neunzehn/zwanzigzwanzig

Schon damals beim olympischen Debüt
hat er zwei Goldmedaillen eingesackt.
Er feierte vergnügt und unbefrackt –
gewiss mit Apfelsaft, bien entendu!

Doch bald nachdem der Mann im Lichte brüh-
te, hat das Schicksal übel zugepackt.
Nur Wochen nach dem feierlichen Akt
verstarb ein Teamkollege viel zu früh.

Sein zweiter Auftritt unter jenen Ringen
kam sag und schreib nach fünf Olympiaden
und manchem Hindernis auf seinem Wege.

Die Hymne konnt’ er sicherlich nicht singen
(war eh zur Siegerehrung nicht geladen),
bezahlt hat ihn im Grund ein Teamkollege.

______________

Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler*innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

15 Gedanken zu „neunzehn/zwanzigzwanzig

  1. Welch eine spannende Geschichte von Ulrich Kirchhoff. Sein Goldpferd von Atlanta „Jus der Pommes“ (je vois, qu’est-ce que tu as fait ici) direkt nach den Spielen verstorben und dann nach 20 Jahren der Auftritt in Rio für die Ukraine, die sich eine komplette Reiterschar eingekauft hat.

  2. Jus de Pommes -> Jeu de Paume: George Jay Gould II

    (Späßle gemacht – das wird heute nix: Klingt nach einer bekannten Geschichte, die mir aber spontan nicht geläufig ist, und ich bezweifle, dass ich mich heute auf die Suche begeben kann.)

  3. 19.12., 08:36 Uhr: „Ich würde ja irgendwas mit (Spring-)Reiten sagen, wegen Frack und Hindernis, aber das ist wieder was mit Pferden, da wäre ich bei mir selbst vorsichtig.“

    -„Aber es klingt wirklich nach Pferd.“

    Traumata zu besiegen soll ja sehr heilsam sein und hier lautet mein persönliches Heureka, das ich viel zu früh am Wochenende sehr laut ausschrie „HA! APFELSAFT!“

    Die wilde Posse um seinen Start für die Ukraine in Rio hatte ich in Gänze nicht mehr auf dem Schirm, die ist ja großartig. Zwanzig Jahre zuvor wurde er mit seinem Pferd (Na? Na? Man ahnt es, es ist natürlich JUS DE POMMES, wie so ein Tier halt heißt!) zweimaliger Olympiasieger in Atlanta. Sehr traurig ist, dass das Pferd kurz danach verstarb, das war nicht schön.

    Nach der Verbindung zu Sarah Connor habe ich jetzt nicht gesucht, hinterher ist das auch noch ein Pferdename, das will ich gar nicht wissen.

    Kamke, Sie suchen Springreiter Ulrich Kirchhoff.

    Mic drop.

  4. Fürs Mitsummen der ukrainischen Hymne hätte es vielleicht gereicht, melodisch ist sie ja wirklich ganz nett. Aber ohne Jus de Pommes gab es für Ulrich Kirchhoff wohl nichts zu holen.

  5. Gestern Schockemöhle, heute ein Pferd. Der Herr Kamke ist wirklich gewitzt.

    Jetzt muss ich nur noch ein Pferd finden, oder vielleicht doch einen Reiter der nach 20 Jahren wieder bei Olympia dabei war.

    Na Halla (marsch) wird es wohl nicht gewesen sein. Dr. Reiner Klimke auf Ahlerich hieß mal eine Mannschaft in der Wilden Liga in Bielefeld, das war es dann mit meinem Pferdewissen.

    Kurz und gut, für heute Sattel ich mal ab.

