zweiundzwanzig/
zwanzigneunzehn

Sie siegte “nur” bei einem Top-Event,
doch holte dabei über zehn Plaketten.
Vielleicht auch mehr, ich würd’ da noch nicht wetten,
grad wenn man ihre Vorgeschichte kennt:

Rund fünfzehn Mal – der Frust ist evident,
man muss sich wohl in Fatalismus retten –
bewirkten andrer Spritzen, Blut, Tabletten
für sie ‘nen Sprung im – Obacht! – Klassement.

Auch in Olympia gibt es ‘ne Medaille
(die falsche, wie Sie sicherlich schon ahnen)
und später lockt ein Wechsel, hin zum Glanze.

Sie will gern einen Gürtel um die Taille,
und noch ‘nen Ring. Doch wie sie noch so planen,
schlägt sie ’nen Haken – Cut! – und stoppt das Ganze.

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert leider gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

17 Gedanken zu „zweiundzwanzig/
zwanzigneunzehn

  1. Advent, Advent, ein Lichtlein (stand gestern in der Zeitung, und ich musste an Dich denken) geht mir auf:
    Dass Nadine Kleinert häufig wegen Doping-Disqualifikationen nachrückte, war mir bekannt. Dass Sie boxen wollte, nicht.

  2. Die Geschichte der ewig nachträglich hochgestuften Nadine Kleinert. Da braucht’s gar keine zweite Sportart um zu wissen, dass es um sie geht. Man müsste echt mal zusammenrechnen, wie viele mögliche Sponsorengelder etc. sie durch Frau Ostapchuk und Co. verloren hat.

  3. Gesucht ist eine Sportlerin, die einen Wechsel zum Boxen angestrebt, aber nicht vollzogen hat. Die eigentliche Sportart ist letztlich nur dadurch zu erkennen, dass viele Medaillen wegen Dopings aberkannt werden, was bei einer vermutlichen Nähe zum Boxen Winter- und Radsport ausschließt. Übrig bleiben Gewichtheben plus die schwereren Teile der Leichtathletik. Ab hier musste ich suchen; weil ich vom Karrierewechsel nichts wusste: Es ist Nadine Kleinert. Überraschend viele Medaillen, wobei mit Hallen-WM und -EM gut was an Titelkämpfen zu den klassisch gezählten hinzukommt.

  4. Nach vielen Tagen der Schmach und Ratlosigkeit ein Hoffnungsschimmer. Die Box-Ambitionen der Nadine Kleinert waren mir gleichwohl bis vor zwei Minuten gänzlich unbekannt, doch gibt es sonst wohl niemanden mit so viel verzögerten Ruhm und Ehr.

  5. Nadine Kleinert. Ich hatte auch irgendeine Leichtathletin aus dem Wurfbereichim Kopf, von der ich mal ein Interview gelesen hatte (wusste aber nicht mehr wen), habe mich aber vom „Sprung“ erst irreführen lassen. https://www.zeit.de/sport/2017-08/nadine-kleinert-doping-nachtraegliche-siegerehrung-kugelstossen

    Mit die meisten aberkannten Medaillen gab es aber nicht in Sprungwettbewerben, sondern im Kugelstoßen (und Gewichtheben, aber wie gesagt, ich war erstmal bei der Leichtathletik). Vom Kugelstoßen war der Weg zu Frau Kleinert nicht weit, deren Namen ich dann wiedererkannte.

    Wikipedia sagt noch, sie arbeitete heute als Paketzustellerin – immer noch bemerkenswert, dass Du mit 20 Jahren Weltklasse in Deinem Beruf mit Olympiamedaille und diversen anderen Platzierungen bei WM und EM nicht ausgesorgt hast, während das heute fast jeder Zweitligafußballspieler schaffen kann.

    PS: Herr Kamke, noch irgendwelche Tipps, wie ich als unbedarfter Mitrater erkennen kann, welche Polyseme mit Zweitbedeutung im Sportbereich Hinweise sind und welche eher Irrwege (Sprung vs. Haken, Ring etc.). Ich tappe diesbezüglich meist sehr im Dunkeln.

