fünf/zwanzigzwanzig

Mit 19 hat er einst sein Land verlassen –
die Verbform: abgesetzt, nicht ausgereist.
Ein Kino war sein Zufluchtsort, so heißt
es, für die Häscher war er nicht zu fassen.

Zwar musste er gesperrt ne Weile passen
(man hätt’ ihn gerne früher losgeeist),
doch bald darauf schon scorte er zumeist,
ließ alle andern im Verein verblassen.

Er durfte dann auch ne WM bestreiten,
doch sorgte seine Vita für zwei Pleiten.
Am grünen Tisch. Dann wieder nicht. Die spinnen.

Der Unsinn der Verbände war beschämend,
die Posse für sein Team ganz sicher lähmend.
Statt KLM bekämpfte man die Finnen.

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler*innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

25 Gedanken zu „fünf/zwanzigzwanzig

  1. Nach dem Durchlesen habe ich mich gefragt, ob ich den @guek62 befragen oder die Geschichte der Eishockey-WM in der Wikipedia nachschlagen sollte. War dann froh, dass ich mich für Letzteres entschied: Ersteres wäre dann doch zu peinlich gewesen…
    Vielen Dank dafür, dass Du mich darauf aufmerksam gemacht hast, wie alt ich geworden bin: Damals habe ich mich ziemlich über die IIHF-Urteile über Miro Sikora aufgeregt – ohne Nachschlagen wäre ich heute aber im Leben nicht darauf gekommen. Das Hirn scheint dann doch zu sieben, wenn mehr als dreißig Jahre vorübergehen…

  2. Heute lässt einen der Kamke in Jugenderinnerungen schwelgen.

    „Ja, ich habe da gespielt“ habe ich als Zitat aus der damaligen Berichterstattung im Hinterkopf.

    Es geht heute – da bin ich sehr sicher – um Miro Sikora, geboren in Polen, geflüchtet nach Deutschland, Eishockeyspieler, der hier dann auch fleißig scorte und Nationalspieler wurde.

    Bei einer WM spielte er dann für Deutschland, aufgrund vorheriger Einsätze in einer polnischen Jugendnationalmannschaft wurde von Gegnern (den Finnen?) Einspruch eingelegt, die Spiele erst gegen Deutschland gewertet, dann aber doch für Deutschland gewertet.

    Das nächste (entscheidende) Spiel ging dann verloren, weil die Mannschaft ohne ihn spielen musste und der ganze Hickhack für Unruhe gesorgt hatte.

    Mal schauen, ob ich mit der – heute googlefreien – Lösung richtig liege.

  3. MSN, BBC und KLM,
    DEL, MfG, tatütata.

    Immerhin bis zur KLM Reihe habe ich das ohne Hilfe geschafft und Herrn Sikora vom KEC kannte ich vom Namen auch, aber keine seiner Geschichten.

  4. Der erste Absatz gibt mir zunächst keine Hinweise.

    Absatz 2 enthält „losgeeist“ und „scorte“, für mic/ ein dezenter Hinweis auf Eishockey. Jetzt macht auch Absatz 1 Sinn.
    Ist Peter Šťastný nicht geflüchtet? Aber der war älter, oder? Und spielte Šťastný auch bei einer WM?

    Jetzt der entscheidende Absatz für mich. Hick Hack bei einer WM um die Spielgenehmigung von Miroslav Sikora, daran erinnerte ich mich dunkel. Die Geschichte mit dem Kino kannte ich allerdings nicht. Man lernt hier ständig neues.

    Im letzten dann nur noch Unsinn und
    Krutov
    Larionov
    Makarov
    Und die Sicherheit, dass es um Eishockey gehen dürfte.

  5. Es war mal ein Junge aus Polen,
    der ging ins Kino (verstohlen).
    Dort saß er (nur kurz),
    dann war’s ihm schnurz:
    Er ging den Finnen den Hintern versohlen.

    Miroslav Sikora – was hat es mich als Jugendlicher geärgert, daß die grandiosen Siege gegen Finnland und v.a. Kanada plötzlich nicht mehr zählen sollten. Und dann ging die Chance für den einmaligen Einzug unter die letzten vier flöten, welch Enttäuschung.

    Der KLM-Hinweis ist große Klasse. Was Diego für den Fußball war, waren die drei für’s Eishockey.

