Meine eigene universelle Twitkritik.

Das „Konzept Twitkrit“ gefällt mir. Erklärungen und Interpretationen einzelner oder nach irgendwelchen Kriterien gruppierter Tweets lese ich meist mit Interesse, häufig mit Vergnügen und nicht selten mit einem gewissen Neid: ich würde das auch gerne machen. Können, vor allem.

Dann komme ich zumeist recht schnell zu dem Schluss, dass das irgendwie mit Talent, literarischem Gespür oder sonstwas zu tun hat und finde mich mit meiner Leserrolle ab. Ohne den Gedanken aufzugeben, irgendwann einmal selbst ein Buch zu schreiben einen Tweet zu erklären.

Vor wenigen Tagen war es dann soweit: mir ist ein Tweet zugeflogen, den ich gerne einmal näher betrachten wollte und von dem ich glaubte, ihn ganz gut verstanden zu haben:

Ein Rechtfertigungstweet, ganz offensichtlich: @heinzkamke hatte sich wohl einige Tage lang rar gemacht und wollte den geneigten Followern nun, warum auch immer, die Gründe seines Schweigens darlegen, wie seine Einleitung „Kurze Zusammenfassung meines Wochenendes“ vermuten lässt. Das kann man natürlich tun; in aller Regel ist es allerdings nur bedingt interessant. Zumal gerade Twitter den Mut zur Lücke, konkret: willkürliches unregelmäßiges Ein- und Ausklinken, kultiviert – auch wenn sich in der Twitterwelt vermutlich nicht nur zahlreiche Abwesenheitsrechtfertiger tummeln, sondern auch so mancher Nutzer, der nach jeder Offlinephase die Lücke fürchtet und deshalb seine gesamte Timeline nachliest.

Ich schweife ab. Zurück zum Rechtfertigungsbedarf: möglicherweise wollte @heinzkamke über die Grenzen von Twitter hinaus (gilt das schon als crossmedial?) jene Leser besänftigen, die an besagtem Wochenende Kommentare in seinem Blog hinterlassen und darauf, entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten, keine Reaktionen erhalten hatten. Eventuell wollte er gar dem einen oder anderen regelmäßigen Besucher andeuten, dass eher nicht mit einem Text zum jüngsten Bundesligaspieltag zu rechnen sei, weil der Blogbesitzer Wichtigeres zu tun gehabt habe.

Was dieses Wichtigere war? Nun, er sagt es uns nicht direkt. Mutter und Kind seien wohlauf, schreibt er, und dass es ein Mädchen sei, ergänzt um den etwas unbeholfenen Versuch, durch einen Doppelsmiley besonders große Freude zum Ausdruck zu bringen. Der mitdenkende Leser (wie auch sein weibliches Pendant) zieht vorsichtige Schlüsse, manch einer wünscht mehr oder weniger konkret Glück, ehe schließlich der entscheidende Hinweis, als verklausulierte Nachfrage getarnt, von @probek kommt:

Oha, @heinzkamke ist also wieder Vater geworden. Was noch ein ganz anderes Licht auf die Rechtfertigungstheorie wirft: Wahrscheinlich will er uns gleichzeitig sagen, dass er in der nächsten Zeit etwas mehr Zeit mit der Familie und weniger mit Twitter, seinem Blog und anderem Social Media Zeug verbringen wird.

Vielleicht interpretiere ich da aber über.

0 Gedanken zu „Meine eigene universelle Twitkritik.

  1. Stecke gerade bis über beide Ohren in der Magisterarbeit – deshalb ist mir diese Tweetperle entgangen.

    Umso mehr, wenn auch nachträglich: Nur die besten Glückwünsche!

  2. „Wieder Vater“ heist es gibt schon Geschwister. Die wievielte Wenigschlafphase hat @heinzkamke denn nun zu durchleben?

    Jedenfalls immer wieder ein Wunder. Alles Gute und viel Spaß!

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