  6. Dabei zehn Plaketten? Bei „einem“ Top- Event? Welche Sportlerin kann denn bei einem Event zehn Medaillen holen?
    Ich habe mich erst (zu) lange mit dieser Formulierung auseinandergesetzt und mich dann zu der Überzeugung durchgerungen, dass ich das falsch verstanden habe und die Dame insgesamt mehr als zehn Medaillen geholt hat. In ihrem Fall wären das elf, darunter ein EM-Titel. Den im wesentlich kleineren Ring. Und zum Boxen im großen Ring ist es dann, steht da ja, doch nicht gekommen. Dass die Kugelstoßerin Nadine Kleinert in zahlreichen Rankings wegen gedopter Konkurrenz nach oben gerutscht ist, wusste ich. Von dem geplanten Ausflug zum Boxen hatte ich komischerweise bis eben gerade noch nie gehört, obwohl diese Suche nach Ruhm scheinbar von großem Medienrummel begleitet wurde. Es ist aber, wie ich mir angelesen habe, zu mehr als einer kurzen Runde Sparring nicht gekommen. Auch eine Form von technischem KO – interessante Geschichte, die viel über die brotlose Kunst in den Leichtathletik-Nischen erzählt …

  7. Das gibt’s ja nicht: Ich kann mal wieder lösen!
    Ich bin perplex, vor Freude ganz versteinert.
    Nach Grübelei’n mit Haken und mit Ösen
    war’s heute machbar. Wanted: Nadine Kleinert.

    Entscheidender Hinweis für mich war die Formulierung, sie habe IN Olympia gewonnen. Denn sowas schreibt ein gewiefter Meisterdichter wie Heinz Kamke natürlich nicht ohne Grund. Ich hatte noch irgendwo in hinteren Gehirnwindungen abgespeichert, dass bei den Athen-Spielen 2004 auch irgendwelche Wettbewerbe am Originalstandort, also im antiken Olympia, stattgefunden haben. Und Frau Wiki bestätigt das und verrät, dass es sich dabei um das Kugelstoßen gehandelt hat, was ja blendend zur Doping-Thematik im zweiten Quartett passt.
    Dass die damalige Medaillengewinnerin Nadine Kleinert mal Ambitionen in Richtung Boxen hatte, den zweiten Sport, der anhand von Ring, Gürtel, Cut und Haken leicht zu finden war, war mir allerdings komplett unbekannt. Wieder was gelernt.

  8. Das ist die ehemalige Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die ihre Medaillen größtenteils mit der Post bekommt, mitunter Jahre später, aus Gründen. Sie soll mal erwogen haben, auf‘s Boxen umzusatteln (Ring und Gürtel).

  9. Gestern im Trüben gefischt und den falschen Fisch geangelt.
    Heute passt alles. Ganz sicher. Aber das war ich gestern auch.

    Sie hat tatsächlich viele Medaillen bekommen, einige sogar per Post, wie Herr Kamke schreibt können durchaus noch welche dazu kommen.

    Obwohl sie in Athen 2004 Silber in ihrer Disziplin gewann, gab sie bekannt 2008 in Peking im Boxen starten zu wollen. ( Ring und Gürtel ). Nach mäßigem Erfolg kam sie zum Kugelstoßen zurück und wurde im Jahr 2012 Europameisterin.

    Nadine Kleinert arbeitet heute als Paketzustellerin ( Quelle Wikipedia ).
    Da sieht man das sich Leistungssport lohnt..
    Sarkasmus off.

  10. Heute waren die Anspielungen auf die Disziplinen dann doch etwas augenfälliger: Die ersten drei Strophen verwiesen doch relativ klar auf die Leichtathletik (oder doch auf andere dopingverseuchte Sportarten wie Radfahren oder Gewichtheben?). Und das letzte Terzett hatte genug Hinweise auf den Boxsport. Fällt mir da jemand spontan ein? Nein. Also Google: Nadine Kleinert! Auch wenn man das bei ihr nicht wirklich als Boxkarriere interpretieren kann, aber das stand ja auch im Text. Wobei ich im Nachhinein sagen muss: Nadine Kleinert hätte man durchaus auch ohne googlen erkennen können, zumindest den Leichtathletik-Aspekt. Ganz unbekannt ist sie ja wirklich nicht, die Karriere mit vielen Silbermedaillen durchaus präsent.