  6. Herr Kamke, ein Geschenk! Ein Rätsel aus meiner Heimat – und das ist nunmal eine Pferdegegend, in allen Details. Mädchen und Jungs in Barbourjacken. Schnaps am Bierstand vor der Reithalle im Nachbardorf. Und der Mann, der Apfelsaft (Jus de Pommes) in Atlanta 1996 zu Doppelgold in Einzel und Mannschaft geritten hat: Ulrich Kirchhoff. In der Mannschaft zusammen mit Franke Sloothaak und Ludger Beerbaum, mehr geht im deutschen Springsport fast nicht. Jus de Pommes ist nur ein paar Wochen nach den Spielen gestorben und Kirchhoff dann später noch für die Ukraine gestartet. Da fehlen mir zwar die Hintergründe – aber die Olympiasiege, die muss man sich gemerkt haben und das Pferd mit dem lustigen Namen natürlich auch. Danke nochmal für den throwback Saturday!

  7. Brüh im Lichte->muss ein Deutscher sein
    unbefrackt, Apfelsaft->Reitsport
    manchem Hindernis auf seinem Wege->Vielseitigkeit
    dann ging das Suchen los…
    => Ulrich Kirchhoff, zweimal Gold 1996 auf Jus de Pomme (Aha! ;-),
    der kurz danach verstarb
    Später noch für die Ukraine im Sattel, u.a. 2016.

  8. Nachdem ich die Listen der Springreiter, Vielseitigkeitsreiter, Moderner Fünfkampf und Hindernisläufer durchgegangen bin auf alle Doppelstaatler, alle Franzosen und alle mit einer langen olympischen Karriere, bin ich nicht weitergekommen, habe aber viel neues erfahren. Z.B. dass es einst einen Hindernislauf über 2590 m bei Olympia gab, den James Lightbody als Debutant gewann nebst 2 anderen Goldmedaillen. Oder über James Thorpe, den vielleicht komplettesten Sportler der Neuzeit, über den ich ja schon getwittert hatte und für den die Mehrkämpfe erfunden wurden, nachdem er aus Spaß in Straßenkleidung mal eben 1,75 hoch gesprungen sein soll.

    Ohne einen irreführenden Wikipediafehler (schon mein zweiter 2020) hätte ich all das nicht erfahren.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Olympiasieger_im_Reitsport#Springreiten_Einzel

    Denn bei Herrn Kirchhoff steht da erstens, dass er nur 1996 bei Olympia angetreten ist und zweitens, dass er nur für ein Land, nämlich Deutschland antrat. Von Ukraine 2016 keine Spur. Also kam er schon aus 2 Gründen nicht in Frage und entsprechend hatte ich ihn auch nicht genauer nachgeschlagen und bin dann in meiner Verzweiflung bei Hindernisläufern und Mehrkämpfern gelandet.

    Das hätte ich aber alles nicht erfahren, hätte ich selbstverständlich besser auf Herrn Kamke gehört. Der Jus de Pommes bei Olympia lieferte dann sofort das gewünschte Ergebnis. (Vielleicht hat ja der Kamke den Wikipediaeintrag frisiert, damit manihm auch zuhört 😉 ).

    Ich muss allerdings gestehen, dass Herr Kirchhoff nicht mehr zu meinen aktiven Reitsportrepoirtaire gehört (da hört es nach Winkler, Schockemühle, Beerbaum, Klimke, Uphoff dann auch recht bald auf), aber nachdem ich es nachgelesen hatte, kam wieder eine dunkle Erinnerung. War das nicht etwas überraschend, weil Beerbaum und Sloothaak höher eingeschätzt wurden oder liege ich auch da falsch.?

  9. Sehr schön, sehr schön. Dass es irgendwie um Pferde geht, war klar, schwieriger schon, in welchem Satz das Pferd, in welchem Satz der Reiter gemeint war.

    Ulrich Kirchhoff. Ich hatte ja seit dem Beginn auf Hugo Simon gehofft…

  10. Beim Hindernissport Springreiten war ich ziemlich schnell, für den Rest musste ich dann doch Google zur Hilfe nehmen. Pferdenamen sind mitunter sehr speziell: Ulrich Kirchhoff gewann mit Jus de Pommes („Apfelsaft“) in Atlanta Gold im Einzel und mit der Mannschaft. 2 Wochen später starb sein Teamkollege Jus de Pommes. 20 Jahre später reichte es für Kirchhoff bei den Olympischen Spielen in Rio unter ukrainischer Flagge nicht für eine vordere Platzierung.

