrikaner gewann er 1954 das Turnier in Wimbledon.
    Seine Nationalitäten: Tschechoslowakei, Böhmen und Mähren, Ägypten, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.

  9. Hurra, ich weiß tatsächlich mal wieder was, wenn auch mit viel Gesuche. Die olympische Medaillenvergabe nach Torverhältnis brachte mich auf den Mannschaftssport Eishockey. Da gab es in den Jahren vor Olympischen Spielen zum Glück gar nicht so viele Weltmeister im eigenen Land, z.B. aber die Tschechoslowakei 1947/48. Wenn man deren Kader durchsieht (und im Kopf hat, dass der Gesuchte laut ziemlich rätselhaftem letztem Vers irgendwas mit einem späteren Torwart zu tun hat, der er aber doch nicht ist), stolpert man über den Namen Jaroslaw Drobný.
    Und dann geht das Staunen los. Was es alles für Geschichten gibt, von denen ich noch nie gehört habe, die ich aber dankenswerterweise hier kennenlerne: Hat der Gute doch nicht nur Eishockey gespielt, sondern (ich höre schon wieder leise den Zimbelton …) es auch als Tennisspieler bis zum Wimbledon-Sieger gebracht, und das für Ägypten (!). Wie es zu den anderen beiden der vier Flaggen (auch Böhmen und Mähren sowie Großbritannien) kam, haben im Laufe des Tages sicher schon andere hier erklärt. Das muss ich dann ja nicht noch mal wiederholen …

    Ich schreibe mir jedenfalls für den weiteren Verlauf des Kamkeschen Adventskalenders hinter die Ohren:
    Such weiter stets und stopp‘ nie
    dann findst du auch Herrn Drobný.

  10. Der Hinweis im ersten Quartett: Eine Sportart mit Weltmeisterschaften im Jahr vor Olympia ist gesucht, Medaillen wurden nach Torverhältnis verteilt, und das Ganze ist dank des zweiten Quartetts wohl schon Ewigkeiten her: Gesucht ist im Erstsport dadurch vermutlich ein Eishockeyspieler.

    Zum Zweitsport hatte ich dank „Rückschlag“ direkt die Idee Tennis, eine Google-Suche nach einem Asiaten, der Wimbledon („Bewerb, den jeder kennt“) gewonnen hat, blieb jedoch wenig erfolgreich. Auch die Siegerliste half nicht, aber das lag an mir.

    Ich bin dann in Kärrnerarbeit die Eishockey-WMs durchgegangen. 1947 wurde ich fündig: Jaroslav Drobny, wodurch die letzte Zeile dann auch Sinn ergab. Die ägyptische Flagge von 1954 kannte ich nicht.

    (Ach so, eins noch: Bezieht sich „Zentrum“ auf die Position auf dem Eis, oder war das die Halle in Prag?)

  11. Heute wieder total verrannt…
    4 Nationalitäten würde gut auf das zerfallene Ex-Jugoslawien passen mit anschließendem Start für Qatar (wie Goran Stojanovic) oder China auf dem anderen Kontinent. (Aber auch Sowjetunion – GUS – Russland oä.)
    Der Mannschaftssport muss olympisch sein und Tore liefern, also Hockey, Fußball oder Handball, letzteres würde gut passen. Kennt aber vielleicht nicht jeder. (Oder Eishockey? Ist das bekannt genug.)
    Aber ich finde keinen passenden WM-Titel im eigenen Land (nur GER und FRA beim Handball) und nur einen Vize-Olympiatitel im Jahr drauf (FRA).
    Beim Eishockey gewann Schweden die WM in Schweden 2013 und würde zweiter bei Olympia 2014, und der Center würde auch passen. Aber in deren Kader finde ich niemanden, der mehr als einmal die Staatsbürgerschaft wechselte.
    Und mit dem Einzelsport, der nach der Mannschaftskarriere ausgeübt wurde, kann ich gar nichts anfangen. Da passt auch der zeitliche Nationenwechsel nicht mehr.
    Vermutlich irgendwas von Anno Dazumal
    Ich geb’s auf. Und wenn ich’s morgen auch nicht weiß, behalte ich meine kruden Gedanken wieder für mich.