  6. Ok, ich kapituliere! Aber, und das ist für mich neu und überraschend, es kümmert mich nicht weiter…
    Klar, Eishockey. Zunächst der Verzweiflung nah, weil bis auf Hinweise zu Sportart und Spielergeneration („KLM“) trotz umfangreicher Google-Unterstützung keine Fortschritte zu verzeichnen waren. Dann aber letztlich dankbar für längst verstaubte Erinnerungen an z. B. „Ohrfeigen-Tichonov“ und „1000-Hände-Tretjak“ als willkommene Nachmittags-Abwechslung zur lästigen Pflicht der Hausaufgaben.
    Hatte länger Mogilny und Selänne im Fokus…

  7. Ok, ich musste nachhelfen. Mir war die Sportart klar und auch um was es da ging. Nur der Spielername fiel mir nicht ein. Im nachhinein fässt man sich an den Kopf. Den Namen sollte man kennen, wenn man sich etwas mit der Sportart auskennt .

    Gesucht ist natürlich die Kölner Haie Legende Miro Sikora

  8. Der Sport war durch losgeeist und scorte schnell auf Eishockey festgelegt, die Ära durch die legendäre KLM-Reihe (mein Vater mit russischer Herkunft schwärmt noch heute von Ihnen) auf die 80er festgelegt. Als 89er-Baujahr mein Spezialgebiet, quasi.

    Der Rest (absetzen, verstecken in einem Kino) klang sehr spannend, ließ aber keine Glocken läuten. Zunächst dachte ich an die DDR, ohne Ergebnis.
    Also durchforstete ich bei Wikipedia die Weltmeisterschaften der 1980er (außer Lake Placid, die kenne selbst ich auswendig), lernte u.a. mit der „Lex Sowjetunion“ spannende Regeländerungen kennen und landete schließlich bei Miroslav Sikora, der sich Ende der 70er aus Polen absetzte und der deutschen Nationalmannschaft später einiges an Hickhack bescherte, da er in seinem früheren Leben bereits für eine polnische Auswahl auflief.

  9. Miroslav Sikora ist es.

    Dass das so lange gedauert hat, ist für mich als Kölner dann doch peinlich… Eishockey war schon klar, aber ich habe mich mal wieder zu lange auf dem falschen Kontinent aufgehalten (und wurde auch etwas in den spannenden Flucht-Stories anderer Hockeyspieler gefangen). Wahrscheinlich könnte man mit den Wechseln in die NHL einen ganzen Adventskalender füllen.
    Mein erster Gedanke war Evgeni Malkin, der sich erst „kürzlich“ verstecken musste. Dann die Stastnys, Fedorov, Mogilny und und und…

    Bis mir der Hinweis mit KLM auffiel, war ich schon zu frustriert. Deshalb habe ich mir am Ende einfach alle WM-Kader angesehen, die gegen die KLM-Reihe hätten antreten können, aber am Ende in der Abstiegsrunde gegen Finnland spielen mussten. Also Kader von Polen, der DDR, Italien und der Tschechoslowakei studiert… Erst danach kam der Gedanke, es könnte ja auch die Deutschen Nationalmannschaft sein.

    Ich gehe mich jetzt schämen. So richtig.

  10. Nachdem es gestern auf dem Silbertablett vor mir lag und ich es trotzdem nicht gelöst bekam, war heute ein kleiner Hinweis ausreichend. KLM. Hier geht es nicht um zivile Luftfahrt sondern um Eishockey. Keine Ahnung wo ich das mal aufgeschnappt habe. Den Rest musste ich dann zwar zusammensuchen, aber hey. Die Lösung ist jedenfalls Miroslav Sikora, von dem ich anders als von Jan Schmid, noch nie gehört habe.

  11. Die letzte Zeile macht mich irre. KLM steht im Grunde für 80er. Und da gab es keine Playoffs oder Spiele um Platz 3.
    Nun könnte es noch sein, dass man in der Abstiegsrunde landete und Finnen und KLM pars pro toto zu verstehen sind, aber hm, dann ganz sicher nicht ohne google und wiki…

    Zumal mir außer den Stastnys, die älter gewesen sein dürften, auch gerade kein Osteuropäer einfällt, der anderswo groß scorte.

    Die Auflösung wird mich wohl ärgern, also: Schönes Rätsel.

  12. Hai(e)! Miro Sikora!

    Habe ich sogar noch an der Lentstraße live bewundern können!

    Die ausführlichen Erklärungen liefern eh die Spezialisten! 😉

    Kölle Alaaf!

  13. Georg Böhm ist es nicht. Dabei wanderte er mit 19 aus Rumänien aus, spielte danach für Deutschland Tischtennis am grünen Tisch, stieg mit Deutschland in die 2 Kategorie ab, spielte dort dann gegen die Finnen statt gegen KLM (was vermutlich für irgendwelche chinesischen Tischtennisgrößen wie Kang, Li und Ma steht 😉 ). In der Bundesliga hat er auch gut gepunktet.

