Double Feature

Der Advent, werte Leserinnen und Leser, ist offenbar die einzige Zeit des Jahres, in der dieses dereinst recht aktive Blog noch gelegentliche Lebenszeichen von sich gibt. 24, um etwas genauer zu sein, oder eben 25, wenn man heute mitzählt, sofern alles nach Plan läuft, was, Sie kennen das, nicht als gegeben unterstellt werden kann. Technische Probleme sind ebenso wenig auszuschließen wie eine Reimblockade des Hausherrn, denn, Sie ahnten es bereits, es bleibt mal wieder alles beim Alten, Business as usual. Beschissene Sonette, möchtegern.

Übermorgen brennt also das erste Lichtlein, und wer in dieser Formulierung bereits einen Hinweis vermutet, den oder die muss ich enttäuschen. Handball spielt zunächst keine Rolle. Denn, seien wir ehrlich, Carsten ist zu eindimensional. Kein Doppelsportler. Nicht wie er. Oder sie. Sie auch, und natürlich sie, dreifach. Auch ihn hatten wir schon, aber ehrlich gesagt gehe ich eher nicht davon aus, dass zum Beispiel weit springende Sprinter*innen hier auftauchen werden, auch keine Heike Drechsler oder Jackie Joyner-Kersee.

Hans-Peter Briegel wird’s schwer haben, trotz deutscher Jugendmeisterschaften im Weit- und im Dreisprung. Bei Usain Bolt wird’s auch eng, von der anderen Seite her, und Tim Wiese passt vermutlich nicht hinter ein Türchen. Bei Bernhard Peters wäre ich mir da nicht so sicher, auch wenn der Fußball schon wieder überrepräsentiert sein könnte. Michael Jordan sehe ich ebenso wenig wie Wilfried Dietrich, auch wenn griechisch-römisch und Freistil bestimmt zwei paar Stiefel sind. Und kommen Sie mir nicht mit der Wok-WM!

Letztlich gilt allerdings: Die Regeln sind wie immer wachsweicher Natur. Grundsätzlich missfällt mir der Gedanke, beispielsweise einen nordischen Kombinierer, der später oder zuvor, oder meinetwegen auch gleichzeitig, als Spezialspringer aktiv war, mit in die Verlosung zu geben, sorry Heiko Hunger, sorry Hubert Schwarz, Teildisziplin, Sie wissen schon, aber wer weiß, ob mir zum Ende hin nicht die Ideen ausgehen, und dann taucht da halt plötzlich doch Ole Einar Bjørndalen auf. Der kein nordischer Kombinierer ist, schon ok. Klugscheißer!

Doppelsportler. Und -innen. Die sozusagen ein Karriere-Double-Feature vortragen. Double Feature, Sie kennen das. Gerne Science Fiction, gerne B-Movies, oder zumindest einer. Und, seien wir ehrlich, bei gar nicht so wenigen der hinter den kommenden 24 Türchen versteckten Sportlerinnen und Sportler taugt zumindest eine der beiden Sportarten eher so zur B-Seite. Also, vergleichsweise. Nehmen wir Eric Heiden. Natürlich ist es fantastisch, als Radsportler an der Tour de France teilnehmen zu dürfen, meinetwegen auch unter ferner liefen. Indes: Alle fünf olympischen Goldmedaillen in der Eisschnelllaufhalle abzuräumen ist doch noch einmal eine ganz andere Nummer. Oder Bjørndalens einzelner Weltcupsieg im Langlauf. Fantastisch, gewiss. Im Vergleich zur Nordischen Kombination zum Biathlon kommt er mir dennoch ein bisschen blass vor. 

Aber das braucht Sie nicht weiter zu interessieren, liebe Leserin, lieber Leser. Von Ihnen erhoffe ich mir einzig und allein die Antwort auf die Frage nach der Person und den gesuchten Sportarten, ganz egal, ob es sich um Blockbuster oder B-Movies, A- oder B-Seiten handelt.

Wie bereits im vergangenen Jahr will ich schon einmal vorab zwei Geschmacksmuster zum Zeitvertreib posten – auch das sozusagen ein Double Feature –, die vielleicht einen Eindruck des zu erwartenden Schwierigkeitsgrads vermitteln können:

 

Die vermutlich eher einfache Variante:

Der erste Sport hat dorten Tradition:
Man sieht die Jugend kühn nach unten brettern –
darunter war’n auch ein paar Namensvettern.
(Gewiss: So manche(r) kennt die Lösung schon.)