  12. Kenne ich den tschechoslowakischen, später ägyptischen Tennisspieler Jaroslav Drobný? Nein, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass er die Lösung des heutigen Rätsels ist. Zentrum lässt ein paar Sportarten zu, Tore engt das deutlich ein, zerrinnende Nationalitäten deuten auf einen tschechischen oder slowakischen Eishockeyweltmeister. Die gab es in ein paar Generationen, hier 1947. Rückschlagspiel Tennis. Wimbledonsieger startend für Ägypten. Und er ist nicht sein Namensvetter.

  13. Konnte es dann doch nicht lassen, die Suchmaschine anzuwerfen, und landete einen Zufallstreffer: Jaroslav Deobny (nicht der vom HSV).

    Immerhin Tennis als Rückschlagspiel und Eishockey wg Torverhältnis erraten…

  14. Sonntagabend, körperlich leicht angeschlagen, erfreulicherweise eine ganze Reihe ausführlicher und bestimmt richtiger Kommentare. Da kann ich mich ja weitgehend raushalten.

    Zentrum: seine Position auf dem Feld, Center oder Mittelstürmer, gäb auch noch andere, aber bleiben wir mal bei Fußball, Basketball, Eishockey. Dann, von vielen Ratefüchsen erkannt: WM in einem ungeraden Jahr, das schließt einiges aus, dazu noch die Titelvergabe gemäß Torverhältnis, was es heute noch seltener gibt als damals (wohl schon länger her, vgl. auch letzte Zeile), einzelne haben das ausgeführt, brauche ich nicht zu wiederholen. Und ja, @braindrain21, wer, wenn nicht Heini Kamke wüsste da Bescheid seit jener denkwürdigen Mathestunde bei Lehrer Peters, als die Chancen der Störche berechnet wurden. Aber da bin ich einfach mal bei Alltagssprache und gemeinter Differenz geblieben, nicht ohne mich bzgl. des Verhältnisses vergewissert zu haben. Verdammt niedriger Nenner bei Kanada.

    Zudem ein Einzelsport, offensichtlich eine politisch ereignisreiche Phase, Emigrant, vier Flaggen, Weltkrieg zum Beispiel, oder der Umbruch in Osteuropa.

    Gravierende Veränderungen in seinem Leben; dass ich allerdings unbedingt das Wort “Rückschlag” verwendet hätte, bezweifle ich. Wenn es denn nicht eine andere Bedeutung hätte, konkret: auf eine Rückschlagsportart hinwiese. Und er hat den Erdteil gewechselt, nationalitätsmäßig.

    Einziger Sieger aus diesem neuen Kontinent beim wichtigsten Bewerb der Rückschlagsportart, und da ich mich bei den Squashturnieren gar nicht auskenne und sich beim Tischtennis kein Turniername (mal abgesehen von “German Open” o.ä.) in mein Gedächtnis eingebrannt hat, richten wir den Blick wieder einmal nach Wimbledon. Und finden dort als einzigen unter einer afrikanischen Flagge startenden Sieger Jaroslav Drobný, der 1954 für Ägypten antrat. Die anderen Flaggen haben @Vicky und @Echho die Frau freundlicherweise explizit genannt, kann ich mir also sparen.

    Und natürlich stand er nach dem Jahrtausendwechsel nicht im Tor von Hetrtha BSC und einigen anderen Vereinen. War dann doch schon ein älterer Herr und starb auch bereits 2001. Aber auch ohne Fußball eine sehr ansehnliche Vita. Eishockey-Weltmeister und Wimbledonsieger, dazu einige andere Titel, dem Vernehmen nach über 90 auf Sand. Wie viele hat eigentlich Rafael Nadal?

    Tut mir leid, ich muss wirklich passen, hänge durch und sollte noch ein paar Tage durchhalten. Vielen Dank für Eure ausführlichen Kommentare. Insbesondere für @martins literarische Übersetzung (und Schirow!). Ich hatte kurz darüber nachgedacht, mich dann aber nicht herangewagt. Chapeau!

    Schade auch, @APEljot, dass die faszinierenden Überlegungen zur Sowjetunion in die Irre führten. Und natürlich sollte man, liebe @janni_70, solche Gedanken nie für sich behalten!

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