  11. Ok, wir haben folgende Informationen:
    – 2 Goldmedaillen beim Debüt – nehmen wir mal der Einfachheit halber an, es war seins und nicht das seiner Sportart oder das der olympischen Spiele generell
    – Ein Frack? Reiten also? Aber unbefrackt – keine Dressur?
    – Apfelsaft?!
    – jemand brüht im Lichte? Eine Nation könnte Deutschland sein
    – ein Teamkollege verstirbt; wir waren ja beim Reiten – könnte also das Pferd gewesen sein
    – 5 Olympiaden zwischen den Auftritten – Reitsport erscheint immer wahrscheinlicher
    – Hindernisse – Springreiten vielleicht?
    – bezahlt vom Teamkollegen? Eventuell das Pferd ‚gestellt‘ bekommen?

    Das wirkt jetzt super strukturiert und der Lösung ganz nahe, aber natürlich habe ich vorsichtshalber trotzdem 1912 bei den Dressurreitern angefangen und die Informationen über Ulrich Kirchhoffs (!!) Start für die Ukraine 2016 stehen auch auf der zweiten oder dritten Seite der Wikipedia, sodass ich’s beim ersten Mal überlas. Darüber wie lange es dauerte, bis der Apfelsaft-Groschen fiel, legen wir besser den Mantel des Schweigens. Der Name ging 1996 im verregneten Harz-Urlaub vorm winzigen Hotelfernseher genauso an mir vorbei wie 2016. Das hat mich kurz gewundert, aber meine Lösung hatte ich bereits vormittags, lediglich die Zeit zum Tippen fehlte. Als ich diese jetzt fand, fiel mir zwar sofort der Name des Pferds ein, aber… Sie ahnen es…

  12. Samstag vor Weihnachten. Intensivster Shoppingtag des Jahres. Normalerweise. Und heute doch auch, irgendwie, alle sind beschäftigt. Herzlichen Dank an alle, die sich trotzdem ein paar Gedanken zu meinem Rätsel gemacht haben.

    Dann will ich mal versuchen, mich kurz zu fassen:
    (Ach, wenn doch @Vicky etwas früher gelöst hätte, dann hätte ich mir die folgenden Absätze alle sparen können …)

    Bei *seinem* Olympiadebüt (nicht 1896, auch nicht das der Sportart, beides natürlich denkbar) holte er zwei Goldmedaillen, was die Sportarten ja schon mal ein bisschen einschränkt. Der Sack hat nichts zu sagen. Unbefrackt kann entweder bedeuten, dass das eine Ausnahme ist, weil er das sonst immer tut beim Sport (sagen wir: Dressurreiten), oder aber, dass er es auch sonst gerade nicht tut (sagen wir: Springreiten), oder schließlich, dass er halt keinen Frack getragen hat. Neige zu den erstgenannten Gedanken. Bleibt die Frage nach dem Apfelsaft, französisch begleitet.

    Er brühte im Lichte. Könnte natürlich, wie von den Damen @schnatsch angedeutet, mit Sarah Connor zu tun haben; wahrscheinlicher ist der bloße überdeutliche Hinweis auf die Nationalität: ein Deutscher. Dessen Teamkollege (einer von mehreren) wenige Wochen nach der (oder den) gemeinsam errungenen Goldmedaille(n).

    Irgendwann fuhr er wieder nach Olympia, und zwar 20 Jahre später. Unterwegs hat er manches Hindernis überwunden (seien wir ehrlich: da hatte die erste Olympiateilnahme deutlich mehr versprochen). Und dann steht da ja noch das Wörtchen “Hindernis”. Könnte ja auf einen Sport hindeuten. Leichtathletik, klar, BMX war noch noch so oft olympisch, ob man beim Mountainbiken von Hindernissen spricht, weiß ich nicht, vielleicht kommen wir doch wieder zurück zum unbefrackten Springreiten.