Als Junior saß er auf der Welten Thron,
doch bald war’s Zeit, ‘ne Seite umzublättern:
Ein neuer Sport, auch der nicht für die Fettern,
und in dem Land gab’s kaum eine Ikon’.

So stieg er auf, Geschichte dort zu schreiben.
Hob zwar nicht ab, doch abzusehen war es:
Er würd’ sich manche Farbe umverleiben.

Heut’ fragt man sich, am Ende dieses Jahres:
Wird er im Land noch lang der Beste bleiben?
Zumindest bleibt er dings, äh, inter pares.

 

Etwas schwieriger könnte sich die folgende Suche gestalten, so ganz ohne Google. Also, klar, kann man mal nutzen, klar. Wenn man es still und heimlich tut, gibt’s halt leider schlechten Atem und Haarausfall.

Bei fünf “Olympics” (sorry!) trat er an
– 
manch einer sagt, dass es nur viere waren –
im Lauf von – ungelogen! – 18 Jahren,
als Team und auch im Kampf von Mann und Mann.

Die sechs Medaillen, die er so gewann
– e
r hat sie auf der Piste eingefahren –,
gemahnen nicht an Streiche von Husaren.
Was an der Wahl der Waffen liegen kann.

Im andern Sport, die Mannschaft wollte Bronze,
ergriff er eine einmalige Chance.
Im Stadion, entsprechend ohne Kufe.

So dekoriert, erhielt er manches Lob
als Architekt des Teamerfolgs. Und hob
den Heimvorteil auf eine neue Stufe.

 

Geht doch, oder? Und wenn Sie wirklich mal nicht weiter wissen, sich bei der Lösungssuche verrannt haben, vom Weg abgekommen sind, denken Sie immer daran:
There’s a light … over at the Frankenstein place!

(Puh.)

 

Zum Schluss dieses doch wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen geratenen Sermons noch ein wiederverwerteter Hinweis aus dem Vorjahr:

Leider zeigt die Erfahrung, dass meine Kommentarfunktion manchmal hakt. Wer Probleme hat, ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. Der Umstand, dass ein Kommentar nicht gleich angezeigt wird, ist indes kein relevantes Indiz für eine Fehlfunktion, es bedürfte schon einer Fehlermeldung. Tatsächlich werden die Kommentare erst im Lauf des Tages en bloc veröffentlicht, um die Lösung nicht vorschnell zu offenbaren – ältere Häsinnen und Hasen wissen Bescheid, jüngere verstehen sicher, was ich meine.

Wie immer wünsche ich Euch und Ihnen allen eine schöne Adventszeit, mit Marzipan, Nüssen und Mandarinen; zudem ein bisschen Besinnlichkeit und das eine oder andere Flötenkonzert, dazu Fußball, Wintersport und natürlich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.

Hier geht’s dann zum Kalender.

12 Gedanken zu „Double Feature

  1. Primoz inter pares fand ich sehr hübsch, beim zweiten Rätsel muss ich leider passen. Die fünf Teilnahmen in 18 Jahren lassen ja letztlich nicht allzu viele Zeiträume offen: Entweder ist die Zeit von 1906-1924 gemeint, oder es sind irgendwelche Winterspiele zwischen 1976 und 2010. Zum ersten Zeitraum würde natürlich passen, dass es in manchen Zählungen nur vier Spiele sind, aber zumindest mal Piste und Waffe und „ohne Kufe“ klingt nach Wintersport. Andererseits komme ich im Wintersport auf keinen geeigneten Kandidaten, zumal da doch gar nichts im Stadion stattfindet. Hmpf. Alles wie immer, schön.