  11. Nadine Kleinert.
    Mal wieder wenig gewusst, viel gegoogelt. Boxen war klar (und nach der Bilanz gestern würde es heute keine krassen falschen Fährten geben). Aber dann dachte ich, auf 15 Sprünge im Klassemong käme man nur durch mehrere Disziplinen. Also verschiedene Laufdistanzen. Mit oder ohne Skiern. Die hatte sie dann tatsächlich nicht an.

  12. Heute mal mit einem bissel Zeit, erst viele Rätsel nachgelesen und dann auf dieses konzentriert.

    Mir fehlt ein Teil, aber bei allem anderen glaube ich, dass es passt:

    Sie siegte “nur” bei einem Top-Event,
    -> einmal Gold

    doch holte dabei über zehn Plaketten.
    -> insgesamt 11 Medaillen bisher

    Vielleicht auch mehr, ich würd’ da noch nicht wetten,
    -> es sind noch Nachplatzierungen wegen Doping vor ihr liegender möglich

    grad wenn man ihre Vorgeschichte kennt:

    Rund fünfzehn Mal – der Frust ist evident,
    man muss sich wohl in Fatalismus retten –
    bewirkten andrer Spritzen, Blut, Tabletten
    für sie ‘nen Sprung im – Obacht! – Klassement.

    -> hier reizte mich das Rätsel, denn das ist schon sehr heftig, wenn immer wieder davor Platzierte des Dopings überführt werden.

    Auch in Olympia gibt es ‘ne Medaille
    (die falsche, wie Sie sicherlich schon ahnen)
    Silber

    und später lockt ein Wechsel, hin zum Glanze.

    Sie will gern einen Gürtel um die Taille,
    und noch ‘nen Ring. Doch wie sie noch so planen,
    schlägt sie ’nen Haken – Cut! – und stoppt das Ganze.

    -> hier hab ich ewig gesucht, bis ich einen Bericht fand, dass sie nach einigem Trainieren, mal über eine weitere Karriere als Boxerin nachdachte.

    So, jetzt ist gut. Die Idealversion, bei einem Rätsel ohne Suchmaschinenhilfe lösen zu können, habe ich eh nicht erwartet.

    Bei Nadine Kleinert heute bin ich mir sicher, also ein Rätsel gelöst.
    Und was dabei gelernt, wie viele Nachplatzierungen es wegen Dopings gibt, war mir bisher nicht so klar.

    Danke und ich freu mich jetzt schon aufs nächste Jahr.

  13. Ups, erst nach Absenden gesehen, dass der Kommentaranfang noch mit dem Stand war, dass ich keine zweite Sportart fand.
    Macht nichts, perfekt kann ich hier eh nie, weder reicht mein Sportwissen, noch könnte ich öffentlichkeitstauglich reimen. Spaß beim Rätseln haben, kann ich jedoch,
    danke Kamke

  14. Tief in der vergangenen Nacht dachte ich darüber nach, die zweite Zeile noch ändern zu sollen, weil die Aussage von “dabei” nicht so ganz stimmig ist, aber die Müdigkeit war stärker. Und natürlich hat Herr @Lurchmolch just an dieser Stelle etwas zu viel Zeit verbracht. So wie Herr @braindrain21 beim Sprung; unter Verwendung des schicken Wörtchens “Polyseme”, das sich zwar unmittelbar erschließt, bisher aber nicht zu meinem aktiven Wortschatz zählte, hinterfragt er zudem meinen Umgang mit selbigen. Um es kurz zu machen: reine Willkür. Vorrecht des Hausherrn …

    Ansonsten ließ es sich wohl ganz gut lösen, auch an einem vierten Adventssonntag. Die gesuchte Sportlerin hat offenbar nur einmal Gold geholt, insgesamt aber eine zweistellige Anzahl an Medaillen gewonnen, die genaue Zahl hängt davon ab, ob man auch Juniorinnenmedaillen zählt. Und es können offenbar auch aus anderem Grund noch mehr sein, wie im zweiten Quartett dargestellt wird. Offenbar ist sie rund fünfzehn Fällen nachträglich nach oben gestuft worden (gesprungen?), weil andere gedopt waren. Ob dabei Tabletten zum Einsatz gekommen sind, vermag ich ehrlich gesagt nicht zu beurteilen. Ich zweifle. Das Klassement (einverstanden, @martin) ist ebenfalls diskutabel, aber im ORF heißt das schon so.