    Bei dieser zweiten Olympiateilnahme trat er für ein Land ein, dessen Hymne er mutmaßlich nicht mitsingen konnte. Vielleicht nicht so ganz einfach, wobei der Summ-Hinweis von @Tovo zutreffen dürfte. Also eher kein eng verwandtes Nachbarland. Zur Siegerehrung durfte er nicht, war eher unter ferner liefen. Und wurde von einem Teamkollegen bezahlt.

    Steht ja das meiste schon in den Kommentaren. Es geht tatsächlich um einen Springreiter, Ulrich Kirchhoff, der 1996 in Atlanta im Einzel und mit der Mannschaft gewann, in einem ziemlich beeindruckenden Team, wie @Lurchmolch schreibt. Sein Pferd, von dem ich las, es sei der einzige Hengst gewesen, der je olympisches Einzel-und Teamgold geholt habe, hieß “Jus de Pommes”. Genau, französisch für Apfelsaft. Streng genommen Äpfelsaft, aber so sehr wollte ich die Aufmerksamkeit dann doch nicht auf das Wort lenken. Dieser Jus de Pommes verstarb nur wenige Wochen nach Olympia an einer Kolik, Kirchhoff hatte nie wieder so ein Pferd und war nie mehr annähernd so erfolgreich, versuchte dies und jenes.

    Im Jahr 2013 ließ er sich dann von dem ukrainischen Mutimillionär und Pferdenarren Oleksandr Onischtschenko anwerben und startete fürderhin für und teilweise auch mit ihm – Onischtschenko ritt häufig selbst und war offenbar eine ziemlich schillernde Figur. Vielleicht hätte ich, auch im Sinne von Herrn @sport_thies, erwähnen sollen, dass er dereinst mit einer der größten Schweizer Sportlerinnen der letzten 70 Jahre liiert war, die bei der Wahl zur größten Schweizer Sportlerin der letzten 70 Jahre aus Betäubungsmittelgründen nicht wählbar war. Wie auch immer: Dieser Mann kaufte sich ein Nationalteam zusammen, dessen Zusammensetzung sich verschiedentlich veränderte (immer wieder auch mit deutscher Beteiligung) und das bei Olympia 2016 antrat, wenn auch ohne den mittlerweile in juristischen und wirtschaftlichen Kalamitäten befindlichen Mäzen.

    @Marco: Durchschaut!

    @SD: Dabei hattest Du doch gleich die entscheidende Übersetzung gewählt. Ich war völlig überrascht, dass es danach nicht weiterging.
    @Ina Kast hat das völlig korrekt dargestellt.

    @schnatsch: Sie haben da ein Mikrofon am Boden liegen. Wer weiß, ob Sie es noch brauchen!?

    @Doktor_D: Ja, ich habe gestern ganz schön den Atem angehalten, als wie bei den Schockemöhles waren, während ich mich mit Herrn Kirchhoff beschäftigte.

    @Lurchmolch: Schnaps am Bierstand vor der Reithalle. Titel des neuen Romans von Rocko Schamoni.

    @Knut Kleinsorge: Wie der direkte Link vom Apfelsaft zum Reitsport funktioniert, erschließt sich mir noch nicht unmittelbar, und die Vielseitigkeit müssen wir abziehen, aber letztlich bleibt, dass Raten ein Ergebnissport ist. Punkt.

    @braindrain21: Das ist doch schön, wenn sowohl Du als auch ich hier etwas lernen. Und erst recht schön, dass Du tagsüber offenbar zu tun hattest … ; )

    @martin: Kirchhoff vs. Simon war echt eine schwierige Entscheidung. Mir war Simon auch näher, aber ich hatte das Gefühl, schon zu viele zu weit aus der Vergangenheit kommende Türchen zu haben. Aber es schmerzte.

    @Jule2710: Perfekt, würde ich sagen. Wenn nicht kurz darauf @Vicky gekommen wäre, um das noch einmal ein bisschen in den Schatten zu stellen.

    @sport_thies: Ist es, werter Herr Thies.

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