    Leider ist von irgendwelchen Disqualifikationen und Wechselkomplikationen nichts zu finden. Insofern wird es wohl ein anderer Tischtennisspieler sein, wohl aus einer Zeit, wo die Tische noch grün und nicht blau waren wie heute (wenn es sehr lange her ist, würde es für mich schwierig, denn eigentlich habe ich das erst ab Rosskopf & Fetzner verfolgt, deren Sensationssieg ich damals live gesehen habe).

    Wenn es ein ausländischer Tischtennisspieler wäre, der nicht Waldner oder Schlager oder Desmond Douglas (schon wegen des schönen Namens) heißt, wäre ich ohnehin verloren.

    Vielleicht ist aber auch die ganze Sportart falsch (und grüner Tisch eine falsche Fährte – das wäre dann doch stark irreführend Herr Kamke) und bei scorete und passte, sollte man doch an Fußball oder Handball oder eine andere Ballsportart denken. Aber da waren die Finnen ja nie beim einer WM. Höchstens, jetzt wo ich es schreibe, Eishockey, wo zumindest auch gepasst und gescored wird. Aber auf das Eis fehlen eigentlich die Hinweise. Weiß nicht, ob ich Zeit habe, das noch vor der Lösung nachzuschauen.

  14. Bei KLM geht es nicht um eine Airline, sondern offenbar um die legendäre Eishockey-Reihe der Russen. Der Begriff sagt mir etwas und durch den Begriff „losgeeist“ war ich ohnehin schon bei den Eissportarten.

    Welcher Sportler allerdings aus dem Ostblock floh – um dann wohl für seinen neuen Verband und in der NHL zu scoren – weiß ich allerdings nicht.

  15. Werter Herr Kamke,
    ich gehe davon aus, dass wir hier über Jason Holland sprechen. Die Sportart Eishockey war sehr schnell klar. Den Rest musste ich googeln, was mir wieder keine Befriedigung gebracht hat.

  16. Aufgewacht, angedacht gelesen und sofort den Gedanken gehabt, dass es sich um Eishockey handeln muss. Stichworte wie losgeeist, gescort und vor allem KLM und Finnland waren für mich eindeutige Hinweise auf Eishockey. KLM stand in den 80ern für die damaligen Superstars aus Russland: Wladimir Krutow, Igor Larionow und Sergej Makarow.
    Und dann den ganzen Tag überlegt. Erst nach Russen, dann nach Tschechen (CSSR) gesucht und gegoogelt. Spannende Geschichten und Namen gefunden. Aber kein Name bzw Vita passte irgendwie dazu.
    Ich werde das heute nicht mehr lösen. Befürchte aber einen “Ah-Mist-der” Effekt.
    Egal. Ich gebe mich für heute geschlagen, Herr Kamke. Dennoch: Danke Kamke! Man verbringt viel Zeit in alten Erinnerungen. Alleine dafür ist das Danke schon mehr als angebracht.

  17. Wir sind ganz sicher beim Eishockey. KLM müsste für den sowjetischen Wundersturm stehen. Unsinn als feiner Hinweis für den DEB. Es handelt sich also wohl um die 1980er. Da fällt mir nur Uwe Krupp ein. Ob’s stimmt. 🤷🏻‍♂️

  18. An die Posse bei einer Eishockey WM erinnere mich. Nur für den Namen und die genauen Hintergründe musste ich leider Internetrecherche betreiben.
    Miroslaw Sikora, der für Polen schon in der Jugend gespielt hatte, sollte für die deutsche Nationalmannschaft nicht bei der WM treffen dürfen. Danke jedenfalls für die Stichworte WM und Scoren…

  19. 05.12. 10:33 Uhr: „Kamke. Eiserner Vorhang, Eishockey. Mehr weiß ich nicht.“

    „Das SAGT mir was. Ich kenne diese Geschichte. Es macht mich wahnsinnig.“

    Nun. Nach diversen Prüfungen von Lebensläufen ehemaliger Tschechoslowaken, DDR-Sportlern und einem längeren Aufenthalt in der UdSSR (Alexander Gennadjewitsch Mogilny war übrigens auch 19, als er sich in Schweden absetzte. Das zu recherchieren war eine hübsche, aber im Endeffekt nutzlose Beschäftigung, weil er nie die Staatsbürgerschaft wechselte) kam um 12:04 Uhr das rettende „Gotcha“ und mit der Unsinns-Kombination kam die Dame aus dem kleinen Städtchen dann auch endlich auf den richtigen Namen. Er war mal Pole, dann auch Deutscher und es ist Miro Sikora.