  2. Bad vibes von @badrulbudur zum Dank bin ich auf die Lösung gekommen. Zuvor geisterte ich schon auf den Internetseiten der thüringischen Kleinstadt Zella-Mehlis herum, um etwas über den dort ausgelobten Preis „Sport-Primus“ und dessen Preisträger zu erfahren. Nun ja. Dem Tipp sei Dank fiel es mir dann auch recht schnell ein, dass es sich um Primoz Roglic handeln muss. Und plötzlich passten die für andere bestimmt offensichtlichen, aber für mich sehr gut versteckten Hinweise. Apropos keine Ahnung: Was sind Fettern?
    Zum Einstand (Schapo, Herr Kamke, zu Beginn einen Sportler mit dem Namen Primoz auszuwählen) sei mir die Schwäche, einen Tipp zur Hilfe genommen zu haben, verziehen.

  3. Primoz Roglic habe ich jetzt dann doch rausgefunden. Herrje. Ich bin noch nicht im Groove. Beim zweiten habe ich derzeit noch keine Ahnung. Ach Kamke, das wird wieder ein langer Dezember.

  4. Das ist ja mal ein Frühstart! Und ich kriege es erst nach Mitternacht mit.

    Das erste ist Primoz Roglic (mit irgendwelchen Dächern über irgendwelchen Buchstaben), ehemaliger Skispringer und nun Radrennfahrer. In der Tat nicht allzuschwer, da ganz aktuell in Funk und Fernsehen.
    Der Zweite… keine Ahnung.

  5. Tja. Mir sind immerhin zwei slowenische Skispringer mit Vornamen Primoz eingefallen. Außerdem gibts da doch jetzt diesen Radrennfahrer, heißt der nicht Roglic?

    Zum zweiten benötige ich auf jeden Fall
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Olympiasieger_im_Fechten/Medaillengewinner#Florett_Mannschaft
    (denn Husaren tragen kein Florett). Schon
    https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Breckinridge
    (USA 1920) klingt sehr interessant, aber der
    trockene eine Satz in Wikipedia „De Montigny war der Architekt des Olympiastadions in Antwerpen.“ ist ja der Hammer.

    1. Und auch Alfréd Hajós ist noch erwähnenswert: neben zwei Gold im Schwimmen 1896 auch noch Silber bei den Olympischen Spielen 1924 in der Disziplin Architektur!

  6. Ojeh, ojeh, beim Einfachen schon fast gescheitert. Nur wikipedia hat geholfen.

    Erst die Ski-Alpinen Juniorenweltmeister durchgeschaut. Alphand wäre da als späterer Ralleyfahrer ein Double-Sportler gewesen. Passt aber nicht zum ganzen Rest.

    Dann nochmals den inter pares-Tipp durchgegangen. Primus. Okay. Peterka. Skispringen passt auch. Aber laut Wikipedia hat der auch keinen 2. Sport gemacht (konnte mich auch nicht daran erinnern – es sollte doch einfach sein :/ ).

    Schließlich bin ich dann bei Roglic gelandet. Peterka wird der Vornamensvetter sein. Fett sein, darf man weder beim Skispringen noch beim Radfahren. Ich hoffe, dass die Slowenen keine großen Radfahrikonen haben – Brajkovic, Polanc und Golcer zählen aber wohl unter „kaum“, obwohl Brajkovic immerhin auch Juniorenweltmeister war und das eine oder andere Rennen gewonnen hat. Aber halt keine große Rundfahrt wie Roglic. Der wird es wohl sein. Hoffe ich.

  7. Keine Lösung zum Schwierigen.

    Tschepikov passt auf die ersten beiden Quartette (6 Medaillien, 18 Jahre, Biathlon könnte passen). Aber keine Ahnung, was der mit den letzten Terzetten zu tun haben soll. Wikipedia weiß es auch nicht und bei Google finde ich auch nichts.

    Wird also ein anderer sein. Teildisziplinen (Langlaufen, Biathlon) sollen ja auch eher nicht vorkommen…..

    Hmm.

  8. Wir schreiben den 1. Dezember, morgens um drei, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil die bloßen Aufwärmübungen noch nicht aufgelöst sind. Das kann ja heiter werden. Zumal eingedenk des Umstands, dass das mindestens in der ersten Adventswoche noch das eine oder andere Mal so aussehen könnte. Verdammte Terminflut.

    Vielen Dank all denjenigen, die sich mit den Vorab-Fingerübungen beschäftigt und ihre Überlegungen zu Papier gebracht haben. Ich werde nicht auf die einzelnen Kommentare eingehen können, wohl aber ein paar kurze Sätz zu beiden gesuchten Sportlern schreiben.