    Erstes Terzett, und natürlich hat Herr @Faouzi recht, dass “in Olympia” in dem Fall auch genau so gemeint ist. Die Sportlerin ist dem Vernehmen nach auch heute noch ziemlich geflasht von dem Erlebnis, im traditionellen Hain von Olympia den Kugelstoßwettbewerb der Spiele von Athen im Jahr 2004 ausgetragen zu haben. Noch dazu mit einer Medaille. Zunächst (die falsche) aus Bronze, woraus bereits wenige Tage später Silber wurde. Erhalten hat sie die Medaille dennoch erst ein halbes Jahr danach. Danach wollte sie die Sportart wechseln, mit etwas mehr Glamour im Sinn. Glamour hätte den Reim Hämmer provoziert, aber irgendwie wäre das schon wieder zu sehr nach leichtathletischer Wurfdisziplin geklungen.

    Sie wollte eher mehr Lametta, Publicity, Schnörkel, Geld. Fachleute mit eigener Agenda sahen sie schon mit einem Weltmeistergürtel um die Taille. Wir sind also beim Boxen, sozusagen vom einen Ring in den anderen. Medial wurde das ganz gut aufgenommen, aber bereits vor es wirklich ernst wurde, hat sie, Nadine Kleinert, die Notbremse gezogen (schöner Text dazu). Einen Haken geschlagen, einen Cut gesetzt. Krummes Bild, vor allem in der Kombination, aber noch ein paar Boxbegriffe untergebracht.

    @SD: Schön, dass Herr Lichtlein hängengeblieben ist … : )
    @Marco: Sie hat wohl auch mal versucht, das berechnen zu lassen. Weiß nicht, was herausgekommen ist.
    @braindrain21, @Doktor_D: Dieser scheinbar unscheinbare Satz von der Paketzustellerin lässt unmittelbar aufhorchen.

    @Ute: Ach, schön, Du hier! passt, wir haben uns ja auch bei einem weihnachtlichen Spiel kennengelernt … Und erfolgreich bist Du auch noch, inklusiver detaillierter Dechiffrierung, wunderbar!
    Und über die Sache mit dem nächsten Jahr denken wir, also ich, lieber nochmal nach.

  15. @Marco @heinzkamke: Im Zeitinterview sagt sie, es sei ihr dadurch eine sechsstellige Summe entgangen….

    https://www.zeit.de/sport/2017-08/nadine-kleinert-doping-nachtraegliche-siegerehrung-kugelstossen

    „ZEIT ONLINE: Wie viel Geld ist Ihnen in Ihrer Karriere durch den Betrug Ihrer Konkurrentinnen entgangen?

    Kleinert: Ich hab mal versucht, das ausrechnen zu lassen. Das ist komplex. Wer Gold gewinnt, erhält eine bessere Förderung, kassiert höhere Startgelder. Ich denke, da kommt eine sechsstellige Summe zusammen. Für eine Leichtathletin ist das sehr, sehr viel Geld. Das war so traurig, ich hab die Rechnung in den Ofen geworfen. Finanzielle Ansprüche sind ohnehin verjährt, das haben meine Anwälte geprüft. „

  16. Bitte nicht nachdenken und womöglich aufhören. Ich wünsch mir, dass du jetzt schon eine Basisidee hast und ab Januar jeden Monat zwei blendende Ideen notierst, damit wäre alles schon vorgeschrieben. Das vergleichsweise bissel tägliche Auflösung kann teils auch schon vorbereitet sein.
    Gerne, erinnere ich dich alle zwei Wochen per twitter nach, falls das hilft. 😉

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