  20. Auch heute ging es leider nicht ohne Google.

    Eishockey schien recht schnell klar. Dann führte die Recherche auch bald zur richtigen Lösung: Miroslav Sikora

  21. Heute war ein schöner Tag. Aus familiären Geburtstagsgründen durch die Welt gefahren, Mama und Papa erstmals seit einem knappen halben Jahr wieder gesehen. An einem Tisch gesessen, wenn auch mit Maske, spazieren gegangen. Abends mit der Familie Tabu gespielt. Da muss sich so ein Adventskalender dann auch mal hinten anstellen. Die werten Ratenden scheinen sich ja auch ohne mich ganz gut amüsiert zu haben, wie ich beim einen oder anderen kurzen Blick zwischendurch festgestellt habe. Ganz verwegene Gesellinnen haben zwischendurch sogar mit Telefonjokern geliebäugelt, hörte ich.

    Jetzt aber, in aller mittlerer Kürze:

    Ein junger Mann, der sich abgesetzt hat. So beginnen osteuropäische Geschichten aus den Achtziger Jahren. Dieser hier hat sich der Legende nach in einem Kino (Kölner Kino schlägt Kölner Keller um Längen) versteckt gehalten, während die Delegation wohl noch nach ihm suchte. Die Delegation beinhaltet hier eine polnische Nationalmannschaft, die Quellen sind sich nicht komplett einig, ob es noch die U20 oder doch schon die Erwachsenen waren. Neige zu Ersterem.

    In Köln nahm man ihn mit Kusshand auf; in Polen sperrte man sich noch ein bisschen, sperrte ihn, wie das eben so war, irgendwann war er dann spielberechtigt. Die Sportart (Obacht, @lauti3001!), so schlossen viele zu Recht, drängte sich in diesem zweiten Quartett auf, die Schlüsselbegriffe waren losgeeist und scorte. Eishockey. Unser Mann, Miroslav Sikora, ließ im Verein alle anderen verblassen, will sagen: Wenn mich die üblichen Quellen nicht in die Irre führen, ist er bis heute Topscorer der Kölner Haie, knapp vor Gerd Truntschka, einem Zeitgenossen, wie wir wissen.

    Bitter dann die WM 1987, für die er eine offizielle Spielberechtigung vom Weltverband erhielt, die aber anscheinend auf fehlerhaften Angaben aus Polen fußte. Sikora hatte dort Juniorenländerspiele bestritten, war damit, wie man heute sagt, in Polen “festgespielt”. Selbst seine eigenen diesbezüglichen Aussagen fochten den DEB nicht an (klar, wenn der Weltverband die Erlaubnis erteilt), er trat mit Sikora an. Die skurrile Geschichte gibt’s u.a. hier nachzulesen.

    Es kam dann eben, wie es kommen musste: Finnland, das sich, so kolportierte man in Deutschland, auf diesen Fall vorbereitet hatte, legte nach zwei tollen Siegen der DEB-Mannschaft Protest ein und präsentierte entsprechende Unterlagen, die Punkte wurden aberkannt (dieser sprichwörtliche grüne Tisch war gemeint, auch wenn mich die Tischtennisvariante begeistert), Gegenprotest, Punkte zurück, Sikora aber nicht mehr spielberechtigt, entscheidendes Spiel verloren. Womit wir schon mitten im zweiten Terzett wären, wo die deutsche Mannschaft von der Posse gelähmt auftrat und das zwei weitere sehr eindeutige Eishockeyhinweise gegeben hatte: In der ersten Zeile gab Bundestrainer Xaver Unsinn eine Stippvisite, in der letzten geht es natürlich nicht um eine Fluggesellschaft, sondern um die legendäre russische Sturmreihe Krutov, Larionov, Makarov. Gegen diese durfte man quasi wegen des finnischen Protests nicht antreten, musste vielmehr in der Abstiegsrunde antreten, wo erneut Finnland zu den Gegnern zählte.

    Ja, @Doktor_D, Šťastný war meine Alternative aus dem Eishockey, aber Sikora war mir (und vermutlich auch nicht ganz so wenigen Mitspielenden) näher. Was definitiv nicht bedeutet, dass nicht auch mehrere Athlet*innen aus ein und derselben Sportart Eingang finden können.

    Viele schöne Kommentare Eurerseits, zu denen ich mich gern äußern würde, doch ach, es ist so spät, heute leider nicht. (Aber hübsch, wie sich doch einige hier an ihre damalige Verärgerung erinnern. Den Gastgeber eingeschlossen.) Gute Nacht.

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