    Der erste war dieses Jahr in aller Munde, auch und gerade wegen seines Double Features, so dass ich davon ausgehen musste, dass jede(r) Mitratende beim diesjährigen Thema sofort an ihn denken würde. Deshalb läuft er quasi außer Konkurrenz.

    Sein Land kann in besagtem Sport auf eine gewisse Tradition zurückblicken, es geht mit (auf!) Brettern nach unten, sein Name (Vor? Nach?) kam schon öfter vor. Um konkret zu werden: Peterka. Ulaga.

    Juniorenweltmeister war er, wechselte dann bald zum anderen Sport- Auch dort sollte man, etwas anständiger ausgedrückt (sorry!) nicht allzu schwergewichtig sein, und offenbar gab’s dort noch keine Nationalhelden.

    Er stieg im neuen Sport auf (Pferd? Rad?) und sollte Geschichte schreiben mit seinem Sieg, Im neuen Sport hob er nicht mehr ab (am Schanzentisch), aber man konnte erahnen, dass er mit seinem Talent einschlägig farbcodierte Trikots erringen würde.

    Am Ende des Jahres 2019 kann man sich fragen, wie lange er noch der beste Slowene ist, nachdem ihm sein junger Landsmann Tadej Pogačar ziemlich viel Dampf gemacht hat bei der Vuelta: Primož Roglič. Und natürlich bin ich nicht der erste, der seinen Vornamen um “inter pares” ergänzt. Gefühlt stand das im September in jedem zweiten Text zur Vuelta.

    Ich war ein bisschen überrascht, dass es dem Vernehmen nach nicht allen gleich auf Anhieb leicht fiel. Mag damit zu tun haben, dass ich es mit den Hinweisen angesichts der Bekanntheit des Herrn nicht übertrieben habe. Aber was weiß denn ich?!

    Stunden später. Vielleicht lese ich besser nicht nach, was ich heute Nacht so geschrieben hatte, als ich mit dem Rechner auf der Brust einschlief.

    Der zweite Herr, etwas schwieriger. Fünf mal bei Olympischen Spielen, was unter Metrikgesichtspunkten kein ganz idealer Begriff ist, drum die anglophone Anleihe. Könnte noch öfter kommen. Vielleicht waren es aber gar keine fünf, sondern nur vier. Was nicht daran lag, dass er ohne Einsatz im Kader war o.ä. Und in 18 Jahren, auch so ne Sache. Nicht durch vier teilbar. Was uns zum Rhythmuswechsel nach Barcelona und Albertville führt, eventuell zu den Weltkriegen (ja, aber nicht wegen der Teilbarkeit) oder aber zu den Olympischen Zwischenspielen 1906. Sie erinnern sich. der gesuchte Herr trat dort an, sowohl in einer Mannschaft als auch im Einzel-Duell. Ohne dass das übrigens schon zwei Sportarten wären.

    In diesem ersten Sport gewann er über die Jahre 6 Medaillen (alle in der Mannschaft, übrigens, bzw. in den Mannschaften). Die Piste war ein bisschen gemein, aber so heißt die Fechtbahn nunmal offiziell. Sagt zumindest der Deutsche Fechter-Bund. Über die Aussprache müsste man vielleicht reden. Die Husaren, ne. Die kämpfen mit Säbeln, las ich. Unser Mann hingegen reüssierte mit Degen und(!) Florett. Was hier auch noch nicht als Double Feature gelten soll. Wenn auch könnte.

    Anderer Sport, Mannschaft, ohne Kufen. Was darauf hindeuten sollte, dass es eben nicht um Eishockey geht. Genau, Hockey. Die einmalige Chance im Stadion wird im letzten Terzett noch ein bisschen konkretisiert, die Stichworte lauten Architekt und Heimvorteil (besonderer Art): Fernand de Montigny gewann 1920 Hockey-Bronze im Olympiastadion zu Antwerpen, für dessen Bau er selbst als Architekt mitverantwortlich war. Fantastische Geschichte, finde ich.

    Sorry, mir fehlt die Zeit auf Eure Antworten einzugehen. Kindergeburtstag.
    Vielen Dank!

  9. […] Hintergründe zum Kalender. Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so. Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert leider öfter mal), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken.  […]

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